Nikolaikirche (Forst)

Aus veikkos-archiv
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Nikolaikirche (Forst)

Die Stadtkirche St. Nikolai ist eine evangelische Kirche in Forst (Lausitz) in Brandenburg.


13. bis 16. Jahrhundert

Ein Vorgängerbau der heutigen Kirche bestand vermutlich bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Das jetzige Kirchengebäude wurde um 1400 begonnen, doch erfolgte erst 1516 dessen Einwölbung. Der Anbau der Jacobskapelle (heute Bonhoeffer-Kapelle) stammt von 1508. Der eingezogene quadratische Westturm wurde 1570 vollendet. 1589 kam es zu einem Brand, bei dem das Kirchengewölbe beschädigt wurde. Ein Jahr später war der Schaden jedoch bereits wieder behoben.


17. Jahrhundert

1605 ließ die Gemeinde den Kirchturm aufstocken und mit Dachziegeln eindecken, die 1616 durch in Öl getränkte Holzschindeln ersetzt wurden. Am 11. Oktober 1626 brannte die Kirche erneut; dieses Mal stürzte das Kirchengewölbe ein, so dass die Gemeinde ein Jahr später beschloss, ein Kirchendach mit einem stehenden Stuhl aus Balken und Latten zu errichten. 1630 krönte ein lebensgroßer, vergoldeter Engel mit Posaune und Stern den Kirchturm, der so genannte vergoldete Knopf. 1642 plünderten einfallende Schweden im Dreißigjährigen Krieg die Kirche. Sie demontierten unter anderem die Orgelpfeifen, um daraus Gewehrkugeln zu gießen. 1645 brannte die Kirche erneut ab und wurde 1648 in eher rudimentärer Form wieder hergestellt: Die ersten Gottesdienste fanden unter einem Strohdach statt; der Turm fehlte gänzlich. 1661 baute man das eingestürzte Ziegeldach sowie das Gewölbe neu auf, 1680 später den Kirchturm. 1683 waren die Arbeiten an der Kirche vollendet, die nach nur drei Jahren erneut abbrannte. Nun dauerte es bis ins Jahr 1688, bevor man mit dem erneuten Wiederaufbau begann.


18. bis 20. Jahrhundert

Im Jahr 1747 zerstörte ein Blitzschlag die Turmhaube. Ein Jahr später wurde die Kirche zum fünften Mal Opfer der Flammen und 1752 neu eingeweiht. Sie wurde in den kommenden Jahren mehrmals erweitert. Im Jahr 1883 erhielt sie eine Gasbeleuchtung, zwei Jahre später installierte man einen Blitzableiter. Im Jahr 1891 führten Untersuchungen an der Fassade zum Ergebnis, dass die Fenster in früheren Jahrhunderten mit Spitzbögen versehen sein mussten, die zum Teil mit Formsteinen und Verzierungen ausgeführt waren. 1907 öffnete man die beiden Grüfte und besserte sie aus.

Im Ersten Weltkrieg wurden die große und die kleine Glocke aus Bronze eingeschmolzen. In den Jahren 1938 und 1939 führte man aufwendige Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten durch. Am 25. Februar 1945 schlugen Granaten in das Gebäude ein und zerstörten die barocken Einrichtungsgegenstände. Der Kirchturm und das Dach stürzten ein, die Orgel wurde komplett zerstört. Von 1951 bis 1954 wurde die Kirche erneut aufgebaut. Der Turm erhielt neue Stahlgussglocken mit den Theologische Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung. Eine erneute Restaurierung des Dachs erfolgte in den Jahren 1979 und 1990, um sich ab 1992 dem Innenraum zu widmen. Der Kirchturm wurde in den Jahren 1991 und 1992 wiederhergestellt und am Ersten Advent 1992 eingeweiht.


Inneneinrichtung

Vor dem Zweiten Weltkrieg befand sich im Innenraum ein barocker Hochaltar mit drei Emporen, der mit braunem Stuckmarmor verkleidet war. Hinter dem Altar befand sich ein Bildnis des Heiligen Joseph mit dem Christkind. Diese Einrichtung wurde im Krieg völlig zerstört und 1954 in dieser Form nicht wieder hergestellt. 2002 gestaltete der Berliner Künstler Helge Warme drei farbige Altarfenster, die Tuchmotive zeigen und damit an den Wohlstand und Reichtum erinnern sollen, die durch den Grafen von Brühl mit der Tuchherstellung in die Stadt gebracht wurden. Der Künstler gestaltete weiterhin auch den Altar, dessen Hintergrund aus 144 unterschiedlichen Glasplatten besteht.


Orgel

1755 erhielt sie eine neue Orgel vom Orgelbaumeister Tobias Schramm. 1920 erfolgte der Einbau einer neuen Orgel mit 4500 Pfeifen durch den Orgelbaumeister Friedrich Ernst Gustav Heinze aus Sorau. 1959 baute die Orgelbaufirma Eule eine neue Orgel ein, zunächst ohne Rückpositiv, das erst 1960 hinzugefügt wurde. 2002 erfolgte eine Generalüberholung der Orgel, die im Jahr 2006 durch zwei elektronische Tremulanten für das Schwellwerk des Rückpositivs erweitert wurde.


Grabstätte Heinrich von Brühls, Grüfte

In einer Gruft fand der kurfürstlich-sächsische und königlich-polnische Premierminister Heinrich von Brühl (1700–1763) seine letzte Ruhestätte. Er hatte in den Jahren 1740 bis 1746 die Herrschaft um Forst und Pförten erworben. Als 1748 große Teile der Stadt dem Stadtbrand zum Opfer fielen, unterstützte er den Wiederaufbau der Häuser und der Kirche, indem er Geld aus dem Baubegnadigungsfonds nutzte. Er förderte zudem den Umbau der Kirche von einem unverputzten gotischen Bauwerk zu einer üppig ausgestatteten, verputzten Barockkirche. Nach seinem Tod am 28. Oktober 1763 in Dresden wurde er am 4. November 1763 in einem schlichten Zinksarg in der Gruft unterhalb der heutigen Bonhoefferkapelle beigesetzt. Weitere Grüfte wurden in den Jahren 1900 bis 1910 freigelegt. Hierin sind hauptsächlich drei Forster Linien bestattet.


Gedenktafeln

Bis 1922 hingen an der Nordseite der Kirche Steintafeln mit den Namen von annähernd 1.000 gefallenen Forster Bürgern aus dem Ersten Weltkrieg. Warum die Tafeln abgenommen wurden, ist nicht bekannt. Durch zwei Aktenfunde im Kirchenarchiv konnten bis zum Herbst 2007 fast alle Namen und Dienstgrade der Soldaten ermittelt werden. Bei Ausgrabungen wurden vier der insgesamt elf Tafeln gefunden. Sie sind im Innern der Kirche am Turmaufgang zu besichtigen. An der Nordfassade befindet sich nur mehr die Pietà.



Text: Wikipedia

Liste der Autoren

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen von Wikipedia beschrieben.