Brieg

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Brzeg; deutsch Brieg) ist Kreisstadt im Powiat Brzeski der polnischen Woiwodschaft Opole. Von 1311 bis 1675 war Brieg Residenzstadt des gleichnamigen Herzogtums und von 1907 bis 1945 kreisfreie Stadt im Deutschen Reich.

Reklamemarken und Siegelmarken

Verzeichnis der sortierten Reklamemarken und Siegelmarken mit einem Bezug zu Brieg.

2. Schlesisches Jäger-Bataillon Nr. 6

Infanterie-Regiment von Courbière (2. Posensches) Nr. 19

Otto Stiebler

Sonstige

Geschichte

Gründung der Kolonistenstadt Die Stadt Brieg wurde im Zuge der mittelalterlichen Ostkolonisation vor 1250 nach deutschem (Halle-Neumarkter) Recht gegründet. Gründer waren die vom regierenden Piastenherzog beauftragten Lokatoren Gerkinus von Goldberg, Ortlif und Heinrich von Reichenbach. Letzterer schenkte der jungen Stadt sein Familienwappen, die Wolfssense, als Stadtwappen. Die Gründungsurkunde ist nicht überliefert, wohl aber die Verkaufsurkunde aus dem Jahre 1250, die Herzog Heinrich III. dem Lokator Konrad von Neiße ausstellte, der den dritten noch lebenden Lokator Ortlif ablöste. Diese sogenannte Frankenberger Urkunde, die durch einen Editionsfehler des bekannten Leipziger Historikers Kötzschke jahrelang für die Gründungsurkunde gehalten wurde, enthält die wichtigsten Bestimmungen der Gründungsurkunde im Auszug.[3] Das gitterförmig angelegte Straßennetz mit dem Ring und dem Rathaus als Mittelpunkt wurde in ovaler Form von einer Stadtmauer umschlossen. Die rechtwinklige Anlage der Innenstadt mit dem großen Ring, typisch für eine ostdeutsche Kolonisationsstadt, ist auf die sich kreuzenden bedeutenden Wirtschaftswege zurückzuführen. Die Ummauerung wurde um 1300 erneuert und im Dreißigjährigen Krieg, vor allem aber nach der preußischen Besitzergreifung 1742, durch Bastionen verstärkt.

Residenzstadt eines piastischen Teilherzogtums

Von 1311 bis 1675 war das an der „Hohen Straße“ gelegene Brieg die Residenz der Herzöge von Brieg, von Liegnitz-Brieg und Liegnitz-Brieg-Wohlau, also von Teillinien der schlesischen Piasten. Unter Herzog Ludwig I. (1352–1398) wurden die wichtigsten gotischen Bauten der Stadt errichtet oder zumindest begonnen: die kath. Schloss- oder Hedwigskirche (1389), die der Sitz eines Kollegiatstiftes war und deren Gruft bis 1945 sieben prachtvolle Piastensärge barg (heute im Schloss), und die evang. Stadtpfarrkirche St.Nikolai (1370–1417), eine dreischiffige Pfeilerbasilika, deren beide wuchtigen Türme 1885 neugotische Helme erhielten. Ihre 1724 bis 1730 von dem Breslauer Michael Engler erbaute Barockorgel gehörte zu den schönsten und musikgeschichtlich zu den bedeutendsten ihrer Art in ganz Deutschland.

Blütezeit in der Renaissance

In den Jahren 1428 bis 1432 wurde Brieg mehrfach von Hussiten geplündert und gebrandschatzt. Wesentlich stärker als von der Gotik wurde das in diesen Hussitenkriegen stark zerstörte Brieg anschließend durch die Renaissance geprägt, vor allem unter Herzog Georg II. (1547–1586), unter dem die Stadt wohl ihre Blütezeit erlebte. Noch Herzog Friedrich II., der die Reformation eingeführt hatte, legte 1544 den Grundstein zum Schlossbau, den Georg II. mit großem Eifer vorantrieb. Unter Leitung oberitalienischer Baumeister (Jakob Pahr oder Bavor, Bernhard Niuron) wurde im Brieger Schloss das „reichste und durchgebildetste Beispiel der Renaissance im Osten“ (G. Grundmann) geschaffen.[4]

Italienische Künstlerkolonie im 16. Jahrhundert

Der florierende Fürstenhof in Brieg zog seit der Mitte des 16. Jahrhunderts Künstler und Bauhandwerker speziell aus Italien an. Seit 1546 hielt sich nachweislich eine Vereinigung von oberitalienischen Architekten, Maurern und Steinmetzen in Brieg auf, zu denen auch die Niurons gehörten. Gegründet wurde die italienische Kolonie durch Antonio di Theodoro und Jakob Bavor d. Ä. Bavor (oder deutsch Jakob Pahr der Ältere) leitete mit seinem Bruder Peter Bavor von 1544 bis 1549 den Bau des Brieger Schlosses. Als Jacob Bavor d. Ä. 1576 Brieg in Richtung Mecklenburg verließ, um den Wiederaufbau von Schloss Güstrow zu beginnen, wurde Bernhard Niuron sein Nachfolger und Schwiegersohn. Weiteres bekanntes Mitglied der italienischen Künstlerkolonie in Brieg war der Maurer Hans Lucas Lugan. Er stammte aus Lugano, wurde dort um 1563 geboren. Lugan scheint von Georg II. aus Breslau abberufen worden zu sein, um 1585 unter der Oberleitung von Bernhard Niuron den Bau des herzoglichen Schlosses in Nimptsch zu übernehmen. Auch der deutsche Baumeister Kaspar Khune, bedeutendster deutscher Steinmetz in Brieg, schloss sich der italienischen Künstlerkolonie an, wurde zum Hofsteinmetzmeister ernannt und arbeitete auch als Baumeister. Auch der Bildhauer Giovanni Maria Nosseni (* 1544 in Lugano) gehörte zur Künstlerkolonie. Er arbeitete später mit Bernhard Niuron am Dresdner Schlossbau. Nosseni wurde 1563 zum Brieger Hofsteinmetzmeister ernannt. Er starb als kurfürstlich sächsischer Architekt 1620 in Dresden. Die Koloniemitglieder verhalfen sich als frühe selbständige Unternehmer gegenseitig zu Arbeitsaufträgen und Einkommen weit über Schlesien hinaus. Neben ihrer Bautätigkeit, vor allem am Schloss und am Rathaus in Brieg, waren fast alle nebenher kaufmännisch tätig. So gelangten sie zu Ansehen und Vermögen und konnten sich mehr als fünfzig Jahre in der Stadt gegen die wachsende deutsche Konkurrenz durchsetzen.[5]

Der herzogliche Baumeister Jakob Pahr (oder Bavor) leitete von 1564 bis 1569 auch den Neubau des unweit des Schlosses gelegenen Gymnasiums. Dieses ging auf eine Lateinschule zurück, die wiederum auf einer 1290 gegründeten Pfarrschule aufgebaut hatte. Ebenso von Jakob Pahr und seinem Schwiegersohn Bernhard Niuron stammt das Rathaus, das nach dem Stadtbrand von 1569 im Renaissancestil (1570–1577) erbaut wurde. Den Dreißigjährigen Krieg haben noch mehrere Bürgerhäuser im Renaissancestil und das einzig erhaltene Tor der Stadtmauer, das Odertor (1596), überstanden.

Die habsburgische und preußische Zeit

Nach dem Tode des letzten Piasten-Herzogs Georg Wilhelm im Jahre 1675 fiel Brieg zusammen mit dem Herzogtum als erledigtes Lehen an Böhmen, dessen Könige seit 1526 die Habsburger waren. Mit dem Absetzen und nicht Anerkennung der Erbfolge von Georg Wilhelms nicht ehelichen Sohn Martin, der Piastendynastie ging die große Zeit Briegs als Fürstenresidenz zu Ende. Brieg wurde, wie ganz Schlesien, österreichisch. Gegenüber den brandenburgischen Erbansprüchen, die aus dem Vertrag von 1537 herrühren, setzte sich Habsburg, dem die Piasten lehnsuntertänig waren, durch. Die Stadt hatte damals rund 3600 Einwohner, die fast durchgehend evangelisch waren. Die wenigen Katholiken bekamen die Hedwigskirche zugewiesen. 1680 ließen sich die ersten Jesuiten in der Stadt nieder und gründeten bald darauf ein eigenes Gymnasium, das bis 1776 bestand. Die Jesuiten begannen 1735 mit dem Bau der barocken Kreuzkirche, die 1746 eingeweiht, deren Türme aber erst 1856 vollendet wurden. Die Jesuiten setzten weitere barocke Akzente durch die Errichtung der Dreifaltigkeitssäule (1731) und der Statue des Hl. Nepomuk (1729) an der Oderbrücke.

In dem Maße, wie Brieg seine Bedeutung als Residenz einbüßte, ging auch die Eigenart der Stadt verloren. Im Jahre 1741 tobte vor den Toren der Stadt die Schlacht bei Mollwitz, die erste Schlacht des Schlesischen Kriegs, die der Graf Schwerin gegen ein österreichisches Heer gewann. Die Stadt wurde, wie bis ins folgende Jahr 1742 das gesamte Schlesien, in diesem Ersten Schlesischen Krieg von Preußen erobert, wobei das Schloss durch Beschuss stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Piastenschloss, Wahrzeichen der alten Residenz, ging in Flammen auf und wurde anschließend ein Magazin. Die nüchterne Zweckmäßigkeit, die den preußischen Staat prägte, setzte sich auch in Brieg durch. Die Stadt wurde eine „fleißige Arbeiterin“ im preußischen Gesamtstaat, denn es wurden nun Kasernen, Magazine und Tuchfabriken gebaut. Sie trat hinter Oppeln und Breslau deutlich zurück; das einstmals „Illustre Gymnasium (Bregense)“ mit Hochschulverfassung wurde eine höhere Schule wie andere. Brieg wurde jedoch im Zeitraum von 1756 bis 1807 Regierungshauptstadt von Oberschlesien und zählte bis zu seiner Eroberung im Januar des Jahres 1807 durch bayerische und französische Truppen zu den stärksten Festungen in Ostdeutschland. Die Festungsanlagen wurden aber 1807 geschleift und es entstanden auf diesen Flächen später überwiegend Grün- und Parkanlagen.

Von 1819 bis 1850 war Brieg Sitz des Oberbergamts und erlebte einen starken wirtschaftlichen Aufschwung durch den Bau der Eisenbahnen und dem Ausbau der Oder zu einer Großschifffahrtsstraße. Bereits 1842 fuhr der erste Zug auf der neueröffneten Eisenbahnlinie nach Breslau, die heute als die älteste Bahnlinie Polens gilt. Es folgten die Strecken nach Oppeln, Neisse und Wansen.

Die Einwohnerzahl stieg von 4.406 im Jahre 1757 auf 27.486 im Jahr 1905.

Im Jahr 1907 wurde Brieg Stadtkreis. In der Stadt verblieb weiterhin auch die Verwaltung des Landkreises Brieg. Trotz der bedeutenden in den Außenbezirken der Stadt angesiedelten Industrie – Maschinen, Leder, Papierwaren, Zucker, Zuckerwaren – war Brieg dank der Promenaden, Gärten und des Stadtparks eine „Gartenstadt“ und auch eine Stadt der Schulen.

Zweiter Weltkrieg und Kriegsende

Im Jahr 1939 zählte die Stadt 31.419 Einwohner (74 Prozent davon waren evangelisch). Im Zweiten Weltkrieg wurde in Brieg ein Außenlager des KZ Groß-Rosen errichtet.[6][7]

Am 6. Februar 1945 wurde Brieg – nach tagelangen Kämpfen zur Hälfte zerstört – von sowjetischen Truppen erobert und besetzt. Nach Kriegsende wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Die deutschen Bewohner wurden zwischen 1945 und 1947 größtenteils von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben und durch Polen ersetzt.

Vorübergehend zur Woiwodschaft Breslau zugeordnet, kam Brieg 1950 in die Woiwodschaft Opole. Im Jahr 1961 hatte die Stadt 25.342 meist aus Ostpolen stammende, überwiegend katholische Einwohner, im Jahr 1970 betrug die Einwohnerzahl schon wieder über 30.000.


Text: Wikipedia

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