Nedlitz

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Anfänge

Die Anfänge von Nedlitz reichen zurück bis in die Bronzezeit. Die moderne Besiedlung begann vermutlich im Spätmittelalter. Eine Fähre über den Weißen See fand erstmals 1323 Erwähnung. 1682 wurde eine hölzerne Brücke errichtet, daneben ein Zollhaus. Ende des 18. Jahrhunderts waren Obstanbau und Seidenraupenzucht die vorherrschenden Wirtschaftszweige. Nach Entwürfen von Heinrich Ludwig Manger wurde das Fährgutshaus neu errichtet. Ab 1843 lässt Friedrich Wilhelm IV. das Fährgutshaus nach Plänen von Ludwig Persius erweitern. 1844 veranlasst der König die Neuanlage der Chaussee von Spandau nach Potsdam, die Nedlitz durchquert. Zu dieser Zeit schildert auch Theodor Fontane die Nedlitzer Fähre in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg.


Tourismus

1845 begann mit dem Neubau der Nedlitzer Brücke durch den berühmten Architekten Ludwig Persius, der mit dem markanten Brückenturm ein neues Wahrzeichen im Potsdamer Norden schuf, ein neues Zeitalter für Nedlitz. Der kleine, heute überregional kaum bekannte Ort am Jungfernsee begann sich zum bevorzugten touristischen Ziel zu entwickeln und spielte um 1900 eine wichtige Rolle im Ausflugsbetrieb der Städte Potsdam und Berlin. Auf dem Gebiet zwischen den Brücken lagen drei Ausflugsrestaurants, das Schweizerhaus, die Römerschanze und das Parkrestaurant, unmittelbar nebeneinander.

Das Schweizerhaus wurde schon um die Jahrhundertmitte als erster Ausschank an dieser Stelle eröffnet. Die beiden anderen Wirtschaften folgten um 1890. Als 1903 der neue Schifffahrtskanal, der sogenannte Nedlitzer Durchstich, welcher zum Sacrow-Paretzer-Kanal gehört, südlich dieses Gebietes in Betrieb genommen wurde, lagen alle drei plötzlich auf einer Insel. Sie gehörten zu den größten und beliebtesten Ausflugslokalen im Potsdamer Umland.

Nedlitz war damals eine grüne Oase und wegen der guten Erreichbarkeit mittels »Kraftpostbussen« und per Dampfer ein gern angesteuertes Ziel. In den 1920er- und 1930er-Jahren wurden die drei Restaurants häufig als Ziel von Betriebsausflügen der großen Berliner Industriebetriebe wie Siemens, AEG oder Borsig auserkoren.

Alle drei Restaurants verfügten über Schiffsanleger, um die Anzahl der Dampferlandungen zu bewältigen. Die Lokale besaßen mehrere Säle und große Gartenterrassen am See. Allein die Römerschanze, benannt nach einem spätbronzezeitlichen Wall im benachbarten Königswald, hatte über 3 000 Plätze. Geworben wurde mit »gutem Kaffee und selbstgebackenem Kuchen zu kleinen Preisen und guter Küche«. Im Sommer wurden zusätzlich Zimmer vermietet, es gab Kegelbahnen, Bootsverleih und Spielplätze.


1945 bis 1990

Der Zweite Weltkrieg und die deutsche Teilung verschonten auch Nedlitz nicht. Wehrmachts-Einheiten sprengten die Nordbrücke (Persius-Brücke) kurz vor Kriegsende. Ihr Wiederaufbau erfolgte bis 1950, die Brücke war aber im Laufe der nun folgenden Jahrzehnte zunehmend weniger heutigen Verkehrsbelastungen gewachsen. Trotz Protesten wurde sie daher 2002 abgerissen und durch einen 2003 eingeweihten Neubau ersetzt.

Das Schweizerhaus, im Krieg schwer beschädigt, diente zunächst noch als Flüchtlingsnotunterkunft, wurde dann aber nach und nach von dem sich nun auf der Insel ausbreitenden DDR-Autobahnbau-Kombinat (Betriebsteil Potsdam) beseitigt. Dieser Betrieb übernahm später auch die Römerschanze, um auf dem gesamten Gelände seine Berufsausbildung unterzubringen. Auch die Grenzübergangsstelle Nedlitz war hier angesiedelt, zuständig für den Güterverkehr auf der Transitwasserstraße, der Unteren Havel-Wasserstraße von und nach West-Berlin.

Am Ufer, wo früher die Pavillons standen, wurde ein Heizhaus mit einem fast 30 Meter hohen Schornstein gebaut. Die restlichen Freiflächen der Insel wurden überbaut, sie machte nun eher den Eindruck eines Industriegebiets. Die Weiße Flotte lief Nedlitz noch bis Anfang der 1980er Jahre an, bis aufgrund der Grenznähe der Linienverkehr eingestellt wurde. Das Parkrestaurant behauptete sich als HO-Gaststätte bis 1990.


Entwicklung seit 1990

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands und der daraus resultierenden Schließung des Autobahn-Kombinats im Zuge der De-Industrialisierung der "Neuen Bundesländer" prägen Industriebrachen die Nedlitzer Insel. Die verkehrsreiche B 2 bildet eine Schneise quer über die Insel. Die Römerschanze wurde von wechselnden Möbelverkäufern genutzt und nach langem Leerstand im Sommer 2008 abgerissen, auch das Parkrestaurant wird seit längerem nicht mehr betrieben. Die Grundsubstanz ist erhalten, aber in einem sehr renovierungsbedürftigen Zustand, der Investoren in der Vergangenheit zurückschrecken ließ. Zudem verteuern Auflagen des Denkmalschutzes alle Arbeiten. So steht das Gelände bis heute unverändert zum Verkauf. Seit kurzem ist allerdings der Wiederaufbau des Nordturms der Nedlitzer Brücke geplant. Die Fertigstellung der neuen, rund 50 Meter westlich verschobenen Südbrücke, ist noch für das Jahr 2011 geplant. Ein sich anschließender Kreisverkehr, finanziert vom Potsdamer Ortsteil Groß Glienicke, soll den Abschluss bilden und die einmündende Amundsenstraße sowie die B2 miteinander verbinden.



Text: Wikipedia

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