Ravensburg

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Ravensburg ist eine Mittelstadt sowie Kreisstadt und größte Stadt des gleichnamigen Landkreises im südlichen Oberschwaben. Die ehemalige Freie Reichsstadt liegt im Schussental unweit des Bodensees und wurde aufgrund ihrer zahlreichen, gut erhaltenen mittelalterlichen Türme früher auch als „das schwäbische Nürnberg“ bezeichnet.

Reklamemarken und Siegelmarken

Verzeichnis der sortierten Reklamemarken und Siegelmarken mit einem Bezug zu Ravensburg.

Hans Holbein

Pinselfabrik Ernst Findeisen

Ravensburger

Tekrum

Verkehrsverein Ravensburg

Sonstige

Stadtführer

Historische Informationen von Ravensburg

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(c) Karte: CC-BY-SA OpenStreetMap.org contributors

Geschichte

Namensherkunft

Die etymologische Herkunft des Ortsnamens ist nicht gesichert, nicht angezweifelt wird jedoch, dass die Stadt ihren Namen von der heute Veitsburg genannten Burg oberhalb der Stadt erhielt. Eine verbreitete Theorie zur Herkunft des Burgnamens besagt, dass sich der erste Namensteil von Rabe oder einem Raban, der die Burg ursprünglich gegründet habe, ableitet. Zudem kann die frühere, an das Lateinische angelehnte, Schreibweise Ravenspvrg als Rauenburg interpretiert werden, wodurch auch eine Zurückführung auf einen rauen Hang nahe der Burg möglich ist.

Der Ortsname veränderte sich im Lauf der Geschichte von Ravenspurch im Jahr 1088 über Ravensberc (1231) und Ravensburg (1323) zur heutigen Form.[3]

Gründung

Erste Ansiedlungen[4] gab es schon in der Jungsteinzeit um ca. 2000 v. Chr.,[5] dann unter römischer Herrschaft und nach dem Einfall der Alamannen, wie archäologische Funde[6] im Schussental und auf dem Veitsburghügel[7] belegt haben. Urkundlich wurde Ravensburg erstmals 1088 erwähnt und war bis 1803 freie Reichsstadt. Der Kern der heutigen Stadt entstand nach aktuellem Wissensstand als Burgsassen-Siedlung unterhalb der mächtigen Stammburg der Welfen auf dem Höhenrücken zwischen Flappach- und Schussental.

Die erste Burg der Welfen stand in Altdorf-Weingarten, bevor sie um 1050 eine neue, größere Burg, die „Ravensburg“, errichteten (heute Veitsburg nach der Sankt Veit geweihten Burgkapelle). Grabungsbefunde legen nahe, dass der Standort der Burg schon in der Keltenzeit als Fluchtburg planiert und vom Rest des Höhenrückens durch einen Graben abgetrennt worden war, jedoch in römischer Zeit und danach brach lag. Die welfische, später staufische Burg nahm den hinteren, nordwestlichen Teil des Plateaus ein, während der vordere wohl unter anderem als Turnier- und Festplatz diente, etwa während der Hochzeitsfeierlichkeiten für Friedrich den Schönen und seine Gemahlin Elisabeth von Aragón 1315.

Der letzte Welfe auf der Ravensburg war Welf VI., Herzog von Spoleto. Nach dem Tod seines Sohnes vermachte er den Schussengau mit Ravensburg und Altdorf per Erbvertrag seinem Neffen, dem Staufer Friedrich I. Barbarossa, und enttäuschte damit seinen anderen Neffen, Heinrich den Löwen, Herzog von Bayern und Sachsen (der 1129/1130 oder 1133/1135 eventuell auf der Ravensburg geboren sein soll[8]). Fortan gehörte Ravensburg zum Hausbesitz der Staufer. Angeblich brach Konradin, der letzte Staufer, von hier zu seinem verhängnisvollen Italienzug auf.

Reichsstadt

Mit dem Untergang der Staufer endete auch das Herzogtum Schwaben als politische Körperschaft. Wie viele andere Städte Schwabens regierte sich Ravensburg fortan selbst, die Burg wurde Reichsbesitz. 1276[9] bestätigte der Habsburger König Rudolf I. die reichsstädtischen Privilegien Ravensburgs. Auf der Burg saß fürderhin der kaiserliche Landvogt der Reichslandvogtei Schwaben.

Zur Überwachung der Vorgänge in der Reichsburg errichtete die Reichsstadt an der höchsten Stelle des Stadtgebiets den über 50 Meter hohen Sankt-Michaels-Turm, benannt nach der damals noch dort stehenden Michaelskapelle, der ältesten Kirche der Stadt. Im Volksmund hieß dieser Turm bald Mehlsack, als Verballhornung des offiziellen Namens wie auch unter Bezugnahme auf die mehlweiße Farbe des Turms. Dass der Turm zeitweise auch als Mehlspeicher genutzt wurde, gehört vermutlich ins Reich der Legenden. Heute ist „Mehlsack“ der offizielle Name dieses einzigen Rundturms der Stadtbefestigung.

Mit strategischer Weitsicht wurde verhindert, dass in unmittelbarer Nähe Konkurrenz aufkäme: So wurde gemeinsam mit dem Kloster Weingarten erfolgreich und zu beiderseitigem Nutzen interveniert, um den Aufstieg der Nachbargemeinde Altdorf zur Reichsstadt zu unterbinden.[10]

Große Ravensburger Handelsgesellschaft und Stadterweiterungen Im Spätmittelalter war Ravensburg Sitz der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft, der damals führenden deutschen Handelsgesellschaft, die in ganz Europa Niederlassungen hatte (noch vor den Fuggern).

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung hatte vor allem im 14. Jahrhundert mehrfach zu Erweiterungen des Stadtgebiets geführt. Am markantesten ist dabei die Einbeziehung der sogenannten Unterstadt in die Stadtbefestigung und der Abriss der alten Stadtmauer zwischen den beiden Stadtteilen (1330–1370). Dabei entstand auf der Fläche des alten, zugeschütteten Stadtgrabens der heute noch das Stadtbild prägende Platz, heute Marienplatz genannt, zwischen Frauentor im Norden und dem im 19. Jahrhundert abgerissenen Kästlinstor im Süden.

Um 1530 ging die Große Ravensburger Handelsgesellschaft unter. Die führenden Familien hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon Landsitze und Rittergüter zugelegt. Es gab Zwist zwischen verschiedenen Familienzweigen, insbesondere Augsburger Händler drängten in die von den Ravensburgern bedienten Routen – und die Erschließung Amerikas durch Kolumbus hatte zu tiefgreifenden Veränderungen im europäischen Fernhandel geführt. Schließlich fanden sich nicht mehr genug Gesellschafter zur turnusmäßigen Verlängerung der Verträge bereit.

Ende des 14. Jahrhunderts entstand in Ravensburg eine bedeutende Papierproduktion, die ihre Blütezeit im 16. Jahrhundert hatte. Im Mittelalter galt Ravensburg als größter Papierlieferant nördlich der Alpen und war neben Nürnberg die zweite Stadt, die in Deutschland überhaupt Papier herstellte. Bis ins 19. Jahrhundert verlieh dies der Stadt eine markante wirtschaftliche Prägung. Bereits 1393 ist die erste Ravensburger Papierproduktion über Wasserzeichen nachweisbar. Zur Blütezeit der Produktion wurden jährlich etwa 9000 Ries Papier hergestellt. Der Niedergang begann mit dem Ende der Reichsstadtzeit und der Zugehörigkeit zu Württemberg, als alte Absatzmärkte wegen der neuen Grenzen wegfielen. 1833 schloss die erste von sechs Papiermühlen, 1876 die letzte.[11]

Reformation und Parität

1544 wurde auf Betreiben der Zünfte die Reformation eingeführt. Dabei gab es zunächst große Differenzen zwischen den Anhängern Luthers und Zwinglis, doch konnten sich die Lutheraner schließlich durchsetzen. Ferner gab es auch Anhänger von Kaspar Schwenckfeld. Nach dem Schmalkaldischen Krieg ab 1547 regte sich jedoch eine Gegenbewegung und es setzte eine Rekatholisierung großer Teile der Bevölkerung ein. Zahlenmäßig hatten daraufhin wohl wieder die Katholiken die Mehrheit.

Das Zusammenleben beider Konfessionen wurde als Parität bezeichnet, die aber erst nach dem Dreißigjährigen Krieg 1649 formell festgelegt wurde. Die protestantische Gemeinde erhielt als Gotteshaus das Langhaus der Karmelitenkirche, die fortan als Stadtkirche bezeichnet wurde. Das paritätische Regierungssystem beinhaltete die Gleichberechtigung und exakte Ämterverteilung zu gleichen Teilen zwischen Katholiken und Protestanten; es wurde durch den Westfälischen Frieden 1648 für die vier sogenannten Paritätischen Reichsstädte Ravensburg, Augsburg, Biberach und Dinkelsbühl betätigt. Es bestand bis ins 19. Jahrhundert.

Die ohnehin schon – unter anderem durch die Verlagerung von Handelsrouten nach Augsburg – wirtschaftlich geschwächte Stadt musste (bedingt durch Hunger und Seuchen) im Dreißigjährigen Krieg einen starken Bevölkerungsrückgang hinnehmen. Davon erholte sie sich in den folgenden Jahrhunderten nur schwer. So kam es bis in die Neuzeit zu keinen weiteren Stadterweiterungen, das Stadtbild blieb bis ins 19. Jahrhundert weitgehend unverändert.

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde auch die Burg über der Stadt – nun auch schon zur Unterscheidung von der Stadt Ravensburg Veitsburg genannt – von schwedischen Truppen geschleift. Nur einige Wirtschaftsgebäude blieben stehen. Der Landvogt der Reichslandvogtei Schwaben residierte daher ab 1647 in Altdorf-Weingarten.

Ende der reichsstädtischen Selbständigkeit

1803 wurde durch den Reichsdeputationshauptschluss die Reichsunmittelbarkeit der meisten Reichsstädte aufgehoben (Mediatisierung) und kirchlicher, bisher ebenfalls reichsunmittelbarer Grundbesitz, verstaatlicht (Säkularisation). Beide Maßnahmen dienten unter anderem der territorialen Entschädigung von Reichsfürsten, die durch die napoleonischen Eroberungen linksrheinische Gebiete verloren hatten.

Die Stadt wurde zunächst dem Kurfürstentum Bayern (siehe Landgericht Ravensburg (bayerische Verwaltungseinheit)) zugeschlagen. Da die umliegenden habsburgischen Lande an Württemberg fielen, die Reichsklöster Weingarten und Weißenau wiederum anderen Reichsfürsten zugeordnet wurden, entstand eine Enklavensituation, die wirtschaftlich sehr abträglich war. Ravensburg kam 1810 auf Grund des Grenzvertrags mit Bayern – bestätigt durch den Wiener Kongress 1815 – zum Königreich Württemberg, das zuvor auch schon die ausgedehnten Territorien von Weingarten (einschließlich des heutigen Schlosses in Friedrichshafen) erworben hatte. Die Stadt wurde Sitz des Oberamts Ravensburg.

19. Jahrhundert

Mit der Zugehörigkeit zum Königreich Württemberg begann eine allmähliche wirtschaftliche Erholung. Die industrielle Entwicklung stützte sich vor allem auf die lange Tradition in der Nutzung der Wasserkraft. Bereits 1402 war in Ravensburg eine der ersten Papiermühlen nördlich der Alpen entstanden; auch für andere industrielle Zwecke wurden seit langem Wassermühlen eingesetzt.

Darauf aufbauend entwickelte sich nun schnell eine vielfältige Maschinenbau-Branche; ein weiteres Standbein war die Textilherstellung. Mit dem Bau der Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen trug ab 1847 der Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn erheblich zum Aufschwung bei. Im 19. Jahrhundert fand in Ravensburg die Vermittlung der Schwabenkinder, die aus armen bäuerlichen Verhältnissen in Tirol und der Schweiz kamen, auf dem „Hütekindermarkt“ statt.[12]

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war Ravensburg die größte und industriell am weitesten entwickelte Stadt Oberschwabens und auch politisch ein Zentrum der Region.[13]

20. Jahrhundert

Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg wurde Ravensburg 1938 Sitz des vergrößerten Landkreises gleichen Namens.

Euthanasie-Morde

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden 691 Patienten der psychiatrischen Heilanstalt Weißenau als Opfer der „Aktion T4“ in der Tötungsanstalt Grafeneck ermordet.

NS-Völkermord an Sinti und Roma

Die in der Stadt ansässigen Sinti internierte die Stadt Ravensburg im kommunalen Zigeunerzwangslager Ummenwinkel. 34 Ravensburger Sinti deportierten Kripo und lokale Polizisten im März 1943 von Ravensburg über Stuttgart in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Die meisten von ihnen wurden dort oder in nachfolgenden Konzentrationslagern oder Todesmärschen im Rahmen des NS-Völkermords an Sinti und Roma ermordet.[14] Zudem wurden noch weitere Ravensburger Sinti im NS-Völkermord umgebracht: Manche flüchteten nach Österreich und wurden von dort deportiert;[15] der in Ravensburg geborene Anton Köhler wurde von der Kripo mit anderen Sintikindern von der St.-Josephspflege in Mulfingen nach Auschwitz-Birkenau deportiert.[16]

Vertreibung der jüdischen Bevölkerung und Schoa

Die damals in Ravensburg ansässigen Juden wurden wie Suse (Schoschana) und Peter (Pinchas) Erlanger und deren Eltern Ludwig Erlanger und Fanni, geborene Herrmann, zur Flucht gezwungen; einige wie ihr Großvater Josef Herrmann in der Schoa ermordet.[17][18]

Luftangriffe

Im Zweiten Weltkrieg war Ravensburg kaum von Luftangriffen der Alliierten betroffen, die historische Bausubstanz blieb daher vollständig erhalten.

Ab 1945

1945 geriet die Stadt in die Französische Besatzungszone und kam somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.



Text: Wikipedia

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