Sallgast

Aus veikkos-archiv
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Sallgast (niedersorbisch Załgosć) ist eine Gemeinde im Landkreis Elbe-Elster im Süden Brandenburgs.

Siegelmarken

Göllnitz

Geschichte

Friedrich Graf von Brehna führte in einer Urkunde vom 19. Juli 1208, in der er die Schenkung der Güter in Ockersdorf und Löbersdorf zugunsten des Klosters St. Peter (bei Halle/Saale) bestätigt, als Zeugen unter anderem den Ritter Wernerus de Salegast an. Hier erscheint erstmals der Name Sallgast in einem Schriftstück.

Wie viele andere Ritter seiner Zeit nannte sich auch Werner von Salegast nach dem Ort seines Wohnsitzes. Zum Ortsnamen selbst gibt es mehrere Deutungen. Möglicherweise leitet er sich vom wendischen Załgózdz / Za ługom gwózdz (niedersorbisch Załgosć[3]) ab, was so viel wie der trockene Wald / der Hart hinter dem Lugk (Wiesenbruch/Grassumpf) bedeutet.

Die Geschichte von Sallgast ist weitestgehend geprägt von der Geschichte der Wasserburg, des späteren Schlosses. Über Jahrhunderte war das Leben seiner Einwohner von der Gunst und dem wirtschaftlichen Geschick der Gutsherrschaft abhängig. Umstritten ist dabei die Rolle des Ritters Heinz (Heinrich) von Waldow (Waldau), der dem Vernehmen nach Anfang des 15. Jahrhunderts von hier aus die Nieder- und Oberlausitz als Raubritter in Angst und Schrecken versetzt haben soll. Mit der Familie von Kottwitz übernahm 1487 für 165 Jahre eine angesehene Adelsfamilie den Besitz von Burg und Gut Sallgast. In dieser Zeit erhielt die Burg ihre heutige Gestalt als Vierflügelanlage.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Sallgaster Burg, das heutige Sallgaster Schloss, belagert, aber nicht erobert. Das gesamte Dorf jedoch wurde 1633 ausgeplündert und niedergebrannt. Das Jahr ging als Kroatenjahr in die Geschichte ein. Als die Burg nicht eingenommen werden konnte, rächten sich die kroatischen Söldner an der Bevölkerung und brannten deren Häuser ab. Nur die Burg und die Kirche blieben erhalten. Im Siebenjährigen Krieg gerieten die Bewohner abermals an den Bettelstab.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts trat ein Wandel in der Wirtschaftsstruktur ein. Mit dem Auffinden von Braunkohle im unmittelbaren Umfeld des Ortes begann eine über mehrere Jahrzehnte andauernde Phase der Industrialisierung. 1865 meldete der Sallgaster Lehrer Reinhard Salomo die erste Kohlegrube bei Sallgast an. Er nannte sie "Grube Gotthold". Wenige Jahre später (1873/74) gingen die Gruben "Sallgast" und "Henriette" bei Sallgast in Betrieb. Doch erst mit dem Bau von Brikettfabriken und größeren Tagebauen der Gruben "Bismarck I" bei Poley und "Bismarck II" bei Henriette (1884) begann das Ausbeuten der Braunkohle industrielle Formen anzunehmen. Um 1900 entstanden die Wohnanlagen "Kolonie Henriette" und "Kolonie Poley". Doch bereits 1931 (Bismarck I in Poley) und 1932 (Henriette) ging diese Zeit mit der Schließung der Kohlegruben und der dazugehörigen Brikettfabriken wieder zu Ende.

Im September 1989 wurde eine Eingabe an den damaligen Staatsrat der DDR verabschiedet, die viele Sallgaster unterzeichneten. Es hieß in der "Eingabe 89" unter anderem: "Wir fordern in diesem Fall die wirtschaftliche Ausbeute durch den Braunkohlenabbau ernsthaft gegen die ökologischen Schäden sowie die sozialen Auswirkungen abzuwägen." Wenn es möglich war, eine Autobahn vom Tagebau auszusparen, warum nicht auch ein Dorf und einen Park? Der Kampf um die Existenz des Dorfes begann und verband sich mit dem Kampf um Demokratie. Beim ersten Sallgaster Friedensgebet am 2. Oktober 1989 signalisierten anwesende Vertreter der Kreisbehörden Verständnis für die Bürgerforderungen. Die Presse berichtete umfangreich von der Demonstration am 27. Januar 1990. An diesem Tag stellten die Sallgaster Transparente und Schrifttafeln zwischen Dorf und Tagebaukante, um die Grenze zu markieren, die der Bagger nicht überschreiten sollte. Der 28. Juni 1990 wurde für die Gemeindegeschichte von bleibender Bedeutung: Das Braunkohlenkombinat entschloss sich, auf die Abbaggerung von Sallgast zu verzichten. Die Kirchenglocken läuteten an diesem Tage eine ganze Stunde.


Text: Wikipedia

Liste der Autoren

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen von Wikipedia beschrieben.