Rastenburg

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Kętrzyn, (deutsch Rastenburg) ist eine Kreisstadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Bekannt ist der Ort unter anderem für seine Pferdezucht; zu den Sehenswürdigkeiten zählt die Burg Rastenburg. 1940 wurde nahe der Stadt das Führerhauptquartier Wolfsschanze errichtet.

Reklamemarken und Siegelmarken

Verzeichnis der sortierten Reklamemarken und Siegelmarken mit einem Bezug zu Rastenburg.

Alexander von Linsingen

Sonstige

Geschichte

Deutscher Orden

1329 wurde hier von der Komturei Balga des Deutschen Ordens eine hölzerne Prußen-Festung zum Rasten übernommen und über der Guber ein Ordenshaus angelegt. 1399 wird der Ort als Rastekaym erwähnt. Der Name leitet sich von prußisch „raistan“ (Moosbruch) / „rast“ (Pfahl) und „caymis, keims“ (Dorf) ab und bedeutet frei übersetzt Pfahlbau-Dorf im Moosbruch.[4] Die Burg Rastenburg, die als Grenzposten Schutz vor den Angriffen der Litauer gewähren sollte, war nur Teil einer Kette von Burgen, die von Ragnit über Insterburg bis nach Allenstein und Osterode führte.

1345 und 1347 griffen die Litauer unter Algirdas und Kęstutis die neue Burg an, plünderten sie und brannten sie nieder. Die Reimchronik des Wigand von Marburg beinhaltet Klagelieder zu den damaligen Ereignissen.

Auf Grund der überaus günstigen Lage für den Orden baute man die Burg jedes Mal neu auf. Das neue Ordenshaus erhielt ein besonders schönes Tor, der Remter wurde nach dem Vorbild der Marienburg ausgemalt. 1350 wurde eine Wehrmauer errichtet. 1357 wurden der Ortschaft die Stadtrechte von dem Komtur von Balga, Henning Schindekopf, zuerkannt. 1370 war die Ortschaft aber schon zu klein und man errichtete eine Neustadt. Die Burg war in der Folgezeit Sitz eines Pflegers der Komturei Balga. Ab 1410 unterstand der Pfleger direkt dem Hochmeister mit der Zuständigkeit für die Verwaltung der Gebiete Rastenburg, Rhein und Leunenburg, mit der kurzen Ausnahme der Jahre 1418–1422, in denen die Burg zur Komturei Rhein gehörte. Michael Küchmeister von Sternberg (Hochmeister ab 1414) und Paul von Rußdorf (Hochmeister ab 1422) waren Pfleger in der Rastenburg. Letzterer erbat sich sogar 1440 vom Ordenskonvent die Rastenburg mit den damals vorhandenen Weinbergen zum Leibgedinge; denn damals wurde hier wie in den Gegenden von Leunenburg, Rhein, Hohenrade im Kreis Königsberg, in Tapiau und auch bei Thorn Wein angebaut. 1440 trat Rastenburg dem „preußischen Bund“ bei.

Zu Beginn des Ständekrieges (1454–1466) standen die Bürger auf der Seite des Preußischen Bundes und gegen den Orden, der sich in der Rastenburg verschanzt hatte. 1461 schloss man einen Waffenstillstand, und im Frieden von Thorn 1466 kam Rastenburg an den Orden zurück.

Preußen

In Rastenburg stand das älteste preußische Regiment in Garnison, das 1626 gegründete Grenadier-Regiment „König Friedrich der Große“ (3. Ostpreußisches) Nr. 4.

Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts galt Rastenburg als drittreichste Stadt in (Ost-)Preußen nach Königsberg und Memel mit einem zu versteuernden Vermögen, das 1067 Hufen (à ca. 16,5 ha) umfasste. Durch Naturkatastrophen, Stadtbrände und Plünderungen in den Kriegen der Nachordenszeit sowie die Große Pest ging der Reichtum allerdings verloren. Auf der Vermögensliste des Herzogtums rangierte Rastenburg 1698 nur an sechster Stelle. Allerdings hatte die Stadt das Glück, dass die Befestigungsanlagen dem Ansturm der Tataren 1656 standhielten und dass die große Pest 1709–1711 die Einwohner verschonte.

Am 3. August 1829 feierte die Stadt Rastenburg ihr fünfhundertjähriges Jubiläum.[5] Bei dieser Gelegenheit wurde auf der äußeren Königsberger Vorstadt für die Kinder der dort wohnenden Familien eine vom Magistrat gestiftete Elementarschule eröffnet.[6]

Seit Anfang des 18. Jahrhunderts existierte der durch Veränderung der Verwaltungsstruktur entstandene Landkreis Rastenburg mit einem Landrat an der Spitze. Er umfasste die Hauptämter Bartenstein, Rastenburg, Barten sowie das Erbamt Gerdauen. Die bis 1945 geltende Landkreiseinteilung beruhte im Wesentlichen noch auf der großen preußischen Verwaltungsreform von 1818.

Die Freimaurerloge Drei Thore des Tempels wurde 1818 in Rastenburg gegründet und war ein Teil der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“. Sie bestand bis 1935. Sie errichtete das heute noch bestehende Logengebäude.

1865 wurde in Rastenburg eine Privatanstalt für Geisteskranke gegründet, die 1908 in die Verwaltung des Provinzialverbandes Ostpreußen übernommen wurde. Ab diesem Zeitpunkt nannte sie sich Provinzialanstalt für Schwachsinnige. Zum 1. Januar 1928 waren dort 654 Patienten untergebracht (weitere 110 Kranke befanden sich in Familienpflege), die von zwei Ärzten sowie 76 Pflegerinnen und Pflegern betreut wurden.[7] 1934 wurde der Krankenbestand verringert und ein Teil der Patienten in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Tapiau[8] verlegt. Über das weitere Schicksal der Anstalt, der Patienten bzw. die Nachnutzung der Gebäude ist bisher nichts bekannt geworden.

In den Jahren 1867/68 wurde Rastenburg durch die Bahnstrecke Königsberg–Lyck an das Netz der Ostpreußischen Südbahn angeschlossen. Zur weiteren Erschließung des Umlandes entstanden ab 1898 die Rastenburg–Sensburg–Lötzener Kleinbahnen. In den Jahren 1907/08 baute die Preußische Staatsbahn die Strecken nach Angerburg und nach Heilsberg.

Die Rastenburger Häuser waren mit roten Ziegeln gedeckt, worauf die Redensart „Er glüht wie ein Rastenburger“ zurückgeht.

Im Ersten Weltkrieg war Rastenburg knapp zwei Wochen lang von russischen Streitkräften besetzt. Dabei gab es aber nur geringe Schäden; lediglich das Offizierskasino brannte ab.

Zweiter Weltkrieg und Kriegsende

Ab September 1940 wurde unweit von Rastenburg nahe dem kleinen Ort Görlitz (Gierłoż) unter höchster Geheimhaltung das Hauptquartier Wolfsschanze in Vorbereitung des Krieges im Osten angelegt, wobei man vorgab, Anlagen für die Chemischen Werke Askania zu bauen. Hitler hielt sich vom 24. Juni 1941 bis zum 30. November 1944 an rund 800 Tagen in der Wolfsschanze auf. Am 24. Januar 1945 wurde die gesamte Anlage von deutschen Pioniertruppen gesprengt. Die Reste der Wolfsschanze sind heute ein Freilichtmuseum.

Bis 1945 gehörte die Stadt zusammen mit dem Landkreis Rastenburg zum Regierungsbezirk Königsberg in der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte die Besetzung durch die Rote Armee im Frühjahr 1945, worauf die Stadt mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung kam. Soweit die deutschen Stadtbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit aus Rastenburg vertrieben und durch zuwandernde Polen ersetzt.

Am 7. Mai 1946 wählte die polnische Verwaltung eine neue Bezeichnung für die Stadt, die sie bis dahin auf Polnisch Rastembork genannt hatte.[9] Sie wurde nun nach Wojciech Kętrzyński (1838–1918), einem polnisch-nationalistischen Historiker, benannt. Er hieß ursprünglich Adalbert von Winkler und war Sohn eines preußischen Gendarmen. Später nahm er den Familiennamen seiner Vorfahren an und nannte sich nun Wojciech Kętrzyński. Er wirkte lange Jahre als Wissenschaftler am Ossolinski-Institut in Lemberg.

Pferdezucht

Unter Pferdekennern war Rastenburg bekannt für sein Landgestüt, das neben denen in Braunsberg, Marienwerder und Georgenburg und mit dem Hauptgestüt in Trakehnen maßgeblichen Anteil an dem Erfolg der ostpreußischen Warmblutzucht hatte. Es befand sich östlich des Oberteichs nahe der Kreuzung der Straßen nach Lötzen und nach Barten und wurde 1877 eingerichtet. Das Gestüt unterstand nicht mehr dem Landstallmeister in Trakehnen, auch wenn es seinen Hengstbestand aus Trakehnen bekam, sondern es sollte selbständig den südöstlichen Teil der Provinz mit Landbeschälern versorgen. Im Jahr 1938 standen hier 113 Warmbluthengste und 4 Vollbluthengste, die in jenem Jahr 7.078 Stuten deckten (von 43.856 in ganz Ostpreußen). Nur wenige Tiere konnten vor der Eroberung Ostpreußens durch die Rote Armee in den Westen des Reiches gerettet werden. Die ca. 100 Hengste, die zunächst in den Gestüten bei Dresden und Halle (Saale) untergekommen waren, traten bald nach der sowjetischen Besetzung den Weg nach Russland an.


Text: Wikipedia

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