Wunderblutkirche

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Wunderblutkirche Ansichtskarte (1933)

Die Wunderblutkirche St. Nikolai in Bad Wilsnack in der brandenburgischen Prignitz war bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts ein bedeutendes Wallfahrtsziel.

Grund war die Entdeckung dreier unversehrter Hostien nach einem Brand am 16. August 1383. Mehr als 170 Jahre lang wanderten hunderttausende Pilger auf mehreren Wallfahrtswegen nach Wilsnack, um das Heilige Blut zu besuchen. Je eine Meile Weg zur Wallfahrtskirche gab einen Tag Ablass; eine Umrundung gab 42 Tage Ablass.

Die Pilgerbewegung fand im Jahre 1552 ein jähes Ende, als der erste evangelische Pfarrer von Wilsnack, Joachim Ellefeld, die Überreste der Wunderbluthostien verbrannte.

Die Wunderblutkirche wurde zum Wahrzeichen des Kurortes Bad Wilsnack in der Prignitz. Sie ist als „Offene Kirche“ täglich geöffnet. Ein Förderverein setzt sich für den Erhalt der Kirche als kultur- und kirchengeschichtliches Denkmal ein und organisiert unter anderem Wanderungen auf dem alten Pilgerweg von Berlin nach Bad Wilsnack.

In der Hansestadt Lübeck (Schleswig-Holstein) erinnert das Kleverschusskreuz, ein Wegekreuz aus dem Jahr 1436, bis heute an die Pilger, die sich von dort auf den Weg nach Wilsnack machten.


Geschichte

1383 setzte der Ritter Heinrich von Bülow Wilsnack samt seiner Kirche und einige andere Dörfer in Brand.

In der Ruine fand der Priester Johannes Cabbuz drei Hostien, unverbrannt und rot gefärbt. Der Havelberger Bischof Dietrich II. von Man in Havelberg bestätigte ein Hostienwunder. Wilsnack wurde zum zentralen Wallfahrtsort in Nordeuropa und zum fünftbedeutenden Wallfahrtsziel des christlichen Abendlandes.

1384 erhielt Wilsnack den ersten Ablassbrief von Papst Urban VI. Der Wiederaufbau der Kirche zur ersten Wallfahrtskirche wurde begonnen. 1396 kamen die ersten in Havelberg gegossenen Pilgerzeichen in Wilsnack auf den Markt. 1403 wandte sich Jan Hus gegen die Verehrung des Wunderblutes. Das Mitglied der Magdeburger Synode, der Theologe Heinrich Tocke, begutachtete 1443 die Bluthostien. Er stellte fest, dass nur noch ein Gemisch von Krümeln und Spinnweben vorhanden war. Der Havelberger Bischof Konrad von Lintorff setzte sich jedoch gemeinsam mit dem Kurfürsten von Brandenburg gegen das aus Magdeburg angestrebte Verbot mit Unterstützung des Papstes durch.

Der Erweiterungsbau der Wilsnacker Kirche wurde vermutlich im Jahr 1446 begonnen. Papst Eugen IV. nahm 1447 in zwei Bullen positiv Stellung zum Wilsnacker Hostienkult. Ein niederländischer Adliger stiftete 1461 das Fenster im Nordquerschiff. Der Wunderblutschrein, das Fresko Christophorus, die bunten Fenster, Altäre und Skulpturen stammen aus der Zeit nach 1460. Den dreiteiligen Altar stiftete Kurfürst Friedrich II. Im Jahre 1471 erhielt die Kirche eine große Glocke. Mit der Reformation nahm 1517 die Zahl der Wallfahrer ab. 1520 verbreitete der Verlag des Lübecker Buchdruckers Steffen Arndes Drucke der Wilsnacker Legende (Historia inventionis et ostensionis vivifici Sacramenti), ebenso ein Jahr später Ludwig Dietz in Rostock Nach der Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg im Jahre 1539 fanden in der Kirche nach den evangelischen stets katholische Gottesdienste statt. Der evangelische Pfarrer von Wilsnack, Joachim Ellefeld, war damit nicht einverstanden und übergab 1552 die Bluthostien dem Feuer. Er wurde zunächst durch das Havelberger Domkapitel auf der Plattenburg inhaftiert, dann aber auf Anordnung des Kurfürsten Joachim II. freigelassen und des Landes verwiesen. Im selben Jahr ließ der Kurfürst die Glocke in seine Berliner Hofkirche bringen. Die Wallfahrten nach Wilsnack fanden ihr Ende. Zu den Pilgern hatte 1433 die englische Mystikerin Margery Kempe gehört. Sie beschrieb in ihrer autobiografischen Schrift The Book of Margery Kempe ihre Pilgerreise.

Friedrich Christoph von Saldern erteilte 1782 dem Orgelbaumeister Adam Heinrich Rietz aus Magdeburg den Auftrag zum Bau einer Orgel. 1806 wurde Wilsnack von französischen Truppen besetzt; die Kirche diente ihnen als Lazarett. 1825 wurde in der Kirche der kleine Altar gebaut, weil der große im hohen Chor von der Gemeinde zu weit entfernt war. Auf Anordnung des Kronprinzen Friedrich wurden 1881 die Buntglasfenster restauriert.

Die Kirche war Schauplatz von politischen Aktionen in den Jahren 1989/1990. Ab Oktober 1989 versammelten sich montags jeweils etwa tausend Menschen zum Friedensgebet und anschließendem Kerzenumzug, entsprechend den Montagsdemonstrationen in anderen Städten der DDR. Der erste Nachwende-Bürgermeister, Dietrich Grappa, wurde im Mai 1990 in der Kirche gewählt.


Architektonische Besonderheiten

Die Baugeschichte ist noch nicht abschließend geklärt, die Bauzeit erstreckte sich wohl vom Ende des 13. Jahrhunderts (Vorgängerbau) durchgängig bis kurz vor der Reformation mit dem Schluss des Langhauses 1525. Erbaut wurde die Kirche als wuchtige, dreischiffige Hallenkirche im Stil der norddeutschen Backsteingotik. Das kurze, unvollende Langhaus von drei Jochen schließt im ersten Joch den rechteckigen Turm eines Vorgängerbaues ein und zeigt selbst nur einen Dachreiter. Das Querschiff liegt mittig zwischen Langhaus und Chor mit östlich dahinter liegenden Kapellen. Die Wunderblutkapelle befindet sich am südlichen Teil des Querschiffs. Der Chor hat einen halbrunden 5/10-Schluss. Erhalten sind Glasmalereien aus dem späten Mittelalter. Der Hochaltar besteht aus drei verschiedenen und übereinander geschichteten Retabeln.


Wunderblutkapelle

Die Wunderblutkapelle birgt das bedeutendste Kunstwerk von Bad Wilsnack, den Wunderblutschrein. Er stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Türen des hölzernen Schreins sind bemalt. Sie zeigen außen die Gregorsmesse mit der Vision von Papst Gregor I. (590-604) beim Feiern der Messe. Auf der Innenseite der linken Tür ist die Trinität dargestellt, als Zeichen der Verehrungswürdigkeit des Wunderbluts. Die rechte Tür trägt außen die Verspottung Jesu. Der Lendenbereich des Gekreuzigten ist gestrichelt - die Darstellung des Geschlechtlichen wurde zu dieser Zeit bereits als unangemessen empfunden.

Die Wunderblutkapelle wurde vermutlich nach der Reformation ab 1560 als Familiengruft der protestantischen Patronatsfamilie von Saldern benutzt. Die Grabstätten wurden ab 1952 in die Chorgrüfte und in andere Bereiche der Kirche verlegt. Die Kapelle wurde renoviert und wieder zugänglich gemacht. 1992 wurde die Kapelle saniert und mit einer Fußbodenheizung versehen.


Ausstattung

Der Hochaltar, der Kirche gestiftet vom brandenburgischen Kurfürsten Friedrich II., ist dreiteilig. Der mittlere Teil stammt aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts und zeigt Maria, die von den zwölf Aposteln umgeben ist. Der obere Teil, ein Dreifigurenschrein, zeigt die Mutter Jesu mit den Vierzehn Nothelfern. Im Zentrum der fünfteiligen Retabel steht eine Mondsichelmadonna, die links von zwei Frauenbüsten und rechts von einem Mönch sowie einer Bischofsfigur flankiert wird. Der Gemeindealtar stammt aus dem Jahr 1960.

Die Kanzel ist ein Werk des späten 17. Jahrhunderts. Sie wurde von Jakob Friedrich von Saldern nach dem Tod seiner Frau Elisabeth von Bismarck (1659-1695) gestiftet. Geschmückt ist die Kanzel mit dem Saldernschen Wappen, einer Rose, sowie dem Bismarck-Wappen, einem dreiblättrigen Kleeblatt.

Der Osterleuchter erinnert an die Wallfahrer, die aus Ungarn zur Wallfahrtskirche pilgerten. Er befindet sich im Chorraum links in Höhe des Gemeindealtars.



Text: Wikipedia

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