Alter St.-Matthäus-Kirchhof (Geschichte)

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Berlin-Potsdam Bahn/Ecke Großgörschenstraße, Adolf von Menzel 1847, Alte Nationalgalerie
Kapelle des Friedhofs, Architekt: Gustav Werner, 1909 fertiggestellt
Grusskarte: Kapelle, Grab Grimm, Langenscheidt, Café, Denkmal positHIV
Gedenk-/Info-Tafel am Eingang Alter St-Matthäus-Kirchhof, Berlin
EFEU e.V. Banner mit Mausoelum Hansemann
Grabstelle Garten der Sternenkinder III

Der Alte St.-Matthäus-Kirchhof Berlin ist ein historischer Friedhof in Berlin mit vielen kulturhistorisch bedeutenden Grabmälern, die heute unter Denkmalschutz stehen. Der Kirchhof liegt zwischen der Großgörschen- und der Monumentenstraße im Ortsteil Schöneberg auf der sogenannten Roten Insel, direkt an der ersten preußischen Bahnlinie. Adolph von Menzel malte diese Gegend 10 Jahre vor Friedhofsgründung und wird wohl auf der Höhe des heutigen Wegekreuzes gestanden haben. Auf einem Foto von 1872 sieht man die Gleise noch ebenerdig die Straße kreuzen. Fast die gesamte Wohnhausbebauung um den Friedhof entstand erst ca. 1880-1915.


Der Friedhof wurde am 25. März 1856 eingeweiht und gehört zu der im südlichen Tiergartenviertel gelegenen St.-Matthäus-Kirchnegemeinde - gegründet 1846 (im heutigen Kulturforum, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als Geheimratsviertel bezeichnet wurde). Die erste Beerdigung fand am 25. März 1856 statt, bei der die Frau des Rittmeisters Krottnauer-Petersen beerdigt wurde – die Grabstelle ist heute allerdings nicht mehr auffindbar, da die frühen Jahrgänge der Totenbücher verschollen sind. Das älteste erhaltene Grabmal ist für den jungen Ferdinand Streichenberg-Scharmer, geschaffen von seinem Großonkel A.J. Streichenberg.

Bereits am 1. Oktober 1863 wurde der Friedhof erstmals vergrößert. Zu diesem Zweck wurde an der östlichen Friedhofsseite ein Gelände aufgekauft, das dem preußischen Militärfiskus gehörte. Am 6. Dezember 1866 erstand die Gemeinde an der westlichen Seite ein weiteres Grundstück des Grundbesitzers Johann Friedrich Ludwig Grunow. Eine letzte Erweiterung erfolgte 1884 auf der Westseite, auf der ein Grundstück verkauft wurde, danach war in der Umgebung kein Grundstück mehr zu bekommen.

1907/1908 ließ die Gemeinde eine Kapelle als Zentralbau mit Kuppel in Barockmanier errichten, die von dem Architekten Gustav Werner (auch Holzkapelle Südwestkirchhof Stahnsdorf) entworfen und unter der Bauleitung von Baurat Carl Tesenwitz ausgeführt wurde.

Der Friedhof sollte im Rahmen der nationalsozialistischen Pläne für eine Welthauptstadt Germania aufgegeben werden. In den Jahren 1938 und 1939 wurden ein Drittel der Grabstätten im nördlichen Teil auf den Südwestkirchhof Stahnsdorf umgebettet. Um dem heutigen Besucher einen Eindruck vom Umfang der Veränderungen von 1938/1939 zu geben, wurde ein Gedenkstein am ehemaligen Standort des Erbbegräbnisses der Verlegerfamilie Langenscheidt aufgestellt. Direkt daneben hat der EFEU e.V. mit Kunststudenten 2008 eine Langenscheidt-Mausoleum-Fassadengestaltung als Projekt erstellt. Beim gestalteten Urnenhain Abt. G (Urnengemeinschafts-Grabstelle) sind 2007 zur Erinnerung alte umgebettete Grabstätten als Schattenumrisse gemalt worden (Diplomarbeit von Studenten der Kunstschule Weißensee). Ca. 200 Erbbegräbnisstätten sind noch auf dem Südwestkirchhof erhalten (Abt. Alte Umbettungen). In ein Sammelgrab im Süden wurden ca. 5000 Verstorbene aus den Gartengrabstellen umgebettet (ohne Grabdenkmale oder Namensnennung). Albert Speer setzte damals Ernst von Harnack als Gräberkommissar ein, um den ganzen Friedhof aufzuheben. Der Beginn des 2. Weltkriegs stoppte das Vorhaben.

Auf dem St.-Matthäus-Kirchhof ist ein Gedenkstein für die Widerstandskämpfer des Attentats vom 20. Juli 1944 um Claus Graf Schenk von Stauffenberg errichtet worden, die im Bendlerblock erschossen und an dieser Stelle begraben wurden. Wenig später wurden die Toten von der SS exhumiert, im Krematorium Wedding verbrannt und die Asche auf Rieselfeldern verstreut.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts übernahm der eingetragene Verein „Denkmal positHIV e.V.“' die Patenschaft für die ausgedehnte Grabstätte des Rentiers Albert Streichenberg, um einen Ort des Gedenkens und der Bestattung für Menschen mit HIV und AIDS in Berlin einzurichten. In 2015 wurde durch einen künstlerischen Wettbewerb eine Neugestaltung durchgeführt ("AIDS-Kunst-Grab"). Mittlerweile sind dort 5 historische Grabstellen in Patenschaft.

Auf dem Friedhof befinden sich heute 43 Gräber prominenter Persönlichkeiten, die als Ehrengrabstätten Land Berlin anerkannt sind und für deren Pflege und Erhalt der Bezirk Tempelhof-Schöneberg sorgt.


Im Jahr 2007 wurde der gemeinnützige Förderverein EFEU e.V. gegründet, der sich seither für Erhalt und Pflege des Friedhofs sowie für Öffentlichkeitsarbeit durch Führungen, Ausstellungen, Internet und öffentliche Veranstaltungen einsetzt.

Im April 2008 wurde der zu den Vereinsprojekten gehörende Garten der Sternenkinder eingeweiht, eine Ruhe- und Gedenkstätte für Fehlgeburten, Totgeburten und Babys die während oder kurze Zeit nach der Geburt gestorben sind. Weitere Restaurierungs-Projekte: Grabstein für Richard Lucae, Farbfassung Mausoleum Bolle, Farbausmalung der Grabinschriften Brüder Grimm, Tür Mausoleum Mitscherlich, Gestaltung Grab Fam. Gustav Richter.

Im Eingangsbereich des Friedhofes betreibt EFEU e.V.-Mitglied Bernd Boßmann, auch bekannt als Ichgola Androgyn, das einzige Friedhofscafé Deutschlands, das Café finovo. Über ihn und sein Engagement für Friedhof, Efeu e. V. und den Garten der Sternenkinder entstanden bereits mehrere Dokumentarfilme, Fernseh- und Radioberichte sowie Zeitungsartikel.



Alter St.-Matthäus-Kirchhof - Grabliste/Auswahl


Text: Wikipedia

Bild 1: commons.wikimedia Google-Art-Project
Bild 2: commons.wikimediaManfred Brückels
Bild 3: Ludger Wekenborg
Bild 4: commons.wikimedia
Bild 5: commons.wikimedia/L. Wekenborg
Bild 6: commons.wikimedia/L. Wekenborg

Liste der Autoren

Link zu stadtentwicklung.berlin.de/Stadtplan Tiergarten-Matthäi-Viertel - mit Liste Bewohner vor 1930

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