Alte Synagoge (Essen)

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Um 1922: Synagoge mit Friedenskirche

Die Alte Synagoge (Anfangs Synagoge am Steeler Tor genannt, da sich hier bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts das Steeler Tor der Essener Stadtmauer befand) ist heute das Haus jüdischer Kultur in Essen. Es befindet sich im Zentrum der Stadt in der Steeler Straße 29, nahe dem Essener Rathaus.

Die Einrichtung, die nach Umbau als Haus jüdischer Kultur am 13. Juli 2010 neu eröffnet wurde, ist untergebracht im ehemaligen Synagogengebäude der jüdischen Vorkriegsgemeinde. Die Synagoge wurde nebst angeschlossenem Rabbinerhaus 1913, nach zweijähriger Bauzeit, nach Plänen des Architekten Edmund Körner fertiggestellt. Heute gehört das Gebäude zu den größten, besterhaltenen und architektonisch beeindruckenden Zeugnissen jüdischer Kultur der Vorkriegszeit in Deutschland.


Geschichte der Synagoge - Die Anfänge

Aufgrund von Platzmangel im Vorgängerbau in der Gerswidastraße ließ die jüdische Gemeinde Essen, religionswissenschaftlich kompetent und reformorientiert vertreten durch ihren ersten Rabbiner Dr. Salomon Samuel, 1911 vom Architekten Edmund Körner einen repräsentativen und selbstbewussten Synagogenneubau planen, der die Integration und Anerkennung der Juden im Deutschland des zweiten Kaiserreichs zum Ausdruck bringen sollte. Mitten in der Innenstadt sollte das Haus die Ankunft des Judentums in der deutschen Gesellschaft versinnbildlichen; hinsichtlich des ornamentalen Schmucks unter Verwendung der Überlieferung des Judentums, insbesondere der zu verwertenden Symbole für die Mosaiken und Glasmalereien, ließ sich der Architekt durch Salomon Samuel beraten. Am 25. September 1913 wurde die damals Neue Essener Synagoge feierlich eingeweiht und war, gegen ihre Bestimmung für die Ewigkeit, nur 25 Jahre lang kulturelles und soziales Zentrum einer 1933 rund 4500 Mitglieder zählenden Gemeinde. Sie hatte einen über 1500 Personen fassenden Hauptraum mit mehreren Emporen, Orgel und großem Bima-Bereich (der auch häufig für Konzerte genutzt wurde), eine Wochentagssynagoge, Lehrräumlichkeiten, einen Gemeindesaal, ein Sekretariat, eine Bibliothek, einen Garten sowie Rabbiner- und Kantorwohnungen im an der Hinterfassade angebauten Rabbinerhaus. Sowohl in der Grund- als auch in der Innenarchitektur integriert die Synagoge traditionelle jüdisch-orientalische mit abendländisch-christlichen Elementen. Vor allem der Hauptraum war nach Vorgaben des Jugendstils ausgestaltet.


Zeit des Nationalsozialismus

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, während der Novemberpogrome 1938, wurde die Synagoge durch Brandschatzung im Inneren stark beschädigt. Ihr Äußeres blieb dabei fast unversehrt. Aufgrund der massiven Bauweise aus Stahlbeton konnten die Nationalsozialisten das Gebäude entgegen ihren Plänen nicht abreißen, eine Sprengung war wegen umliegender Häuser unmöglich. Den Zweiten Weltkrieg überstand der Bau ohne größere Schäden. Bis heute ist die Alte Synagoge in Essen das größte freistehende Synagogengebäude nördlich der Alpen, hinsichtlich des Raumvolumens sogar noch größer als die Berliner Neue Synagoge in der Oranienburger Straße. Die mächtige freischwebende Kuppel hat eine Höhe von 37 Metern. Insgesamt ist der Bau 70 Meter lang.


Von der Nachkriegszeit bis zum Umbau 2008

Von 1945 bis 1959 stand die Synagoge ungenutzt als Ruine am Rande der Essener Innenstadt. 1959 entschloss sich die neue jüdische Nachkriegs-Gemeinde, die bis dahin das frühere Rabbinerhaus als Zentrum genutzt hatte, zum Bau ihrer noch heute bestehenden neuen Synagoge (Ruhrallee/Ecke Sedanstr.). Im selben Jahr erwarb die Stadt Essen den früheren Synagogenbau und richtete dort 1960/1961 ein Museum für Industriedesign ein, das Haus Industrieform. Zu diesem Zweck wurden sämtliche noch vorhandenen synagogalen Einrichtungselemente beseitigt. Es entstand ein im Inneren völlig veränderter und nicht mehr an die Synagogenzeit erinnernder Raum in nüchterner Zweckform, dem damaligen Zeitgeist entsprechend. 1979 beschädigte ein Brand, ausgelöst durch einen Kurzschluss, die Designausstellung. Dieses Ereignis und eine veränderte Einstellung zum Umgang mit diesem Ort veranlassten schließlich den Rat der Stadt Essen, hier 1980 die Institution Alte Synagoge einzurichten. – Der international angesehene israelische Künstler Naftali Bezem, der u.a. das Wandrelief in der Eingangshalle der staatlichen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zur Erinnerung an die ermordeten Juden Europas während der Shoah und die Kassettendecke der Empfangshalle der Residenz des israelischen Präsidenten gestaltet hat, überließ der Stadt Essen ein Original-Exemplar der Festschrift von Professor Körner, als er, der Einladung des Essener Oberbürgermeisters Horst Katzor folgend, der Stadt seiner Kindheit einen offiziellen Besuch abstattete, um an den Überlegungen zur Erneuerung und künftigen Zweckbestimmung der nun so apostrophierten Alten Synagoge als Haus jüdischer Kultur in Essen teilzunehmen. Naftali Bezem, Sohn des letzten Küsters vor der Zerstörung der Synagoge Essen während der Novemberpogrome 1938, hat zudem zur Mitfinanzierung eines Neudrucks als Faksimile-Ausgabe des im Jahre 1914 erschienenen Buches von Edmund Körner Die Neue Synagoge Essen Ruhr. Mit Text von Richard Klapheck. (13. Sonderheft der Architektur des XX. Jahrhunderts) einen herausnehmbaren Zehn-Farben-Siebdruck gestiftet; diese limitierte Neuauflage konnte im Jahr 1980 erscheinen. Im Frühjahr 1992 widmete das Museum Folkwang dem Künstler Naftali Bezem in der Alten Synagoge Essen eine umfassende Ausstellung. – Von 1986 bis 1988 wurde der Innenraum mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen im Ansatz rekonstruiert, so dass er in seinen früheren synagogalen Konturen wieder erkennbar ist. In dieser Zeit, von 1986 bis 1994 arbeitete hier auch der Historiker Michael Zimmermann.

Bis September 2008, dem Beginn der neuesten Umbaumaßnahmen, verstand sich die Alte Synagoge als eine offene Begegnungsstätte und ein politisches Dokumentationsforum. Sie bot zahlreiche Veranstaltungen zur Begegnung mit jüdischer Kultur und Religion sowie historischem und gegenwärtigem jüdischen Leben an. Darunter befanden sich Führungen durch die Dauerausstellung Stationen jüdischen Lebens für Schüler- oder Erwachsenengruppen, Lehrhäuser zu Aspekten der jüdischen Religionspraxis und Lebenskultur für Kinder und Jugendliche, Führungen durch das Gebäude zur Architektur und ihrer einstmals jüdischen Bedeutung. Ein für Erwachsene gedachtes Tora-Lehrhaus befasste sich mit jüdischen Traditionstexten. Darüber hinaus war die Alte Synagoge mit einer regelmäßigen Vortragsreihe Diskussionsplattform für zentrale politische und gesellschaftliche Fragen der Gegenwart und Zukunft. Schulklassen konnten dort auch Lehrhäuser zur Schärfung der politischen Sinne besuchen. Außerdem diente die Alte Synagoge als Veranstaltungsort für Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen und andere kulturelle Veranstaltungen.



Text: Wikipedia

Bild: Wikipedia

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