Liebenau (Nienburg)

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Liebenau ist eine Gemeinde und ein Flecken im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen und gehört zur Samtgemeinde Weser-Aue.

Reklamemarke und Siegelmarken

Geschichte

Mittelalter

Auf dem Heidberg, einer Sanddüne etwa 2 km südwestlich von Liebenau, liegt das Altsächsische Gräberfeld Liebenau. Es ist zwischen dem 4. und 9. Jahrhundert für Brand- sowie für Körperbestattungen genutzt worden. Bei der ab 1953 über 35 Jahre anhaltenden Ausgrabungstätigkeit des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover wurden rund 450 Gräber untersucht. Die Grabbeigaben lieferten wichtige Erkenntnisse zur Kultur der Altsachsen und ließen erkennen, dass Handelsbeziehungen zu weit entfernten Gebieten bestanden haben. Im 8. bis 9. Jahrhundert bestand am Ortsrand die Sächsisch-karolingische Siedlung von Liebenau, die seit 2015 archäologisch untersucht wird.

In der schriftlichen Überlieferung wird Liebenau im Zusammenhang mit Ritter- und Adelsgeschlechtern im 12. und 13. Jahrhundert erwähnt. Der Name Liebenau taucht erstmals im Jahr 1167 in einer Urkunde Heinrichs des Löwen auf.

Da im 10. Jahrhundert der Heilige Laurentius häufig als Schutzherr neu gegründeter Gotteshäuser erscheint, darf angenommen werden, dass das Kirchspiel Bruchtorf mit diesem Schutzpatron zu dieser Zeit entstanden ist. Es gehörte zum Bistum Minden und war Gerichtsort der Mindener Bischöfe. Mit dem Zeugen Eilward von Bructhorpe, dem Ahnherrn des Adelsgeschlechts „von Brockdorff“, ist der Name des Dorfes Bruchtorf im Jahre 1167 erstmals urkundlich erwähnt.

In der Wesermarsch bei Bruchtorf kaufte 1241 der Bischof von Minden eine Burg namens Venau[2] von den Grafen von Oldenburg-Wildeshausen, die der Bischof von Minden sogleich im Jahre 1242 zu der neuen, gegen die Grafschaft Hoya gerichteten Wasserburg Nygenhus ausbaute. 1346 eroberten die Grafen von Hoya die Burg und zerstörten sie. Aus den Steinen der zerstörten Burg bauten die Grafen von Hoya noch im 14. Jahrhundert nördlich der Großen Aue das Schloss Liebenau, um das der Flecken Liebenau entstand. Das Schloss zerstörten um 1512 die Grafen von Schaumburg. Es wurde später lediglich als Amtshof wiederaufgebaut.[3]

Etwa seit Mitte des 14. Jahrhunderts sind die Orte Bruchtorf und Liebenau gemeinsam verwaltet worden, wobei sie allerdings noch bis nach dem Dreißigjährigen Krieg getrennt unter ihren Namen erschienen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erhielt Liebenau Fleckenrechte.

Neuzeit

1709 wurde das Amt Liebenau an das Amt Steyerberg angeschlossen, der Liebenauer Amtshof 1728 abgerissen.

Munitionsfabrik und Arbeitserziehungslager Liebenau

1939 entstand unmittelbar westlich von Liebenau in der Eickhofer Heide eine große Munitionsfabrik.[4] Gebaut wurde diese Fabrik von der Firma Wolff & Co. in Bomlitz. Sie wurde dann an die Montan GmbH übergeben, die sie an die Firma Eibia GmbH, eine hundertprozentige Tochter von Wolff & Co., verpachtete. Die Eibia produzierte auf dem Gelände für das Oberkommando des Heeres zum größten Teil verschiedene Pulvergrundstoffe, Pulver, Nitrozellulose und Raketentreibsätze. Ab 1943 wurden zudem auf dem Gelände verschiedene Prüfstände für Raketenmotoren errichtet. Etwa 2.000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die dort zu Tode kamen, waren zunächst an mehreren Stellen außerhalb des Betriebsgeländes verscharrt worden. 1950 fanden sie in der Kriegsgräberstätte Deblinghausen bei Steyerberg ihre letzte Ruhe, zum Teil in Massengräbern.[5]

Das im Sommer 1940 von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) Hannover in Kooperation mit der Firma Wolff & Co. eingerichtete sog. „Polizei-Gewahrsamslager“ an der Schlossstraße in Liebenau wurde später in „Arbeitserziehungslager“ (AEL) Liebenau umbenannt. Es gehörte zu den über 200 Lagern dieser Art, die unter Federführung der Gestapo bis zum Kriegsende im gesamten Reich entstanden. Die allgemeinen Lagerverhältnisse in Liebenau entsprachen im Wesentlichen denen eines Konzentrationslagers. Die Häftlinge mussten bei schlechter Verpflegung schwer arbeiten und wurden häufig misshandelt. Die ärztliche Versorgung war mangelhaft. Infolge dieser Verhältnisse starb eine große Zahl von Häftlingen. Zeitweise wurde das AEL auch als „Gestapo-Hinrichtungsstätte“ genutzt, wobei die Hinrichtung von mindestens neun Menschen nachgewiesen ist. Vier dieser Hinrichtungen durch Erhängen sind in den Liebenauer Standesamtslisten registriert.

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde zunächst von der Dynamit Nobel, später von der holländischen Eurometaal bis 1994 auf dem Eibia-Gelände in Liebenau Munition produziert. Noch Anfang der 1960er Jahre war die Pulverfabrik in Liebenau die größte in ganz Westdeutschland.

Von 1963 bis 1992 befand sich auf dem Gelände außerdem das Atomwaffendepot Sondermunitionslager Liebenau für die 1. Panzerdivision der Bundeswehr. Heute liegt das 12 Quadratkilometer große Areal der ehemaligen Eibia weitgehend brach und darf nur mit Erlaubnis betreten werden. Käufer und Investoren werden gesucht.[6]

2023 eröffnete in der ehemaligen Hauptschule in Liebenau ein Bildungs- und Begegnungszentrum, in dem die Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau ihren Sitz hat.[7] Dort befindet sich eine Dauerausstellung zur früheren Munitionsfabrik. Die Ausstellung erinnert an die NS-Zwangsarbeit durch etwa 20.000 nach Liebenau verschleppte Menschen.[8]


Text: Wikipedia

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