Prinzregententheater

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Das Prinzregententheater ist ein freistehender Theaterbau am Prinzregentenplatz des Stadtteils Bogenhausen im Osten Münchens und wurde nach Prinzregent Luitpold benannt. Der von 1900 bis 1901 errichtete Bau wurde von dem zu dieser Zeit äußerst erfolgreichen Architekten Max Littmann entworfen. Dieser orientierte sich bei seinen Plänen besonders an dem Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth und übernimmt beispielsweise den amphitheatralischen Zuschauerraum. Das im Jahre 1988 zunächst nur in der Kleinen Lösung wiedereröffnete Theater verfügt seit 1996 nun wieder über seine Große Bühne.


Entstehung der Idee

„[D]ie Idee eines Festspielhauses für die Wagneropern“ in München kommt erstmals im Jahre 1863 unter König Ludwig II. auf. Der Entwurf und die Bauplanung, wird auf Wunsch Richard Wagners, dem Architekten Gottfried Semper übertragen. Dieser muss jedoch einige Zeit später aufgrund „seiner politischen Intrigen [die Stadt] München verlassen“. Der am Isarhochufer gedachte, bereits in Plänen festgehaltene Monumentalbau kommt in München wegen mehreren Faktoren nie zu Stande. Es scheint, als ziehe Richard Wagner anderweitige Aufgaben, beispielsweise „die Gründung einer Musikschule oder einer Zeitung“, dem Theaterprojekt vor. Zusätzlich wäre der Bau aus finanzieller Sicht nicht realisierbar gewesen.

Im Jahre 1892 wird die Idee durch Karl von Perfall, „de[m] für die Oper wohl bedeutendste Intendant[en] Münchens im 19. Jahrhundert“ wieder aufgegriffen. Er unterbreitet sein Konzept eines von der Hofbühne unabhängigen Theaters, welches hochrangiges Schauspiel aufgrund kleingehaltener Preise der breiten Masse zugänglich machen sollte, zwar „den Vertretern des Münchner Magistrats“, jedoch wird das Projekt aus Platzmangel und Kostengründen nicht weiter verfolgt. Noch im Winter desselben Jahres wird Karl von Perfall aus dem Amt entlassen.

Sein Nachfolger Ernst von Possart arrangiert noch im Jahre seiner Berufung zum Intendanten 1893 einen Wagner-Zyklus, der bei den Besuchern und der Presse durchaus gute Resonanz erhält. Zur Zeit der Aufführungen erscheint in den Münchener Neuesten Nachrichten ein namenloser, knapper Bericht über das in Vergessenheit geratene Projekt Richard Wagners und Ludwig II. eines eigenen Münchner Festspielhauses. In minimalem Abstand wird dort ein weiterer, wesentlich detailreicherer Artikel veröffentlicht. Es ist von „einem neuen Theater mit modernster Bühnentechnik sowie amphitheatralischem Zuschauerraum und verdecktem Orchester, die beide für eine adäquate Aufführung Wagnerscher Werke unabdingbar seien“ die Rede. So „könne der sommerliche Zyklus alljährlich wiederholt werden.“ Ob der damalige Intendant Possart diese Artikel in die Wege leitete, kann bis heute nicht gesagt werden. Die Idee eines eigenen Richard-Wagner-Festspielhauses findet bei der Münchner Bevölkerung jedoch großen positiven Anklang. Die Leser unterbreiten der Zeitschrift in Briefen mögliche Standorte: neben dem später tatsächlich gewählten Standort am Prinzregentenplatz, wird beispielsweise eine Positionierung am Englischen Garten von den Lesern diskutiert. Weiterhin wird daran erinnert, dass das ursprüngliche Modell von Semper aus dem Jahre 1863 noch vorhanden sei. Während das Journal Die Gesellschaft sich ebenfalls positiv dem Bau des Festspielhauses äußert, fürchtet Cosima Wagner, Witwe Richard Wagners und Leiterin der Bayreuther Festspiele, eine Konkurrenz zu Bayreuth. „Sie betrachte[te] Sempers Projekt als geistiges Eigentum Richard Wagners und beabsichtig[t]e mit juristischen Schritten gegen Possarts Projekt vorzugehen“. Dies war jedoch nicht erforderlich, da die Umsetzung des Festspielhauses erneut an finanziellen Mitteln scheiterte.

Zwei Jahre später, 1895, erfolgt eine Zusammenkunft Ernst von Possarts mit den „Vertretern der Hofverwaltung und des Magistrats“, in welcher der Intendant abermals die positiven Aspekte eines Festspielhauses beleuchtet. Neben den finanziellen Vorzügen, sei es für München entscheidend vor Berlin ein eigenes Richard-Wagner-Festspielhaus zu erbauen. Die Hofverwaltung erklärt sich einverstanden Possart in seinem Anliegen zu unterstützen, sofern die Erben und die Witwe Wagners ihr Einverständnis gäben, da der Prinzregent zu dieser Zeit "als Protektor der Bayreuther Festspiele fungier[t]e". An dieser Stelle, noch im Jahre 1895 missglückt das Projekt des Prinzregententheaters abermals.

Im Sommer 1899 bietet sich Possart schließlich die Gelegenheit sein Vorhaben mittels privater Gelder zu realisieren. So wurde am 16. Dezember 1899 mit einem Startkapital von 800.000 Mark die Prinzregenten-Theater GmbH gegründet um im städtebaulich noch wenig erschlossenen Münchener Osten ein Opernhaus zu errichten.


Planungs- und Bauphase

Nach dem endgültigen Beschluss ein Festspielhaus in München zu errichten, wird der Architekt Max Littmann im August 1899 mit den Plänen für dieses Projekt beauftragt. In kurz aufeinanderfolgender Zeit erarbeitet dieser fünf Skizzen bis zum fertigen Entwurf. Den ersten legt er im September 1899 vor, im Oktober desselben Jahres bereits den zweiten und zwölf Tage später erfolgte die Präsentation der dritten Ausarbeitung. Skizze vier und fünf unterbreitet er noch im darauffolgenden November Wie von seinen Auftraggebern erwünscht, orientiert sich Max Littmann bei seinen Schöpfungen sehr am Bayreuther-Festspielhaus, verweigert sich aber einer Eins-zu-Eins Kopie.

Die Baupläne werden schließlich im Frühjahr 1900 gestattet, sodass der Bauauftrag sogleich dem Geschäft Heilmann&Littmann übermittelt werden konnte. Am 27. April 1900 begannen die Arbeiten, über welche sich Cosima Wagner öffentlich äußerst unerfreut kundtut. Nach einigen Diskussionen wird jedoch ein Einverständnis ihrerseits zu diesem Projekt erzielt. "[B]ereits im Winter des gleichen Jahr[e]s waren Zuschauerhaus und Bühnenhaus unter Dach." Ab dem Frühjahr 1901 widmet man sich den ausschmückenden Elementen, den Innenräumen und der von Carl Lautenschläger entwickelten Bühnentechnik. Im August des Jahres wird der Theaterbau dann wie geplant übergeben, obwohl einige Umstände bei der Realisierung des Restauranttrakts zu Zeitverzögerungen führten. Am 20. August 1901 wird das Prinzregententheater mit einem Festakt und am darauffolgenden Tag mit einer Inszenierung der Meistersinger von Nürnberg feierlich eingeweiht.


Zeitlicher Abriss

Bereits kurze Zeit nach der Eröffnung des Prinzregententheaters im August 1901 werden bereits erste kleine Veränderungen vorgenommen. Beispielsweise entfernt man auf Wunsch Max Littmanns die Statuen der Komponisten und Dramatiker aus den Halbrundnischen der Seitenwände des Zuschauerraumes und ersetzt diese durch einheitliche, vergoldete Dreifußständer. Im Jahre 1919, ein Jahr bevor das Gebäude in staatlichen Besitz übergeht, hat das Münchener Festspielhaus die "Funktion als Volksschauspielhaus" inne.

Ab dem Sommer 1932 wird der Theaterkomplex geschlossen und ein Jahr später wird es als Theater des Volkes wieder für Besucher geöffnet. Während des Nationalsozialismus wurden entsprechend ideologisierte Stücke aufgeführt. Vom 11. November bis 3. Dezember 1937 fanden in den Räumen des Theaters begleitende Veranstaltungen zur Propaganda-Ausstellung Der ewige Jude statt. Die letzte Aufführung vor Kriegsende war die Oper Tiefland. Es erfolgen zu jener Zeit auch eingreifende Umbauten im Bereich der Innenausstattung. So beschließt man beispielsweise aus ästhetischen Gründen, sowie für eine Verfeinerung der Akustik die Halbrundnischen, welche sich an den Seitenwänden des Zuschauerraums befinden, zu verkleiden.

Von 1944 bis 1963 beherbergte es die von Kriegszerstörungen betroffene Bayerische Staatsoper, da das Prinzregententheater lediglich leichte Kriegsschäden aufweist. Um eine Bespielung möglich zu machen, wird zunächst der Orchestergraben erhöht, sowie der Schalldeckel abmontiert. Nur das Restaurant wurde zerstört und das Theater konnte um eine Achse verkürzt 1957-1958 wieder aufgebaut werden.

Am 8. Juli 1945 gaben die Münchner Philharmoniker das erste Konzert nach Kriegsende, am 15. November 1945 begann der offizielle Spielbetrieb mit der Oper Fidelio und 1950 erfolgte die Wiederaufnahme der Münchner Opernfestspiele.

Im März 1964 wurde nach der Eröffnung des Nationaltheaters das Prinzregententheater für baufällig erklärt und für den Spielbetrieb geschlossen. Obwohl der Öffentlichkeit kein Zugang zum Gebäude gewährt wird, dienen seine Räumlichkeiten derweilen der Bayerischen Staatsoper, der Hochschule für Film und Fernsehen, der Landesbildstelle, sowie der Ballettakademie. Auch die hauseigenen Werkstätte liegen keineswegs still, sondern sind währenddessen weiterhin aktiv.

Bereits im darauffolgenden Jahr wird die Initiative der "Bürgerschaftlichen Vereinigung Münchner helft dem Prinzregententheater" gegründet, welche sich intensiv um eine Restaurierung und Wiederinbetriebnahme des 1901 entstandenen Theaterbaus bemüht. Unter zwei Bedingungen hinterlässt die Tochter des Architekten Max Littmann, Gertrud Proebst, kurze Zeit darauf der Vereinigung einen Betrag in Höhe von 2,6 Mio Mark: Dieser müsse für die Wiederinstandsetzung des Prinzregententheaters genutzt und die Bauarbeiten "vor dem 24. Juni 1983 begonnen werden." Auch die Berufung August Everdings zum Generalintendanten am 1. September 1982 kann als ein entscheidender, das Ziel der "Bürgerschaftlichen Vereinigung Münchner helft dem Prinzregententheater" vorantreibender Faktor gesehen werden. Denn auch er ist sehr an einer Wiederbelebung des Theaters interessiert. Statt einer Renovierung des kompletten Baus, welche sich auf Kosten in Höhe von 82 Mio Mark belaufen würden, unterbreitet er dem Bayerischen Landtag im Dezember 1982 die mit 35 Mio Mark kostengünstigere Variante der "kleinen Lösung". Diese beinhalte die Erneuerung der Nebenräume, Foyers und des Zuschauerraumes, sowie "die Installation einer den Orchestergraben überdeckenden und in den Zuschauerraum ragenden [offenen] Spielfläche" der Maße 16x10,5 m. Hauptbestreben ist es, das Prinzregententheater zur Erscheinungsform seiner Erbauungszeit zurückzuführen, wobei man sich hauptsächlich an zeitgenössischen Fotografien und Plänen orientiert. Da sich der Bayerische Landtag im Jahre1983 mit dieser Variation einverstanden erklärt, beginnen ab Mai 1985 nach einer großzügigen Spende die Bauarbeiten. Währenddessen bemüht man sich durch vielerlei unterschiedlicher Aktionen um weitere Spenden der Bevölkerung. Auch die Rekonstruktion des ursprünglichen Gartensaals, zunächst nicht Teil der Baupläne Everdings, welche eine Summe von 4,4 Mio Mark beanspruchte, wird durch Spenden finanziert. Am 9. Januar 1988 wird das Prinzregententheater in der kleinen Lösung feierlich eröffnet.

Zu dieser Zeit wird das Theater Ausweichspielstätte des Bayerischen Staatsschauspiels während des bis 1992 dauernden Umbaus des Neuen Residenztheaters. Im Jahre 1993 erfolgt sowohl die Gründung der Bayerischen Staatsakademie, als auch des Pädagogikprojekt "Theater + Schule".

Die Bauarbeiten für eine vollständige Wiederherstellung des Prinzregententheaters beginnen im Jahre 1995, wobei der Fokus auf der Entfernung der provisorischen und Rekonstruktion der ursprünglichen großen Bühne liegt. Ein Jahr später bei der feierlichen Eröffnung am 10. November 1996 hat "[d]as Prinzregententheater [hat] nicht nur wieder seine Form und Funktion wie 1901, sondern verfügt zusätzlich über eine neue Studiobühne, das Akademie-Theater für den künstlerischen Nachwuchs, und bietet im neuen Café Prinzipal demnächst ein kulturelles Zentrum des Münchner Ostens."

Während der Umbaumaßnahmen des Gärtnerplatztheaters wird dessen Spielbetrieb zeitweise in die Räumlichkeiten des Prinzregententtheaters verlegt.



Text: Wikipedia

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