Ruhla

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Ruhla ist eine Bergstadt in Westthüringen zwischen Eisenach und Schmalkalden. Der staatlich anerkannte Erholungsort liegt auf einer Höhe von 440 bis 530 Metern an der Nordseite des Thüringer Waldes am Rennsteig.

Reklamemarken und Siegelmarken

Verzeichnis der sortierten Reklamemarken und Siegelmarken mit einem Bezug zu Ruhla.

Junghans

Uhrenwerke Ruhla

Sonstige

Geschichte

Um das Jahr 1355 wurde Ruhla erstmals erwähnt, in einem Erbbuch der Grafschaft Henneberg. Im Jahre 2005 feierte die Uhrenstadt das 650-jährige Jubiläum. Erste Ansiedlungen im Stadtgebiet gab es vermutlich bereits in der Jungsteinzeit oder der Bronzezeit, darauf lassen vereinzelte Bodenfunde schließen.[7]

Spätestens im 10. Jahrhundert drangen Wanderschmiede in die heutige Ruhlaer Gegend vor, um saisonal das vorhandene Eisenerz abzubauen.[7] Die ersten Siedler machten sich etwa drei Jahrhunderte später entlang des Gebirgskammes Rennsteig sesshaft. Sie waren auf der Suche nach obertägigen Erzen und verarbeiteten diese vor Ort in Waldschmieden; sie waren zugleich Bergleute, Köhler und Schmiede.

Die ersten Siedlungsplätze, die Wüstungen Glasbach und Alte Ruhl, befanden sich in der Nähe des Rennsteigs. Die Waldschmiede verwendeten den Rennofen zur Gewinnung von Eisen und nutzten die in der Natur reichlich vorhandenen Rohstoffe Eisenerz und Holz, das sie zu Holzkohle verarbeiteten. Die Landgrafen Thüringens förderten die Fertigung von Werkzeugen und Waffen. Der starke Holzverbrauch durch Bergbau und Köhlerei drängte den Wald zurück, die Flächen wurden von zuwandernden Bauern und Hirten für die Weidewirtschaft hergerichtet. Im Talgrund entstanden entlang der wasserreichen Rolla zahlreiche Schmelzhütten, Hammerwerke und Schleifmühlen, zugleich entwickelten sich in der heutigen Ortslage ein erstes Straßennetz und eine dauerhafte Siedlung.

Nach dem Verfall des Waffenschmiedehandwerks um 1530 verlegten sich viele Einwohner auf die Herstellung von Messerwaren. Aus dieser Zeit stammt die Sage vom Schmied von Ruhla.

Ruhla war 1563–1686 von Hexenverfolgung betroffen. Neun Frauen gerieten in Hexenprozesse, drei wurden hingerichtet, eine starb unter der Folter.[8]

Im 18. Jahrhundert hatte das Kur- und Badewesen in Thüringen eine erste Blüte. Ab 1756 wurde das sanierte herzoglich-weimarische Forsthaus in Ruhla in den Sommermonaten als Kur- und Badeanlage eingerichtet. Später boten private Vermieter und Gasthäuser Quartiere für Kurgäste an und Ruhla entwickelte sich zu einem bekannten Badeort. Nach der Erschließung weiterer Quellen kamen um 1850 etwa 500 bis 600 Gäste pro Saison in das Kurbad.[9]

Ein wesentliches Ereignis in der Ortsgeschichte war die Ruhlaer Teilung. Hierbei handelte es sich um zeitweilige territoriale Veränderungen, welche die wirtschaftliche Entwicklung und das Zusammenleben der Bevölkerungsteile stark beeinflussten und der Grund dafür waren, dass sich zwei evangelische Kirchen im Ort befinden. Erst 1920/1921 kam es mit der Bildung des Landes Thüringen zur Vereinigung der beiden Verwaltungsgebiete. Der Neue Markt Eine der beiden Figuren am Marktplatz von Gisela Eichardt

Im ausklingenden 19. Jahrhundert wurde die Ruhlaer Taschenuhr Fearless entwickelt. Nachdem sie zunächst vorrangig in die USA exportiert worden war, wurde sie seit 1890 in Serie produziert. Die vom Volksmund scherzhaft Rühler Kartoffel genannte Taschenuhr war die erste maschinell hergestellte Uhr und konnte deshalb bedeutend preiswerter als die in Uhrmanufakturen produzierten Uhrwerke angeboten werden.[10]

Das Stadtrecht bekam Ruhla 1896 zugesprochen.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde in Ruhla sehr viel für die Rüstung gefertigt. Im größten Betrieb des Ortes, der Uhren- und Maschinenfabrik Gebrüder Thiel, mussten im Zweiten Weltkrieg über 730 Frauen und Männer als sogenannte Ostarbeiter sowie viele Kriegsgefangene aus Frankreich und Militärinternierte aus Italien Zwangsarbeit leisten. Der Betrieb erhielt vom damaligen Amt für Schönheit der Arbeit den Ehrentitel: Nationalsozialistischer Musterbetrieb.[11] In der Firma C. & F. Schlothauer waren mehr als 1000, in weiteren acht Firmen mehr als 550 Zwangsarbeiter eingesetzt. An die Opfer, zu denen fünf Frauen und sechs Kleinkinder gehörten, erinnern 19 Gräber auf dem Trinitatis-Friedhof.[12]

Im Zweiten Weltkrieg wurde Ruhla nicht bombardiert. Aufgrund von Luftkämpfen über dem Stadtgebiet und dabei abgeschossenen Flugzeugen hatte Ruhla dennoch einige Todesopfer und Zerstörungen zu verzeichnen. Im April 1945 beschoss US-amerikanische Artillerie den Ort und zerstörte dabei das Dach und Kirchenschiff von St. Trinitatis, der Wiederaufbau dauerte fünf Jahre.

Da Ruhla aus der Luft betrachtet etwas versteckt im Tal eingeengt liegt und damals über einen Kopfbahnhof verfügte, war der Salonwagen von Compiégne, der Unterzeichnungsort der Waffenstillstände zwischen Deutschland und Frankreich, von Ende 1944 bis März 1945 in Ruhla versteckt und ständig bewacht.[13]

Nach der Besetzung Thüringens durch die Sowjetische Militäradministration Thüringen (SMATH) unter General Wassili I. Tschuikow[14] sorgte sich die Ruhlaer Bevölkerung, die zum großen Teil aus Fabrikarbeitern und Handwerkern bestand, um den Fortbestand ihrer Arbeitsplätze. Die Rüstungsbetriebe sollten nach dem Viermächteabkommen zerschlagen werden, was in der SBZ meist die Demontage und Translozierung in die Sowjetunion bedeutete. Es gelang jedoch, die Ruhlaer Industriebetriebe weitgehend zu erhalten. Es wurde nach NS-Funktionären und Kriegsverbrechern gesucht und in mehreren Wellen erfolgten "Säuberungen" in der Verwaltung oder in den Schulen. Viele Bewohner setzten sich in die Westzonen ab.

Mit der deutschen Teilung endeten die privaten Reisemöglichkeiten in die Bundesrepublik Deutschland. Daher mussten Urlaubsmöglichkeiten im eigenen Bereich geschaffen werden, dazu entstanden in Ruhla das Bungalowdorf mit Campingplatz Alte Ruhl und betriebseigene Kinderferienlager. Ende der 1960er Jahre begann der Auf- und Ausbau der genossenschaftlich verwalteten Wohngebiete Krümme im Süden der Stadt und in Thal Am Rögis. Der Erhaltungszustand der privaten Häuser verschlechterte sich.

Mit der Einstellung der Ruhlaer Bahnverbindung erhielt der Busverkehr eine zentrale Bedeutung, der ehemalige Ruhlaer Bahnhof wurde zum Zentralen Busbahnhof. Täglich pendelten etwa 5000 Werktätige aus dem Umkreis von etwa 30 Kilometern nach Ruhla.

Das Stadtgebiet Ruhlas dehnte sich im Jahre 1994 durch die Eingemeindung der Orte Thal und Kittelsthal auf 38,5 Quadratkilometer aus.

Etwa seit 1995 wurden alte Fabrikgebäude abgerissen und die Flächen für den Tourismus umstrukturiert. Nach der Wende hat sich Ruhla von einer Industrie- zu einer Tourismusstadt gewandelt, dazu tragen zahlreiche neu angelegte Parks (wie mini-a-thür) und die Neugestaltung der Flächen im Ortskern sowie die Schaffung neuer Freizeitangebote (beispielsweise die Sommerrodelbahn Alexanderturmbahn) bei.


Text: Wikipedia

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