Gardelegen

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Die Hansestadt Gardelegen ist eine Mittelstadt im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt. Sie ist nach Berlin und Hamburg die der Fläche nach drittgrößte Stadt Deutschlands. Nur die Kernstadt Gardelegen weist städtische Strukturen auf, die übrigen 48 Ortsteile und die zahlreichen Wohnplätze liegen verstreut im ländlichen Raum.

Reklamemarken und Siegelmarken

Verzeichnis der sortierten Reklamemarken und Siegelmarken mit einem Bezug zu Gardelegen.

Landkreis Gardelegen

Geschichte

Mittelalter

Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1121 als Gardeleve, als der Halberstädter Bischof Reinhard Satzung und Besitz des Klosters Schöningen bestätigte.[6][7]

Eine Erwähnung Gardelegens als Sitz des Heinricus comes de Gardelege ist auf das Jahr 1186 datiert. Graf Heinrich von Gardelegen, ein Bruder Markgraf Ottos II. von Brandenburg, erscheint in diesem Jahr als Zeuge einer Urkunde des Bischofs von Brandenburg, die im Brandenburger Domstiftsarchiv liegt.[8][9]

In der Lehensauftragung brandenburgischer Güter ans Erzbistum Magdeburg wird auch Gardelegen 1196 als „Stadt und Burg“ erwähnt.[10] Kurze Zeit später wurden bedeutende Bauwerke errichtet: so entstanden die St. Marienkirche, die St. Nikolaikirche und das Rathaus, welche bis heute das Stadtbild prägen.[2] Die Verleihung des Braurechtes erfolgte im Jahr 1314 von Markgraf Waldemar von Brandenburg. Seither war Gardelegen überregional für den Hopfenanbau und das Garleybier bekannt.[2][8]

1316 erwarb die Stadt das Schulzenamt und damit die Hohe Gerichtsbarkeit. Gardelegen trat 1353 dem Altmärkischen Städtebund bei, zu welchem auch Stendal, Salzwedel, Tangermünde, Osterburg, Seehausen und Werben gehörten. Nachdem die Stadt Gardelegen nach Lübeck zum Hansetag eingeladen worden war, trat Gardelegen 1358 der Hanse bei. Trotz der günstigen Lage an Handelsrouten und der Begehrtheit des Hopfens spielte Gardelegen im Hanseverbund keine bedeutende Rolle.[2][10] Im Jahr 1488 kam es zum Bierziesestreit mit dem brandenburgischen Kurfürsten Johann Cicero aufgrund einer willkürlichen Erhöhung des Steuersatzes.[2][11] Infolgedessen wurde es der Stadt untersagt, weiteren Bündnissen anzugehören; gleichzeitig trat Gardelegen im selben Jahr aus der Hanse aus.[2][12]

Frühe Neuzeit

Im Jahr 1500 wurde durch Zufall ein Getränk erfunden, welches auch Jahrhundert später noch unter dem Namen Garley bekannt ist. Das Garleybier gilt somit als älteste Biermarke der Welt.[2] Bartholomaeus Rieseberg, ein Schüler des Reformators Martin Luther, hielt am 11. November 1539 eine Predigt in der St. Marienkirche, welche auch in Gardelegen die Reformation einläutete.[13]

In etwa zur gleichen Zeit begannen die Bauarbeiten an den Wehranlagen zum Schutz der Stadt. 1553 war der Bau der vier Stadttore, bestehend aus Magdeburger Tor, Stendaler Tor, Salzwedeler Tor und Stadtmauer abgeschlossen. Zu dieser Zeit war Gardelegen aufgrund des Handels eine wohlhabende Stadt, das Rathaus wurde erbaut und eine Stadtschule entstand.[2] Nachdem der ersterbaute Roland bei einem Feuer im Jahr 1526 zerstört wurde, prägte ab 1564 ein steinerner Roland das Stadtbild.[14]

Während des Dreißigjährigen Krieges passierten zahlreiche Marodeure die Stadt.[2] Während des Krieges, in der Zeit von 1626 bis 1648, besetzte Schweden die Stadt.[15] Nachdem die Stadt geplündert und gebrandschatzt worden war, wurden große Teile der Wehranlagen zum Wiederaufbau der Stadt genutzt.[2] In den Jahren 1658, 1667 und 1685 zerstörten Stadtbrände große Teile Gardelegens, u. a. ausgelöst durch unsachgemäße Hopfentrocknung in den Hopfendarren. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde der Absatz des Garleybiers spürbar geringer.[2] Nachdem der steinerne Roland beim Feuer im Jahr 1667 stark zerstört worden war, brach er am 18. April 1727 gänzlich zusammen.[14]

Im Jahr 1715 erhielt Gardelegen eine brandenburgisch-preußische Garnison, welche sie mit wenigen Unterbrechungen bis heute ist.[2] Ein Teil des Königlich Preußischen 27. Infanterieregiments von Potsdam wurde 1725 bis 1806 von Friedrich Wilhelm I. nach Gardelegen verlegt.[15]

19., 20. und 21. Jahrhundert

Nach Bildung des Kreises Gardelegen mit 144 Dörfern wurde Gardelegen im Jahr 1816 Kreisstadt.[10] Im Jahr 1841 eröffnete Carl Koch die Manufactur zur Fabrication von Perlmutt-Knöpfen. Die Fabrik und ihre 13 weiteren Fabrikationsstätten waren Zeugnis der Industrialisierung in Gardelegen. Sie bestand 130 Jahre und liеß die Stadt zu einer deutschlandweiten Hochburg der Knopfherstellung werden.[2][16] Ab etwa 1860 nutzten rheinische Dragoner die Stadt als Kavalleriestandort, ab Herbst 1866 Eskadronen des Ulanenregimentes Nr. 16.[15] Während seiner 42-jährigen Amtszeit trägt Julius Beck ab 1881 zur Modernisierung der Stadt in großen Teilen bei: Elektrizität, Kanalisation, die Sanierung der Wallanlagen in einen Bürgerpark, die Gründung der Feuerwehr sowie die Modernisierung des Bestattungswesens sind Meilensteine seiner Amtszeit.[2]

Entgegen dem Friedensvertrag von Versailles wurden ab 1936 drei wichtige Einrichtungen der deutschen Wehrmacht und Luftwaffe errichtet: der Fliegerhorst, ein Ausbildungszentrum für Fallschirmjäger des Fallschirmjägerregiments 1 sowie die Remonteschule zur Ausbildung der Kavallerie.[2][15] 1937 wurde Gardelegen wieder Garnisonsstadt.[17] In der Endphase des Zweiten Weltkrieges starben am 14. März 1945 52 Menschen bei einem Luftangriff der Eighth Air Force. Die Nikolaikirche und andere Gebäude wurden zerstört.[2][18]

Im April 1945 wurden mehrere Tausend KZ-Häftlinge aus den geräumten Konzentrationslagern Mittelbau-Dora und Hannover-Stöcken in Transportzügen und auf Todesmärschen in die Altmark getrieben, viele von ihnen bis in die Stadt Gardelegen. Am 13. April 1945 ermordeten Mitglieder von SS und Wehrmacht, des Reichsarbeitsdienstes, des lokalen Volkssturms und der Hitlerjugend auf Anweisung des NSDAP-Kreisleiters Gerhard Thiele und mit Unterstützung von Bürgern der Stadt in der Isenschnibber Feldscheune 1016 KZ-Häftlinge.[2][19][20] Dieses Massaker von Gardelegen war europaweit eines der größten nationalsozialistischen Todesmarsch- und Endphaseverbrechen des Zweiten Weltkrieges.[20] Einen Tag später wurde die Stadt kampflos der US-Armee übergeben. Kurzzeitig wurde Gardelegen von britischen Besatzungstruppen besetzt; ab dem 1. Juli 1945 wurde Gardelegen Teil der Sowjetischen Besatzungszone. Truppen der Roten Armee rückten in Gardelegen ein und übernahmen den Fliegerhorst und die Remonteschule, die zwei noch intakten Einrichtungen von Luftwaffe und Wehrmacht.[2][10][15]

1952 wurde Gardelegen Kreisstadt im Bezirk Magdeburg. 1960 wurde der erste Großbetrieb der Stadt, das Asbestzementwerk, eröffnet und gleichzeitig für dessen Angestellte das Wohngebiet Schlüsselkorb gebaut.[2] Am 10. März 1964 schoss die sowjetische Flugabwehr in der Nähe der Stadt ein US-Aufklärungsflugzeug des Typs RB-66 ab. Der Besatzung warf man Spionage vor.[21] Im Jahr 1973 wurde der Volkseigene Betrieb Polytherm (später zum Konzern Boryszew gehörend und einer der größten Arbeitgeber der Stadt) gebaut.[2]

Nach der Wiedervereinigung wurden die denkmalgeschützte Altstadt und andere Teile der Stadt saniert. Sowohl die Schließung des Asbestzementwerks als auch anderer großer Arbeitgeber führen zu einer hohen Arbeitslosigkeit in Gardelegen.[2] Ende Mai 1991 verließen die sowjetischen Truppen die Stadt, die seit den 1950er Jahren stationierten Einheiten der Grenztruppen der DDR lösten sich auf. Seither war Gardelegen vorerst keine Garnisonstadt mehr, bis 1994 die Errichtung des Gefechtsübungszentrums Heer der Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz Altmark begann.[2][15] Gardelegen verlor den Kreisstadtstatus am 1. Juli 1994 und ist seitdem kreisangehörige Stadt des Altmarkkreises Salzwedel. Ein Teil des Altkreises gehört seither zum Landkreis Stendal. Das Industriegebiet, u. a. mit einem Glaswerk, einem Gelenkwellenwerk und Werke für die Automobilzulieferindustrie, entsteht ab 1995.[2]

Der Neuen Hanse trat Gardelegen 1995 bei und ist seit 1998 Teil des Altmärkischen Hansebundes.[22] 275 Jahre nach seiner Zerstörung erhält Gardelegen im Jahr 2002 einen neuen Roland. Wenige Monate später wird Otto Reutter mit einer Bronzeskulptur in der Innenstadt geehrt. Seit dem 28. Mai 2008 trägt die Stadt, als Mitglied des Hansebundes der Neuzeit, wieder den Namenszusatz Hansestadt.[2]

Die Stadt war vom 24. bis zum 26. Juni 2011 Ausrichter des 15. Sachsen-Anhalt-Tages, der unter dem Motto „Auf allen Wegen – ab nach Gardelegen“ stattfand und von rund 150.000 Gästen besucht wurde.[2][10] Ab dem Jahr 2017 präsentiert sich Gardelegen als Einheitsgemeinde.[2]


Text: Wikipedia

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