Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn

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Siegelmarke Bergedorf-Geesthachter Eisenbahn

Die Bergedorf-Geesthachter-Eisenbahn AG (B.G.E.) war eine Eisenbahngesellschaft im Norden Deutschlands, die seit 1907 normalspurige Kleinbahnstrecken betrieb. Im Jahr 1954 entstand durch Fusion die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG.


Aufbau der Bahnstrecken

Die Bergedorf-Geesthachter-Eisenbahn AG erschloss mit drei normalspurigen Kleinbahnstrecken die Vierlande am rechten Ufer der Elbe im östlichen Teil Hamburgs, wo Blumen-, Obst- und Gemüseanbau vorherrschen. Sie eröffnete am 20. Dezember 1906 zunächst provisorisch eine Verbindung zwischen den Hamburger Stadtteilen Bergedorf und Geesthacht, das bis 1937 auch zu Hamburg gehörte. Der vollständige Personen- und Güterverkehr auf der knapp 14 Kilometer langen Strecke, die teilweise auch über preußisches Gebiet führte, von Bergedorf Staatsbahnhof (heute Bahnhof Hamburg-Bergedorf) über die Stationen Bergedorf Süd, Holtenklinke, Börnsen, Escheburg, Besenhorst und Düneberg nach Geesthacht wurde erst am 1. Mai 1907 aufgenommen.

Am 1. April 1912 kam als zweite Strecke die Vierländer Eisenbahn vom Bahnhof Bergedorf Süd über Curslack-Neuengamme – Kirchwärder Nord (heute: Kirchwerder) nach Zollenspieker mit 11 km Länge hinzu. In Düneberg und in Krümmel bei Geesthacht wurden Gleisanschlüsse zu den dort ansässigen großen Sprengstoff- und Pulverfabriken angelegt, darunter auch eine sechs km lange Bahn (Krümmelbahn) zu dem von Alfred Nobel gegründeten Werk der Dynamit AG in Krümmel, das 1916 angeschlossen wurde. Im Volksmund wurde die Bahnlinie daher auch als „Pulverbahn“ bezeichnet, die in den beiden Weltkriegen beachtliche Mengen von kriegswichtigen Gütern, aber auch von Arbeitskräften zu befördern hatte.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges gingen die Transportleistungen schnell zurück. Um das große Heer der Arbeitslosen zu beschäftigen, ließ die Stadt Hamburg die schon früher geplante Hamburger Marschbahn erbauen und abschnittsweise eröffnen. Den Betrieb führte von Anfang an die BGE. Er begann am 12. Mai 1921 mit der Teilstrecke von Düneberg über Altengamme – Krauel nach Fünfhausen. In Zollenspieker Querweg mündete sie in die Vierländer Eisenbahn zum Kopfbahnhof Zollenspieker ein, den sie in Gegenrichtung wieder verließ. 1923 war Ochsenwärder (heute: Ochsenwerder), 1926 Tatenberg und 1927 nach 33 km Fahrt Moorfleth erreicht, wo man an der Station Billwärder-Moorfleth (heute: Billwerder-Moorfleet) in die Vorortzüge der Reichsbahnstrecke Hamburg – Büchen umsteigen konnte.


Die Billwerder Industriebahn

Von Moorfleth bestand seit 1926/27 eine Gleisverbindung über Billbrook zum Bahnhof Tiefstack. Güterzüge gingen von dort in den Verschiebebahnhof Hamburg-Rothenburgsort über. Die ursprüngliche 4 km lange Strecke Tiefstack – Billbrook – Schiffbek-Kirchsteinbek (später: Billstädt, heute: Billstedt) war am 1. August 1907 von der Billwärder Industriebahn in Betrieb genommen worden; seit 17. Dezember 1907 benutzten sie auch die Personenzüge der Südstormarnschen Kreisbahn von Trittau kommend bis Tiefstack. Später endeten auch die Züge der Marschbahn in Billbrook. Die Billwärder Industriebahn ist am 21. Oktober 1921 und die staatliche Hamburger Marschbahn im Jahre 1942 von der BGE übernommen worden. Deren Aktien waren im Laufe der Jahre aus Privatbesitz fast hundertprozentig auf den Staat Hamburg übergegangen.


Einsatz von Omnibussen

1926 wurde bei der BGE der Betrieb von Omnibussen als Ergänzung zum Eisenbahnbetrieb eingeführt. Schon Ende des ersten Jahres gab es das Grundgerüst des späteren Busnetzes mit zehn Linien, die mit 14 Omnibussen befahren wurden. 1930, während der Weltwirtschaftskrise, wurden auf dem Busnetz, das inzwischen 13 Linien umfasste, mit 14 Fahrzeugen mit 1,2 Millionen Fahrgästen erstmals mehr Fahrgäste befördert als bei der Eisenbahn.

Während des Zweiten Weltkrieges musste der Busverkehr mangels Fahrzeugen fast vollständig eingestellt werden.


Die letzten Jahrzehnte

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten und im Zweiten Weltkrieg stieg die Produktion in den Fabriken von Krümmel und Düneberg wieder an und der Verkehr auf der BGE nahm kräftig zu. Arbeiterzüge fuhren sogar von Krümmel bis Hamburg Hauptbahnhof durch. Die Deutsche Reichsbahn stellte teilweise dazu Fahrzeuge und Personal. Von der Vierländer Eisenbahn zweigte ein Anschlussgleis bei Curslack in das Konzentrationslager Neuengamme ab, zum Transport der Häftlinge vor allem zum Arbeiten in Hamburg, aber auch zum Transport der im KZ produzierten Güter zu den Auftraggebern, meist Firmen der Hansestadt.

Nach der Befreiung 1945 wurden die Sprengstofffabriken geschlossen und demontiert. Hamsterfahrten und Ausflugsverkehr führten zu verstärktem Personenverkehr. Anfang der 1950er Jahre wurden zwei neue Esslinger Triebwagen beschafft, die bis zum Hamburger Hauptbahnhof fuhren. Aber bald nahm der Personenverkehr von Jahr zu Jahr wieder ab. Diesen konnte der Busbetrieb der BGE, der bereits am 15. Mai 1926 eröffnet und ständig erweitert worden war, übernehmen. Seine Linien führten schon vor dem Zweiten Weltkrieg über Bergedorf und Geesthacht hinaus bis nach Lauenburg, ja bis nach Boizenburg in Mecklenburg.

Am 1. März 1952 wurde der Gesamtbetrieb auf der Marschbahn eingestellt, nachdem schon um 1950 zwischen Geesthacht und Krauel kaum noch Verkehr herrschte. Am 17. Mai 1953 endete auch der Personenverkehr auf der Vierländer Eisenbahn, während der Güterverkehr noch bis 1961 bestand. Am 1. September 1953 übernahm die BGE den Restbetrieb der Südstormarnschen Kreisbahn (VKSt) und firmierte ab 7. April 1954 als Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG (VHH), die insbesondere den Busverkehr der beiden Vorgängerunternehmen weiterführt und -entwickelt. Am 26. Oktober 1953 fuhr der letzte Personenzug von Bergedorf nach Geesthacht. Die Gleise der Marschbahn und der Vierländer Bahn sind komplett abgebaut worden; auf der Geesthachter Strecke ist ein bescheidener Güterverkehr geblieben, der seit dem 1. Januar 1956 von der AKN geführt wird. Auf den ausgedehnten Bahnhofsanlagen in Bergedorf Süd unterhält die VHH ihren wichtigsten Betriebshof mit Werkstätten, die immer wieder dem Bedarf angepasst wurden, wobei auch Geländeteile mit Gebäuden verkauft wurden.

Seit 1976 betreibt die in Geesthacht ansässige Arbeitsgemeinschaft Geesthachter Eisenbahn einen Museumsdampfzugbetrieb, unter anderem mit originalen BGE-Wagen, auf dieser Strecke.



Text: Wikipedia

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