Kamenz

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Die Lessingstadt Kamenz, obersorbisch Kamjenc (vom altsorbischen Bachnamen Kamenica, wörtlich ‚Steinbach‘), ist eine reisstadt im Landkreis Bautzen in Sachsen.

Reklamemarken und Siegelmarken

Katalog der sortierten Reklamemarken und Siegelmarken mit einem Bezug zu Kamenz.

Adolf Grünberger

Steudel-Werke

Tuchfabrik F. Nosske

Sonstige

Schönbach (Kamenz)

Geschichte

Stadtgeschichte

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde an der Stelle der heutigen Altstadt eine Burg zur Sicherung des Überganges der Via Regia über die Schwarze Elster erbaut. Die Via Regia war damals ein überregional bedeutender Handelsweg von Belgien bis hinein nach Schlesien. 1225 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, seit 1319 war Kamenz freie Stadt. 1346 wurde der Oberlausitzer Sechsstädtebund gegründet, dessen westlichste Mitgliedsstadt Kamenz wurde. Am 6. Oktober 1429 wurde Kamenz für mehrere Tage von den Hussiten belagert und anschließend eingenommen. Die historischen Nachrichten sprechen davon, dass sich die meisten Bewohner zuvor durch Flucht retten konnten und in Dresden Aufnahme fanden. Die böhmischen „Gottesstreiter“ suchten auch die nähere Umgebung heim und verwüsteten das offene Landstädtchen Wittichenau und das Kloster St. Marienstern. Danach zogen sie gegen Bautzen.[6]

1547 war Kamenz vom Oberlausitzer Pönfall betroffen und büßte dabei einige Rechte ein.

In Kamenz gab es 1607–1655 Hexenverfolgungen: 1607 wurde Peter Babus, Henker in Kamenz, in einem Hexenprozess zum Tode verurteilt und 1655 Diakon Kaspar Dulichius enthauptet.[7]

Im Jahre 1707 vernichtete ein großer Stadtbrand viele Häuser in der Altstadt. 1729 wurde der Dichter und Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing in Kamenz geboren.

Am 17. April 1838 eröffnete die „gewerbliche Sonntagsschule für die königlich-sächsische Vierstadt Kamenz“, die als Vorläufer des Beruflichen Schulzentrums zugleich die erste Gewerbeschule Sachsens war.[8]

1839 gab die Stadt ihre Gerichtsbarkeit, die vom Stadtgericht Kamenz ausgeübt wurde, an den Staat ab und es wurde das Justizamt Kamenz geschaffen. Dieses wurde 1856 durch das Bezirksgericht Kamenz und das Gerichtsamt Kamenz abgelöst. 1879 wurden die Gerichte in das Amtsgericht Kamenz umgewandelt. In der DDR bestand 1952–1992 stattdessen das Kreisgericht Kamenz, bevor 1992 das Amtsgericht Kamenz neu errichtet wurde.

1896 wurde in Kamenz per königlichem Beschluss eine ständige Garnison eingerichtet. In Friedenszeiten stand hier das 13. königlich sächsische Infanterie-Regiment Nr. 178.[9] Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde hier und in den anderen beiden Garnisonen der sächsischen Oberlausitz (Zittau und Bautzen) das Königlich Sächsische Reserve-Infanterie-Regiment 242 aufgestellt.

1919 wurde als Folge der durch den Versailler Vertrag erzwungenen Truppenreduzierung Kamenz als Garnison aufgegeben, nach 1933 jedoch wieder belegt: ab etwa 1935 bis 1939 waren hier unter anderem Teile des Infanterieregiments 10 und die Panzerabwehrabteilung 4 untergebracht[10]. Während des Zweiten Weltkrieges stand hier zunächst das Infanterie-Ersatz-Bataillon 465, später diverse Ersatzformationen der Panzerjäger- und Panzertruppe. Von 1935 bis 1944 war die Reichsarbeitsdienst-Gruppe 151 in Kamenz stationiert, im Februar 1945 wurden Teile der Luftwaffe (Schlachtgeschwader 2 und 77) hierher verlegt.[11]

Das NS-Regime und der Zweite Weltkrieg hinterließen auch in Kamenz Spuren. Im Oktober 1944 wurde im Herrental ein Außenlager des KZ Groß Rosen eingerichtet. Ungefähr 1.000 Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen für die Rüstungsindustrie arbeiten. Ca. 200 Häftlinge starben. Am 10. März 1945 wurde dieses Lager vor der heranrückenden Roten Armee geräumt und die noch lebenden Häftlinge nach Dachau transportiert. Auf Edelstahltafeln werden heute die namentlich bekannten Opfer aufgeführt[12]. Der katholische Priester Bernhard Wensch war Kaplan in Kamenz. Als Diözesanjugendseelsorger in Dresden versuchte er, die Jugendlichen vor der NS-Indoktrination zu bewahren. Er wurde verhaftet. Über Sachsenhausen kam er nach Dachau. Dort starb er völlig entkräftet. In Kamenz ist eine kleine Straße neben der Kirche nach ihm benannt. Ein Relief an der den Kirchhof umgebenden Mauer zeigt ihn von Kindern umgeben. Auch ein Stolperstein erinnert an ihn.

Der am 9. Oktober 1902 in Wiesa, Kreis Kamenz, geborene Richard Liebelt war nicht bereit, für Hitlers Traum von der Weltherrschaft zu sterben. Er wurde am 5. Mai 1944 in Dortmund hingerichtet. Sein Grab befindet sich auf dem Dortmunder Hauptfriedhof[13]. In Kamenz erinnert seit Mai 2005 ein schlichter Stein[14] neben dem Lessing-Museum an ihn. In der Nähe des Bahnhofs in einem kleinen Park erinnert ein Denkmal der Fédération Internationale des Résistants seit 1984 an die Opfer der NS-Zeit[15].

Nach 1956 bis 1990 befand sich in Kamenz die Offiziershochschule der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung Franz Mehring der NVA mit zeitweise 1.500 Studierenden. Die blau-grauen Uniformen bestimmten das Bild der Kleinstadt.

Kamenz war Verwaltungssitz der Amtshauptmannschaft Kamenz (1874–1939), des Landkreises Kamenz (1939–1952), des Kreises Kamenz (1952 bis 1995) und des Landkreises Kamenz (1996–2008). Am 1. August 2008 wurde der Landkreis Kamenz mit der kreisfreien Stadt Hoyerswerda und dem Landkreis Bautzen (1994–2008) zum neuen Landkreis Bautzen vereinigt.

Burgstall Schlossberg Kamenz

Auf dem „Schlossberg“ am östlichen Altstadtrand über dem Hochufer des Langen Wassers befand sich im Hochmittelalter eine Burganlage. Grabungen erbrachten nur einige Steinfunde. Das Areal ist teilweise bebaut und steht unter Bodendenkmalschutz. Um 1200 war der Eigensche Kreis durch Schenkung des Kaisers an das Bistum Meißen gekommen. Die Bischöfe verkauften den Eigenschen Kreis um 1240 an das Haus Schönburg. Die Schönburger gaben diesen Besitz an die mit ihnen verschwägerten Herren von Kamenz (ursprünglich Herren von Vesta aus Vesta bei Bad Dürrenberg) weiter. Durch Stiftungen und Verkauf gelangte dieser Besitz der Schönburger und Kamenzer Herren letztlich an das 1248 durch Bernhard III. von Kamenz, Bischof von Meißen, gegründete Zisterzienserinnenkloster St. Marienstern bei Kamenz.[16]

Bernhard II. von Vesta nannte sich als erster seiner Familie nach Herrschaft und Burg Kamenz: „Bernhard von Kamenz“. Seine beiden Brüder waren Witego und Bernhard IV. von Kamenz. Sein ältester Sohn, Bernhard III. von Kamenz, war von 1293 bis zu seinem Tode 1296 Bischof von Meißen. Zusammen mit seinem Bruder Heinrich gründete er im Jahr 1248 das Kloster St. Marienstern.[17]

Im Jahr 1319 nahm die Stadt Kamenz nach ihrem Lossagen von der Grafenherrschaft ein neues Stadtwappen an. Die goldene Zinnenmauer steht für die Wehrhaftigkeit der Stadt, der doppelschwänzige Löwe ist der Böhmische Löwe und bekundet die böhmische Oberhoheit.[18]


Text: Wikipedia

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