Erfurter Dom

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Der Erfurter Dom (früher auch Marienkirche oder Propsteikirche Beatae Mariae Virginis genannt) ist der wichtigste und älteste Kirchenbau in Erfurt. Er diente nur kurze Zeit in der Mitte des 8. Jahrhunderts als Bischofssitz und war das gesamte Mittelalter über bis in das frühe 19. Jahrhundert hinein Sitz des Kollegiatstifts St. Marien. Seit 1994 ist er wieder Kathedrale des neugeschaffenen Bistums Erfurt und Sitz des Domkapitels.


Geschichte Erfurts im frühen Mittelalter

Erfurt war bereits im Thüringischen und Fränkischen Reich ein wichtiges Machtzentrum. Schon Papst Gregor II. (715–731) hatte 724 die Thüringer aufgefordert, dem hier missionierenden Bonifatius ein „Haus“ zu bauen. Angeblich ist man dieser Aufforderung bereits 725 nachgekommen. 741/42 bat Bonifatius den Papst Zacharias, die Gründung eines Bistums „an dem Erphesfurt genannten Ort, der schon seit langem eine Siedlung oder Burg (urbs) heidnischer Bauern war“ zu bestätigen. Gleichzeitig wurden auch noch die Bistümer Büraburg (später Fritzlar) und Würzburg eingerichtet. Die Ersterwähnung gilt als Gründungsdatum der Stadt Erfurt, obwohl Bonifatius ja schon eine volkreiche Siedlung vorgefunden hatte, was zum einen Bedingung für die Einrichtung eines Bistums war und zum anderen die Ergebnisse der stadtarchäologischen Forschungen deutlich gezeigt haben.

Nur wenige Jahre später, wohl schon in den frühen 750er Jahren, spätestens aber nachdem Bonifatius, Adalar und Eoban 754 das Martyrium in Friesland erlitten hatten, erfolgte die Auflösung des Bistums und die Eingliederung in das Bistum Mainz. Der erste Erfurter Bischof war wohl nicht Adolar, wie in der Legende berichtet wird, sondern der seit 751/52 in Eichstätt wirkende Willibald von Eichstätt. Aus dem Jahr 802 liegt die urkundliche Nennung einer karolingischen Pfalz vor, die mit einiger Sicherheit auf dem Erfurter Petersberg zu lokalisieren ist. 805 wurde Erfurt im Diedenhofener Kapitular Karls des Großen als Grenzhandelsplatz mit den Slawen bestimmt.


Baugeschichte der katholischen Domkirche Beatae Mariae Virginis - Vorromanische und romanische Zeit

Der erste Vorgänger der heutigen Marienkirche wurde angeblich ab 752 durch Bonifatius errichtet; an welchem Ort und in welcher Form dies erfolgte, ist jedoch nicht bekannt. Bei archäologischen Untersuchungen anlässlich eines Orgeleinbaus wurde 1991 im Westen des Langhauses in 3 m Tiefe eine aus einfachem Mauerwerk errichtete Westapsis angetroffen und ins 9. Jahrhundert datiert. Der Ausgräber Wolfgang Timpel hielt es sogar für möglich, dass sie bereits zur ersten Kirche gehört und im 8. Jahrhundert errichtet worden war. Eine erneute Untersuchung ergab jedoch, dass diese Apsis erst aus jüngerer Zeit, wohl dem 12. Jahrhundert, stammt.

St. Marien wurde 1117 erstmals urkundlich bezeugt, und 1153 wurde vom Einsturz der Erfurter Hauptkirche, der major ecclesia, berichtet. 1154 erfolgte der Baubeginn einer spätromanischen Basilika auf dem Domberg. Man sollte jedoch weder als sicher annehmen, dass die Kirche des Bonifatius bis 1153 stand, noch dass der Bau tatsächlich eingestürzt war. Viel wahrscheinlicher ist, dass Domherren und Mainzer Erzbischof eine neue Kirche errichteten, weil sie hinter dem Neubau der benachbarten St. Severi-Kirche und des Petersklosters, die bei einem Brand 1142 zerstört worden waren, nicht zurückstehen wollten. Möglicherweise hatte der Brand aber auch teilweise auf St. Marien übergegriffen.

Der Bau ging schnell voran, da man bei den Bauarbeiten 1154 zwei Bestattungen aufgedeckt hatte, die als Überreste der heiligen Bischöfe Adolar und Eoban identifiziert wurden, was mit den bald darauf einsetzenden Spenden und Opfergaben wesentlich zur Baufinanzierung beitrug. Die Kirche war 1170 bereits benutzbar, da in diesem Jahr Ludwig III., der Sohn des Landgrafen Ludwig des Eisernen von Thüringen, hier von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zum Ritter geschlagen wurde.

Auch die beiden ältesten Ausstattungsstücke des Doms stammen aus dieser Zeit: Der sogenannte Wolfram und die romanische Madonna aus Stuck, die beide um 1160 datieren. Bei dem Wolfram handelt es sich um die Bronze-Freiplastik eines Leuchterträgers, die vermutlich in der Magdeburger Gießhütte entstand und eine der ältesten freistehenden Bronzeskulpturen in Deutschland überhaupt ist. Der in einer ziselierten Inschrift auf den herabhängenden Gürtelenden zusammen mit seiner Ehefrau Hiltiburc genannte Stifter Wolfram ist sehr wahrscheinlich identisch mit einem Mainzer Ministerialen Wolframus scultetus, der 1157 zweimal in Urkunden erscheint.

Für den 20. Juni 1182 ist eine Weihe der Kirche überliefert, bei der es sich wohl um die Gesamtweihe handeln dürfte, ohne dass zu diesem Zeitpunkt jedoch schon alle Bauarbeiten abgeschlossen waren. Dies belegen Nachrichten über die Fertigstellung der Türme und eine erneute Weihe am 5. Oktober 1253, die besonders in der älteren Literatur gern als Abschluss des romanischen Baus in Anspruch genommen wurde. Es kann sich aber nur um eine Nach- oder Wiederweihe nach Um- oder Erweiterungsbauten handeln. Wahrscheinlich beziehen sie sich auf die Einwölbung des Sanktuariums, das mindestens bis 1238 flach gedeckt war.

Von dem romanischen Bau aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, einer Basilika mit kreuzförmigem Grundriss, haben sich noch die Unterbauten der Türme mit je zwei quadratischen Untergeschossen, die westlich anschließenden Chornebenräume und Teile des Querhauses erhalten. Die darüber liegenden Turmgeschosse, die in ein Oktogon übergehen, stammen aus dem späten 12. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. 1201 wurde der Süd- und 1237 der Nordturm fertiggestellt, beide später jedoch mehrfach verändert beziehungsweise sogar im 15. Jahrhundert neu aufgebaut.


Gotische Umbauten

Wie in anderen Dom- und Stiftskirchen wuchs in der Gotik das Bedürfnis, die Kirche und besonders den Chor größer und heller zu gestalten, zumal der Platz nicht mehr für alle Domkapitulare ausreichte. Deren Zahl war durch mehrere Stiftungen beträchtlich gestiegen und über 100 Personen, an Feiertagen sogar an die 300 Kleriker nahmen am Gottesdienst teil.

Bereits in den 1280er Jahren wurde daher begonnen, einen neuen größeren Chor mit polygonalem Abschluss anzufügen. 1290 erfolgte die Weihe der ersten Chorverlängerung. Daraufhin wurde mit dem Ausbau des Mittelturms begonnen und dieser vor 1307 fertiggestellt. Er dient als Glockenhaus mit der berühmten Glocke Gloriosa, die erstmals 1251 geweiht wurde. Zwischenzeitlich wurde die Glocke mehrmals neu gegossen. Letzter Guss 1497.

Doch schon bald reichte der Platz erneut nicht mehr aus. Deshalb schuf man im 14. Jahrhundert einen noch einmal wesentlich erweiterten Chor und stellte auch umfangreiche Bauarbeiten an der restlichen Kirche an. Der 1349 weitergeführte (zu diesem Zeitpunkt standen die unteren Meter des Mauerwerks schon seit einer Generation fertig da) sogenannte Hohe Chor mit 5/8-Schluss wurde von dem Weihbischof von Constantia, Friedrich Rudolf von Stollberg, geweiht, der zwischen 1370 und 1372 amtierte.

Der Dom wurde aus Seeberger Sandstein errichtet, der vom Großen Seeberg bei Gotha stammt.

Besonders hinzuweisen ist auf den spätgotischen Glasgemäldezyklus (etwa 1370–1420) im Hohen Chor, einem der besterhaltenen in Deutschland, und die ebenfalls noch weitgehend originale Raumausstattung des Chores. Das 1329 geschaffene Chorgestühl ist eines der umfangreichsten mittelalterlichen Gestühle Deutschlands und qualitätsvoller als in mancher Bischofskirche. Die dendrochronologische Datierung des Gestühls zeigt, dass die Planungen der Bauausführung weit vorgriffen - 1329 standen erst die untersten Meter des Mauerwerks des Hohen Chors. Nach einer Bauunterbrechung wurde hier erst 1349 weitergebaut.

Der Chor steht auf gewaltigen Substruktionen, die man bis 1329 für die künstliche Erweiterung des Domhügels nach Osten schaffen musste. Diese Unterbauten werden Kavaten genannt, was sich von lateinisch cavare = aushöhlen ableiten lässt. Im Mittelalter und Neuzeit wurden hier Häuser eingebaut, die im 19. Jahrhundert jedoch beseitigt worden sind. Das heutige Bild des Chors entstammt ebenfalls erst dieser Zeit, in der die Attika auf der Mauerkrone und die Fialen, die Heiligenskulpturen vor den Strebepfeilern und weitere Ausstattungsteile neu geschaffen wurden. Noch mittelalterlich ist dagegen die Außenkanzel an einem der Kavatenpfeiler. Mit dem Bau der Kavaten ist auch die Unterkirche – die Benennung Krypta ist nicht ganz korrekt – errichtet worden, die 1353 geweiht werden konnte. Die gotische Unterkirche war Andachtsraum und Prozessionsweg zugleich. Gesichert ist die Heilig-Blut-Prozession um den Chor. In dieser Funktion bedurfte sie keines direkten Zugangs von der Kirche, wohl aber zweier gegenüberliegender Türen für die Prozession.

Zeitgleich zur Erbauung der Kavaten – um 1330 – wurde der Triangel-Portalvorbau am nördlichen Querschiffsarm als Haupteingang errichtet. Er zeigt die zwölf Apostel und den Zyklus der klugen und törichten Jungfrauen, flankiert von Ekklesia und Synagoge. Insgesamt ist diese Lösung ungewöhnlich, denn der Dom hat keine repräsentative Westfassade mit Portal, sondern man erlebt ihn von Nordosten her kommend. Dies liegt vor allem an dem begrenzten Platz auf dem Domhügel, den man sich noch mit der Severikirche teilen musste und der wichtigen mittelalterlichen Stadt östlich des Domes.

Aus dem Jahr 1452 stammt die Nachricht, dass der Einsturz des Langhauses drohte. Dies ist zwar nicht ganz unwahrscheinlich, da man ja immer noch das romanische Langhaus benutzte, aber es war wohl mehr der Wunsch nach einem ähnlichen modernen Bau wie dem der benachbarten St. Severi-Kirche, der zu einem Neubau schreiten ließ. St. Severi hatte schon in der Mitte des 14. Jahrhunderts nach einem Brand ein neues Langhaus erhalten.

1455 wurde das Langhaus endgültig abgerissen und mit dem Neubau einer spätgotischen Hallenkirche begonnen. Der Grund für den Umbau liegt offenbar darin, dass die Stiftsherren mehr Platz für die Gemeinde gewinnen wollten. Der eigenständige Anteil der bürgerlichen Bevölkerung an der Baufinanzierung wird aber auch nicht gering einzuschätzen sein. Die Kirche war bereits um 1465 wieder benutzbar, da von einer Fronleichnamsprozession durch das Westportal berichtet wird. Wann das Langhaus fertiggestellt war, ist nicht überliefert. Das spätgotische Sterngewölbe im Südarm des Querhauses stammt wohl ebenfalls aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts und zeichnete vermutlich ehemals den Standort der Reliquien-Tumba der Hl. Adolar und Eoban aus (heute in der Unterkirche).


Die Klausuranlagen

Die Klausur südlich des Doms ist heute dreiteilig und umschließt einen kleinen Kreuzhof. Der westliche und südliche sind übliche einschiffige Kreuzgangflügel, der nördliche wurde mit dem Bau des spätgotischen Langhauses niedergelegt. Dagegen ist der östliche Kreuzgangflügel als zweischiffige sogenannte Kunigundenhalle ausgebildet. Der Saal diente den Kapitelsitzungen und wurde wohl ungefähr gleichzeitig mit der Fertigstellung der Türme 1230/40 errichtet. Die übrigen Teile der Klausur wurden abschnittsweise von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet und umgebaut, der Ostflügel Mitte des 14. Jahrhunderts nachträglich eingewölbt. Auch die Klausurgebäude wurden in der Folgezeit und insbesondere im 19. Jahrhundert stark verändert.

Die Clemens- und Justuskapelle am Ostflügel, ein einschiffiger, einjochiger Raum mit Sterngewölbe und 5/8-Schluss, wurde 1455 fertiggestellt und weicht ebenfalls in Achse nach Norden hin ab.


Die weitere Entwicklung des Kirchenbaus in der Neuzeit

Stadt und Kirche erlebten im Dreißigjährigen Krieg mehrfache Besitzerwechsel, zeitweise sollte das Stift sogar aufgehoben und den Jesuiten übergeben werden, was jedoch durch das Kapitel verhindert werden konnte. Zwischen 1697 und 1706 wurde der gewaltige barocke Hochaltar geschaffen und im Chor aufgestellt, um den liturgischen Feiern einen pompöseren Rahmen zu geben und den Sieg des Mainzer Erzbischofs über die evangelische Stadt nach außen zu demonstrieren. Der Mainzer Erzbischof verlor zunehmend das Interesse an dem Stift und ließ im 17. und 18. Jahrhundert kaum noch Erhaltungsarbeiten durchführen. Nachdem 1717 die Turmhelme abgebrannt waren, wurde nur ein flaches Notdach aufgesetzt. Während der napoleonischen Kriege wurde der Domberg wie auch der Petersberg in eine Festung umgewandelt und der Dom durch französische Truppen als Pferdestall missbraucht. Bei der Beschießung in den Befreiungskriegen 1813 wurde die gesamte dichte Bebauung des Domplatzes mit den Kurien zerstört. 1803 und endgültig 1837 wurde im Zuge der Säkularisierung das Domstift aufgelöst und diente fortan als Pfarrkirche. In dem nun preußischen Erfurt begann 1828 ein umfangreiches puristisches Restaurierungs- und Umbauprogramm, bei dem das spätgotische Walmdach 1868 zu einem niedrigeren Satteldach umgebaut wurde. Diese Maßnahmen waren um 1900 weitgehend abgeschlossen.

Im Zweiten Weltkrieg blieb der Dom von direkten Bombentreffern verschont. Allerdings wurden Dach und Fenster des Chores durch Detonationen in der Nachbarschaft teilweise stark beschädigt. Die Reparaturen dauerten bis 1949.

Im Jahr 1965 lag der Beginn erneuter umfangreicher Restaurierungsarbeiten. 1968, 100 Jahre nach dessen Errichtung, wurde das neogotische Dach mit dem Mosaikbild der Maria am westlichen Giebel wieder abgebaut und durch ein dem spätgotischen Zustand entsprechendes neues Dach ersetzt. In den späten 1970er und 1980er Jahren bis 1997 wurde die Restaurierung der Kirche, mit erheblicher westdeutscher Unterstützung, weiter fortgesetzt. 1994 wurde die ehemalige Marienstiftskirche zur Kathedrale des restituierten Bistums Erfurt erhoben.



Text: Wikipedia

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