Thale

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Thale ist eine Kleinstadt im sachsen-anhaltischen Landkreis Harz und liegt am nordöstlichen Rand des Harz-Gebirges. Oberhalb von Thale beginnt das Bodetal.

Reklamemarken und Siegelmarken

Verzeichnis der Reklamemarken und Siegelmarken mit einem Bezug zu Thale.

Eisenhüttenwerk Thale

Sonstige

Neinstedt

Geschichte

Aus dem Neolithikum stammte das 1864 entdeckte, später vollkommen zerstörte Großsteingrab Warnstedt, aus dem nur eine Tasse erhalten geblieben ist, die sich der Bernburger Kultur (3100–2700 v. Chr.) zuordnen lässt. Weitere Hügelgräber im Ortsteil Westerhausen belegen eine vergleichsweise dichte Besiedlung.

Eine der bronzezeitlichen Spuren menschlicher Anwesenheit auf dem Gebiet von Thale stellt die „Keule von Thale“ dar, die sich heute im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle befindet. Sie wurde 1872 entdeckt und stammt aus der Zeit zwischen 2000 und 1700 v. Chr.[2]

Die Siedlung Thale entstand wahrscheinlich zu Beginn des 10. Jahrhunderts. Erstmals wurde sie 936 im Zusammenhang mit dem benachbarten Kloster Wendhusen erwähnt, das vor 840 als Kanonissenstift als eines der ersten Klöster auf sächsischem Boden gegründet worden war. Das Kloster geriet in der Folgezeit unter die Schutzherrschaft des Stiftes in Quedlinburg. Das Dorf wurde ab 1231 als Dat Dorp to dem Dale bezeichnet (dessen Geschlecht in latinisierter Form, ab 1288 mit der Ortsbezeichnung de valle, ab 1303 von Thale wiedergegeben wurde). Das Kloster wurde 1525 während des Bauernkriegs zerstört. Karte von Thale (1912)

Seit 1445 lässt sich in Thale eine Eisenhütte nachweisen. Sie wurde nach Verödung im Dreißigjährigen Krieg 1648 als Berghaus zum Wilden Mann wieder aufgebaut, 1670 jedoch völlig zerstört. 1686 entstand eine kleine Hammerschmiede, aus der sich später eine neue Eisenhütte entwickelte, die besonders durch die Nähe zu Erzvorkommen und Holz begünstigt war. Sie existierte bis 1714. 1740 wurde abermals ein Betrieb eröffnet. Kurzzeitig war die Eisenhütte im Besitz von Friedrich dem Großen. 1755 erwarb Ernst August von dem Bussche-Hünnefeld das Rittergut Thale mit dem ehemaligen Kloster Wendhusen; Thale wurde als Rittergut „Wendhusen I“ geführt, das aus dem Kloster entstandene Klostergut als „Wendhusen II“; beide blieben bis zur Enteignung 1945 im Besitz der Familie, ebenso das benachbarte Gut Stecklenberg.

1831 wurde in Thale die erste in Deutschland gebaute schmiedeeiserne Wagenachse hergestellt. 1835 wurde das älteste Blechemaillierwerk Europas in Thale gegründet. Nach dem Anschluss der Stadt an die Eisenbahn 1862 aus Richtung Halberstadt zum Hauptbahnhof Thale wuchsen der Ort und die Zahl der Arbeiter: Während das Eisenhüttenwerk Thale AG im Jahre 1872 nur 350 Personen beschäftigte, waren es 1905 schon 4400. Vor allem die Emailleproduktion trug zum internationalen Ruf Thales bei, immerhin kamen aus dem größten europäischen Emaillewerk zu Spitzenzeiten 10 % der weltweiten Produktion. 1910 sprachen Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Clara Zetkin zu Thalenser Arbeitern.

Seit dem 19. Jahrhundert blühte der Fremdenverkehr in Verbindung mit dem später als radonhaltig eingestuftem Wasser der Hubertusquelle auf der Hubertusinsel auf, die 1836 erschlossen worden war. So besuchten verschiedene Literaten wie Heinrich Heine (Die Harzreise) und Theodor Fontane den Ort und besonders das Bodetal. Außerdem genossen vor allem Berliner Touristen die Thalenser Sommerfrische, ermöglicht u. a. durch die Eisenbahnverbindung. 1909 folgte eine Nebenbahn aus Blankenburg (Harz) bzw. Quedlinburg zum Bahnhof Thale Bodetal. Personen- und Güterfahrten auf dieser Strecke wurden zwischen 1969 und 1994 schrittweise eingestellt.

Im Ersten Weltkrieg wurden ab 1916 im Eisenhüttenwerk die deutschen Stahlhelme (M1916) produziert, deren Prototyp dort 1915 entwickelt worden war. Ab 1934 besaß das Werk das Monopol für die Stahlhelmfertigung.

1922 erhielt der Ort das Stadtrecht.

Bis 1937 war der jüdische Unternehmer Albert Ottenheimer Hauptaktionär der Eisen- und Hüttenwerke AG. Diese Beteiligung musste er unter Druck staatlicher Stellen veräußern, sie gelangte an die konkurrierende Kölner Otto-Wolff-Gruppe.[3]

Thale wurde nach Räumung durch restliche deutsche Truppenteile am 20. April 1945 weitgehend kampflos von US-amerikanischen Truppen besetzt. Auch das Hüttenwerk fiel ihnen unzerstört in die Hand. Auf dem Friedhof Thale findet sich ein Gedenkstein für 21 unbekannte Wehrmachtsoldaten. Auf dem Friedhof des Ortsteils Warnstedt zeigt ein Grabstein 20 dort beerdigte deutsche Soldaten an, zwei von ihnen sind „unbekannt“.

Ab Anfang Juli 1945 wurde auch Thale Teil der SBZ und ab 1949 der DDR.

Zu DDR-Zeiten wurde das Werk in den VEB Eisen- und Hüttenwerke Thale umgewandelt. Zum 300-jährigen Jubiläum 1986 wurde am Standort des Werks das Hüttenmuseum Thale gegründet.

Der jahrelange Investitionsstau führte nach der Wende beinahe zum Aus für das Unternehmen. Es wurde schließlich 1993 durch den Verkauf an den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht und den Kaufmann Hans Henry Lamotte privatisiert. Zu einer konkurrenzfähigen Weiterentwicklung kam es aber in dieser Zeit nicht. Erst mit der Übernahme durch die Schunk Group aus Gießen (1997) wurde wieder in die unterschiedlichen Unternehmensbereiche, vor allem die Emailleverarbeitung investiert.[4]

Vom 12. bis zum 14. Juni 2009 war Thale unter dem Motto Thale sagenhaft Veranstaltungsort des Sachsen-Anhalt-Tages, zu dem etwa 200.000 Besucher kamen.

Eingemeindungen

Warnstedt wurde 2003 eingemeindet.[5][6] Im Jahr 2009 wurden insgesamt sieben Gemeinden zu vier verschiedenen Zeitpunkten eingegliedert.[7][8] Westerhausen kam 2010 hinzu.[9] Allrode wurde 2011 ein Ortsteil von Thale.[10] Die Eingemeindungen von Friedrichsbrunn und Stecklenberg waren umstritten, da die Nachbargemeinden Gernrode, Bad Suderode und Rieder mit diesen zusammen die Bildung einer Einheitsgemeinde angestrebt hatten. Die ursprüngliche Eingemeindung zum 29. September 2009 wurde damit aufgeschoben.[11]


Text: Wikipedia

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