Zeitz

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Zeitz ist eine Mittelstadt im Süden von Sachsen-Anhalt

Reklamemarken und Siegelmarken

Katalog der Reklamemarken und Siegelmarken mit einem Bezug zu Zeitz.

A. Riebecksche Montanwerke

Buchbinderei Paul Hering

C.H. Oehmig-Weidlich

Emmeling Teigwaren

F.A. Oehler

Fröhlich & Co.

Hugo Lenssen

M. Fiedler

Opel & Kühne

Waldauer Braunkohlen-Industrie AG

ZEMAG

Sonstige

Aylsdorf

Bockwitz

Geußnitz

Kayna

Lobas

Loitzsch

Theißen

Zangenberg

Geschichte

Vor- und Frühgeschichte

Die Region Zeitz ist nachweislich seit dem Ende der letzten Eiszeit besiedelt. Nach dem Abtauen der mächtigen Eisschilde vor ca. 150.000 Jahren, die damals das Land zwischen den Mittelgebirgen und Skandinavien bedeckten, siedelten sich Jäger- und Sammlergesellschaften an. Als ältester Fund menschlicher Besiedlung in der Region ist ein Faustkeil von Wetterzeube mit einem datierten Alter zwischen 120.000 und 250.000 Jahren zu nennen. Eine Fundstelle an der Aga bei Breitenbach überlieferte Steinwerkzeuge wie Klingen und Sichel sowie diverse Tierknochen, u. a. Hirsche und Mammute, aus einer Zeit vor 30.000 Jahren.[11]

Aus dem Mesolithikum sind um Zeitz die ersten Reste von Wohnhütten überliefert. Es wurden ebenfalls die Reste von Hockerbestattungen ausgegraben. Bei Schloss Moritzburg und auf dem Bergsporn von Kloster Posa wurden mesolithische Steinwerkzeuge ausgegraben, die auf das 6. Jahrtausend vor Christus datiert wurden. Diese beiden Orte erlangten wegen ihrer guten fortifikatorischen Beschaffenheit in der Folge immer wieder eine Bedeutung.[11]

Zwischen dem 6. und dem 5. Jahrtausend vor Christus wurden die Menschen um Zeitz sesshaft. Zu jener Zeit wanderten Menschen aus dem Südosten Europas nach Mitteleuropa ein, vermischten sich mit der Jäger- und Sammlerbevölkerung und es entstand eine erste Kultur, die heute so genannten Bandkeramiker. Der Name stammt von den zahlreichen überlieferten Funden von Keramiken, die mit den Abdrücken von Bändern verziert wurden. Überliefert sind von dieser die damals typischen Langhäuser mit einer Länge von ca. 50 m sowie Amphoren und Steinwerkzeuge. Im Ortsteil Zangenberg wurde ein Totenhaus ausgegraben.[11]

Nach einer Periode, aus der es um Zeitz kaum Funde gab, folgte im 3. Jahrtausend vor Christus die sog. Glockenbecherkultur. Diese ist nach den charakteristischen, glockenförmigen Keramikbechern benannt, die in den Fundstätten zu finden sind. Die Glockenbecherkultur ist die erste Kultur in Zeitz, von der Metallfunde nachweisbar sind. So gab es Waffen und Rüstungen aus Kupfer sowie Schmuck aus Gold und Silber.[11]

Bronze- und Eisenzeit

Zwischen 2300 und 700 vor Christus fand um Zeitz die Bronzezeit statt, d. h. die Einwohner fingen an, Kupfer und Zinn zu Bronze zu verschmelzen und daraus höherwertige Waffen und Werkzeuge zu fertigen. Aus der Bronzezeit ist regional und überregional zuerst die Aunjetitzer Kultur und später die Hügelgräberkultur überliefert, die aufwendige Hügelgräber mit reichen Grabbeigaben errichtete. Zum Ende der Bronzezeit erfolgte eine intensive Zersiedelung der Landschaft um Zeitz. Damit einher ging eine intensive Waldrodungsaktivität, wodurch die Menschen erstmals massiv ihre Umwelt umgestalteten.[11]

Ungefähr zwischen 720 und 450 vor Christus gelangte das Wissen über Eisenmetallurgie aus dem südlichen Mitteleuropa in die Region Zeitz, wodurch die Eisenzeit eingeleitet wurde. Wir schon mit dem Bronze vorher konnten durch das Eisen nochmals höherwertige Waffen und Werkzeuge hergestellt werden. Zeitz lag in der Eisenzeit im Grenzland zwischen der keltischen Hallstadt- und Latènekultur sowie der Kultur der Elbgermanen. Überliefert sind z. B. ein Halsring aus Eisen bei Kleinosida.[11]

In den letzten drei Jahrhunderten vor Christus wurden die Kelten von den Elbgermanen weiter nach Süden verdrängt.[11]

In der Antike lebten verschiedene germanische Völker in Mitteleuropa. Diese standen im Austausch mit dem Römischen Imperium im Süden. Dabei wurde Handel getrieben, es kam aber auch immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Zeitz lag in dieser Zeit im Stammesgebiet der Hermunduren, die im Tal der Weißen Elster siedelten, jedoch weniger auf der Hochfläche. Fundstellen sind u. a. aus Pötewitz überliefert. Bei Bornitz wurde ein gut erhaltener, römischer Bronzeeimer gefunden, der durch den Handel in die Region gelangte und als Graburne zweckentfremdet wurde.[11]

Frühmittelalter

Das Gebiet um Zeitz gehörte dem Reich der Thüringer an. Im Jahr 531 kam es bei Burgscheidungen (Unstrut) zu einer Schlacht zwischen sächsisch-fränkischen und thüringischen Heeren, in deren Folge der südliche Teil des Thüringerreiches in das Frankenreich eingegliedert wurde. Im Raum östlich der Elbe-Saale-Linie, in dem auch Zeitz liegt, siedelten sich ab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts slawische Bauern an. Vermutlich befand sich das Stammeszentrum des Kleinstammbezirkes Puonzowa an der Stelle des heutigen Klosters Posa.

König Heinrich I. (* 876; † 936) ließ an der Stelle der heutigen Moritzburg eine Burg errichten, welche es ermöglichte, die slawische Bevölkerung zu kontrollieren.

Zeit der Bischöfe

Auf der Synode von Ravenna im Jahr 967 wurde Zeitz erstmals urkundlich als Cici erwähnt (es sind aus anderen Dokumenten mehr als 30 weitere Namensvariationen bekannt), als Kaiser Otto I. (912–973) und Papst Johannes XIII., zum Zweck der Christianisierung der slawischen Bevölkerung und weiterhin zur Festigung der deutschen Herrschaft, die Gründung des Erzbistums Magdeburg sowie des Bistums Merseburg, des Bistums Meißen und des Bistums Zeitz beschlossen. Die Vorarbeit zur Gründung des Bistums leistete seit 950 der Mönch und Missionar Boso aus dem Benediktinerkloster St. Emmeram durch eine „unablässige“ Missionierung der ansässigen Slawen. Im Dezember 968 wurde Hugo I. (968–979) als erster Zeitzer Bischof geweiht, wodurch Zeitz zum Bischofssitz wurde. Der Bischof erhielt 976 von Kaiser Otto II. die Stadt Zeitz als Geschenk.[12]

Von 1028 bis 1032 wurde aufgrund des permanenten Bestrebens der Ekkehardiner mit päpstlicher Genehmigung der Bischofssitz von Zeitz nach Naumburg verlegt. Dies änderte sich Ende des 13. Jahrhunderts, als die Bischöfe erneut Zeitz zu ihrem Wohnsitz wählten, jedoch weiterhin in Naumburg gewählt und ernannt wurden. Mit dem Tod des Bischofs Julius von Pflug 1564 wurde das Bistum, nach circa 600 Jahren Bestand, aufgelöst. An die Zeit des Mittelalters erinnert heute vor allem die in Teilen sehr gut erhaltene städtische Befestigungsanlage mit Stadtmauer und dazugehörigen Wehranlagen sowie mehreren Stadtmauertürmen.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burganlage mehrfach belagert und die Bischofsburg schließlich Ende 1644 durch schwedische Truppen zerstört.

Zeit der Herzöge

Durch das Testament von Johann Georg I. (Sachsen) aus dem Jahr 1652 wurde die Aufteilung von Kursachsen unter seine vier Söhne festgelegt. Dadurch entstanden die Sekundogenitur-Herzogtümer Sachsen-Merseburg, Sachsen-Weißenfels und Sachsen-Zeitz. Damit entstand folgende Erbfolge: der älteste Sohn, der spätere Großvater Augusts des Starkens, übernahm die Erblande sowie die Kurwürde und verblieb damit mit seiner Residenz in Dresden. Der jüngste Sohn, Moritz, übernahm 1653 zunächst die Administration über das Stift Naumburg-Zeitz. 1656 verstarb sein Vater und er übernahm, gemäß dem Testament, die Regierung des Herzogtums Sachsen-Zeitz.

Auf den Grundmauern der zerstörten Bischofsburg wurde, unter Leitung des fürstlich-sächsischen Landbaumeisters Johann Moritz Richter (1620–1667), später von seinem Sohn Johann Moritz Richter (1647–1705), die barocke Residenz Moritzburg an der Elster erbaut. Die Bauzeit betrug 21 Jahre, vom 19. März 1657 bis 1678. Auf die Erbauung ließ Moritz den Taler auf den Bau von Schloss Moritzburg in Zeitz prägen. Weiterhin wurden in dieser Zeit viele barocke Bauwerke errichtet, die noch heute das Stadtbild prägen. Das Palais Brühl 11 wurde von Veit Ludwig von Seckendorff bewohnt, der Kanzler unter Herzog Moritz war. Er ließ das Gebäude im barocken Stil umbauen und erweitern.

1718 starb Herzog Moritz’ einziger Sohn, Herzog Moritz Wilhelm. Damit fiel, nach nur 69 Jahren, gemäß den Auflagen des Testaments Johann Georgs I., das Herzogtum Sachsen-Zeitz an das Kurhaus Dresden zurück. Nach den Napoleonischen Kriegen fiel auf Beschluss des Wiener Kongresses 1815 fast das gesamte Stiftsgebiet an Preußen und Zeitz wurde Sitz eines preußischen Landkreises innerhalb der Provinz Sachsen.

Mindestens bis zum ersten Drittel des 19. Jahrhunderts bestand in der Stadt das zuletzt weltliche Kolligiat-Stift Zeitz,[13] an der Spitze dort ein zumeist adeliger Grundbesitzer als Dekan.[14] Übermittelt ist ein Vertreter der briefadeligen Familie von Kutzschenbach; heute in Trägerschaft der Vereinigten Domstifter.

Industriegeschichte

Zeitz stellt eine alte Industriestadt mit ehemals stark diversifizierten Produktionslinien dar. Schon im Mittelalter (Zeit der Bischöfe) waren in Zeitz mehrere Wassermühlen in Betrieb, z. B. die Hanfmühle und die Blankenmühle am Rothebach, deren Gebäudereste man heute noch finden kann. Außerdem gab es die Ober- und Mittelmühle und später die Untermühle am Mühlgraben, die immer wieder modernisiert wurden und noch bis in die 1990er Jahre arbeiteten.

1843 wurde die erste Dampfmaschine in Betrieb genommen und 1855 die Zeitzer Eisengießerei und Maschinenfabrik AG (ZEMAG) gegründet, die sich mit Kohleveredlungverfahren und dem Bau von dafür benötigten Tellertrocknern, Brikettpressen und Verladeanlagen befasste. Die später entstandenen Industriezweige werden in den folgenden Unterkapiteln vorgestellt.

Metallindustrie

Weitere Gießereien waren die Eisen- und Stahlgießerei Oswald Kunsch in Zeitz-Rasberg (1896) und die Eisengießerei Hoffmann.

Die Firma Hubertus Raab Maschinen- und Motorenbau aus Zeitz wurde zu ihrer Zeit zur deutschen Spitze der deutschen Maschinen- und Motorenbaufirmen gezählt.

Es wurden Kessel vom Unternehmen Dampfkesselbau Schumann hergestellt. Das Unternehmen Göcker fertigte Werkzeugmaschinen an.

Entwicklung des Eisenbahnknotens

1859 erhielt Zeitz erstmals eine Verbindung an die Eisenbahn von Weißenfels nach Gera (siehe Bahnstrecke Weißenfels–Zeitz). Im Jahr 1872 folgte der Anschluss nach Altenburg, 1873 nach Leipzig und schließlich 1879 nach Camburg. Dabei entwickelten sich dem damaligen Zeitgeist entsprechend durch die Besitzverhältnisse der Bahnstrecken in der Stadt drei Bahnhöfe: der Sächsische Bahnhof (nach Altenburg), der Thüringer Bahnhof (nach Gera und Weißenfels) und der Camburger Bahnhof (nach Camburg/Saale). Der Sächsische Bahnhof befand sich in etwa an der Stelle des späteren Bahnwerks am heutigen Zeitzer Güterbahnhof, der Thüringer, später Preußische Bahnhof befand sich nur wenige Meter östlich des heutigen Bahnhofs und der Camburger Bahnhof lag zwischen Thüringer Bahnhof und der Weißen Elster. Im Zuge der Umbauarbeiten in den 1910er Jahren wurden die Bahnhöfe zum heutigen Bahnhof (siehe Bahnhof Zeitz) zusammengeführt und der Gleisplan grundlegend erneuert. Die Bahnübergänge in der Schäde- und Donaliesstraße wurden durch Unterführungen ersetzt. Außerdem wurde dabei die höhengleiche Kreuzung der Strecke Zeitz – Camburg, mit sämtlichen Gleisen des Bahnhofs, durch eine Brücke ersetzt. Die Güterzugstrecke Zeitz – Maßnitz – Tröglitz wurde dabei außerdem angelegt. Zuletzt wurde für den Güterverkehr der im Norden von Zeitz befindliche Güterbahnhof in seiner heutigen Form errichtet, mitsamt Güterabfertigung und Bahnwerk. Auch die Bahnpost und ein Großteil der Stellwerke wurden bei dieser Baumaßnahme neu gebaut.

Presse- und Medienbetriebe

Der wirtschaftliche Aufschwung der Gründerjahre führte in Zeitz zur Gründung von Druckereien, wie die Druckereien Schieferdecker (1841), die über ihre Nachfolger C.Brendel, Kratzsch sen. und jun. seit 1942 Druckerei Blochwitz heißt und noch heute besteht. Dazu gab es die Gebrüder Dathe (1889), die Druckerei Gutenberg (1891) und die Genossenschaftsdruckerei (1910), die die Zeitung „Der Volksbote“ herausgab. Im Jahre 1889 gründete der Zeitungsverleger Reinhold Jubelt seine Druckerei, die die Zeitzer Neuesten Nachrichten als Zeitung für Zeitz und Umgegend herausgab. Die älteste Zeitzer Zeitung wurde 1801 gedruckt. Seit 1825 hieß diese dann das „Zeitzer Kreisblatt“ und seit 1864 die „Zeitzer Zeitung“.

In den drei später gebauten Filmtheatern Capitol, Metropol und Zentralhalle konnte die Zeitzer Bevölkerung die neuesten Kinofilme sehen. Bis 1990 existierte außerdem die Zentralhalle, das Capitol bis 1996. In der Zeit von 1954 bis 1990 wurde die Zentralhalle nach erfolgter Renovierung „Theater der Freundschaft“ genannt. Nachdem sie von 1945 bis 1947 Offiziers- und Kulturclub der sowjetischen Besatzungsarmee war, wurde sie der Stadt Zeitz, allerdings in ruiniertem Zustand, zurückgegeben.

Standseilbahn am Wendischen Berg

Eine dampfbetriebene Standseilbahn versorgte zur Gründerzeit am Wendischen Berg die Metallwarenfabrik Bescherer.[15] Diese Drahtseilbahn transportierte ab 1877 mit den zwei gegenläufigen Wagen die Fuhrwerke und Personen den Berg mit einer Steigung von 9,6 % hinauf (in die Oberstadt) oder hinunter (in die Unterstadt). Sie galt zu ihrer Zeit eine Sensation in Deutschland. Die Konstruktion und der Bau der ersten Standseilbahn Deutschlands wurden von dem Zeitzer Baumeister Tretrop ausgeführt. 1960 wurde nach einer Explosion im Schornstein des Kesselhauses die gesamte Anlage demontiert.

Energieversorgung

Die nahe gelegenen Braunkohlebetriebe stellten früh einen großen Anteil an der Zeitzer Energieversorgung dar. Nördlich und östlich von Zeitz befand sich das Zeitz-Weißenfelser Braunkohlerevier mit Gruben im Untertage- und Tagebaubetrieb, die den Brennstoff förderten und aufbereiteten. 1889 wurde die Brikettfabrik Herrmannschacht gegründet, die bis 1959 arbeitete und heute noch als Industriedenkmal erhalten ist sowie durch einen Verein gepflegt wird. Sie ist zugleich die älteste erhaltene Brikettfabrik der Welt.[16] Von 1946 bis 1953 wurde der Betrieb der Gruben als Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) unter sowjetischer Direktion zur Erfüllung von Reparationsleistungen geführt.

Ab 1904 begann in Zeitz der zügige Ausbau einer Elektroenergieversorgung auf der Basis eines zunächst 220/440-Volt-Dreileiter-Gleichstromnetzes, was eine Modernisierung der Antriebe in Industrie und Handwerk sowie viele Unternehmensneugründungen zur Folge hatte. Bis zum Jahr 1965 wurden die letzten Teile des Gleichstromnetzes in der Stadt umgebaut und die Gleichstromversorgung beendet.

Klavierindustrie

Die Zeitzer Klavierindustrie mit zeitweise 30 verschiedenen Fabriken hatte ebenfalls einen großen Bekanntheitsgrad in Deutschland. Die bekanntesten waren Hoelling & Spangenberg (Friedrich Hölling wurde auch „Altmeister der deutschen Pianoforte-Industrie“ genannt.), Albert Fahr, F. Geissler, Homberg, Schmidt & Suppe, Oscar Gerbstädt, Morenz & Schemelli, E. Rübner & Co., C. Steudel, Liebig, Krietzsch und Hupfer & Comp. Pianomechaniken, dazu kamen von den Unternehmen A. Kummer, Gustav Dinger & Söhne und Pfeiffer & Bartsch. Daneben wurden bei den Unternehmen Albert Fahr (K.u.k. Hoflieferant), Gustav Köhler und Schneider & Heysel Tonmöbel, bei dem Unternehmen Pucklitzsch Kunstmöbel, beim Unternehmen Homberg Intarsien- und Kleinmöbel und beim Unternehmen Clingenstein Furniere für die Klaviere und Möbel hergestellt.

Holzwaren und Kinderwagenindustrie

Auch die Zeitzer Holzwaren- und Kinderwagenindustrie wurde über die Stadt hinaus bekannt. Bedeutend war in der Zeit der Bildung dieses Industriezweigs der Stellmachermeister Ernst Albert Naether, der das Unternehmen E. A. Naether gründete. Weitere Unternehmen dieses Industriezweigs in Zeitz waren Opel & Kühne, Haesselbarth & Storm, „Thuringia“, „Saxonia“ (Eduard Pfeiffer), Feiner, Germania, Gärtner und Wünsch & Pretzsch („Phönix“). Kinderwagenausstattungen kamen von den Firmen Paul Wöllner und Jöstel. Die Firma W.Otto Wolf fertigte Posamenten, Bänder und Borden. Die Räderfertigung erfolgte durch das Unternehmen Scharre. Nach 1945 wurde in der DDR im Zuge der Kollektivierung das Unternehmen E. A. Naether enteignet und durch Beschluss der damaligen Regierungsstellen die VVB Kinderfahrzeuge aus den Unternehmen Naether, Opel, „Saxonia“ und Feiner gebildet. Aus dieser ging in der weiteren Entwicklung der VEB Zekiwa hervor, der ein bedeutender Exportbetrieb in Zeitz wurde.

Möbel stellte die Möbelfabrik Ludwig Lindner her. Holzbearbeitungswerkzeuge und -maschinen für diese Firmen kamen von der Firma Kneisel aus Zeitz. Die große Nachfrage nach Batterien zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde von der Batterieelemente- und Fliegenfängerfabrik Uhrbach & Reinhold und von der Batterie- und Rückstrahlerfabrik Etzold & Baeßler gestillt.

Lebensmittelindustrie

Frühe Lebensmittelbetriebe waren die Unternehmen Max Emmerling (Herstellung von Nährzwieback und Teigwaren), W. R. Clingestein (Essig- und Spritfabrik) und Fröhlich & Co. (Konservierung von Gemüse und Herstellung von Essigessenz).

Aus einer Vielzahl von Bierbrauereien ging die Brauerei Oettler als größte und modernste Brauerei hervor, die auch der Konkurrenz der Köstritzer Schwarzbierbrauerei und der Riebeck-Brauerei aus Leipzig im Kampf um den Zeitzer Biermarkt standhielt.

Limonaden wurden in den Unternehmen Nägler und Büchner hergestellt. Süßwaren- und Schokoladenherstellung betrieben die Betriebe Oehler und Oehmig - Weidlich. Das Unternehmen Oehler wurde nach 1952 in den VEB Zetti überführt und erreichte einen großen Bekanntheitsgrad in Europa. Nach 1952 wurden Oehmig & Weidlich und Thieme als VEB Zitza zusammengefasst, der mit Haartönungsprodukten im Ostblock bekannt wurde.

Stoff und Stoffdruck

Das wahrscheinlich älteste Unternehmen in Zeitz ist die Stoff- und Kattundruckerei Scheube & Brehme, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familien war und bis 1972 privat und nach der Verstaatlichung durch die DDR als VEB Wäscheunion bis 1990 produzierte. Wäschedrucke in modernen Druckverfahren waren ein Exportartikel besonders in das westliche Ausland. Ebenfalls produzierte die Firma F,B,Casiraghi, Mitte des 19. Jahrhunderts Garne und Stoffe, stellte aber nach Jahren die Produktion ein. Beide Unternehmen nutzten das Wasser des Mühlgrabens für ihren Betrieb.

Weitere Unternehmen und Erster Weltkrieg

Das Unternehmen Thieme stellte Seifen her. Farben und Lacke wurden von dem Unternehmen Hugo Lenssen produziert. Dessen Erzeugnisse fanden unter anderem als Anstriche der deutschen Luftschiffe Verwendung, aus diesem Grunde gab es mehrfach Zwischenlandungen eines Zeppelin-Luftschiffs auf dem Feld an der Wilhelmshöhe.

Ab 1954 als VEB ZEMAG Zeitz begann eine starke Entwicklung, die in der Folge auch zur Produktion von Röhrentrocknern, Seilbaggern und Raupendrehkranen führte. 1858 wurde die Zuckerfabrik Zeitz erbaut, um in einem modernen Verfahren aus Zuckerrüben Weißzucker zu produzieren.

Eine wesentliche Zäsur im Alltag der Bevölkerung bedeutete der Erste Weltkrieg, als in zahlreichen Vergnügungsetablissements, wie auch der Wilhelmshöhe, Lazarette eingerichtet wurden.[17]

Ehemalige Garnison

Im 18. Jahrhundert waren in Zeitz Truppen der kursächsischen Armee untergebracht. Die preußische Armee hatte zwischen 1860 und 1870 eine Garnison in Zeitz.[18] Bei der Aufrüstung der Wehrmacht wurden dann für das Heer 1936/1937 zwei große Kasernenneubauten an der Wiener Straße (späteren Geraer Straße) errichtet, die ab 1937 u. a. vom Artillerieregiment 84.(rechte Seite in Richtung Gera) bezogen wurden.[19] Nach 1945 war Zeitz eine Garnison der sowjetischen Truppen (8. Gardearmee). Sie zogen 1992 ab.

1933–1945

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden 1934/1935 im Gewandhaus, in dem die Gestapo ihren Sitz hatte, politische Gegner aus den Arbeiterorganisationen sowie unliebsame Kritiker des Regimes interniert und misshandelt. Der Zeitzer Trommler rief zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. In der Pogromnacht im November 1938 verwüsteten SA-Trupps die wenigen verbliebenen jüdischen Geschäfte und die Synagoge. Die Juden wurden zunächst in Schutzhaft genommen.[20]

In den Jahren 1937/1938 baute die Brabag nordöstlich von Zeitz das Hydrierwerk Zeitz zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen mittels Kohleverflüssigung. Vom 5. Juni 1944 bis zum 9. April 1945 existierte in unmittelbarer Nähe zum Werk das KZ Außenlager Wille, ein Außenkommando des KZ Buchenwald.

Im Sommer 1939 intensivierte die Stadt ihren Luftschutz. Ab 1940 wurde Zeitz zur Lazarettstadt, 1942 befanden sich 450 Verwundete in Behandlung. Die Stadt hatte viele ausgebombte Familien aus Westdeutschland, Hamburg und Berlin aufzunehmen. Andererseits wurden Zeitzer Kinder im Rahmen der „Erweiterten Kinderlandverschickung“ in ländliche Regionen evakuiert.

Die ersten Luftangriffe auf Zeitz begannen 21. Juli 1940. Von Mai 1944 bis April 1945 folgten neun weitere Bombardements, die fast alle dem Hydrierwerk Zeitz galten. Die abgeworfenen Bomben zerstörten jedoch auch einzelne Häuser in Zeitz, Tröglitz, Rehmsdorf, Torna, Göbitz und Könderitz und verursachten viele Todesopfer. Am 30. November 1944 erfolgte ein konzentrierter US-amerikanischer Bombenangriff auf die Stadt Zeitz selbst.

Noch am 10. April 1945 kam es zu einem folgenschweren Angriff von US-Jagdbombern auf Züge im Güterbahnhof, bei dem Chlorgas aus getroffenen Kesselwagen freigesetzt wurde. Am 12. April erreichten US-Bodentruppen den Raum Zeitz. Der Zeitzer Teil des Mitteldeutschen Flakgürtels versuchte vergeblich, sie im verlustreichen Erdkampf aufzuhalten. Spezialeinheiten sprengten die Brücken über die Weiße Elster. Die Stadt wurde nach Artilleriebeschuss am 13. und 14. April eingenommen. Hartnäckig verteidigt wurden bis zum 15. April die Zeitzer Kasernen.

1945–1990

Mit der Befreiung der Stadt vom Nationalsozialismus durch die US Army im April 1945 wurde der amtierende Oberbürgermeister Hugo Ludwig Rath von der Besatzungsmacht durch den Verleger Arthur Jubelt als kommissarischen Oberbürgermeister ersetzt. Dieser wurde im Juli 1945 nach der Übergabe der Stadt an die Rote Armee des Amtes enthoben und Ende 1945 durch eine böswillige Denunziation in das Speziallager Nr. 2 Buchenwald eingeliefert, wo er verhungerte.

Zeitz hatte sehr viele Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten aufzunehmen. Die Wohnraumnot wurde auch durch die Beschlagnahme zahlreicher Häuser durch die Rote Armee verschärft. Diverse enteignete Villen wurden verstaatlicht, so wurde der stattliche Wohnsitz der Fabrikantenfamilie Richard Naether (Villa Steineck) als Kulturhaus „Weltfrieden“[21][22][23] öffentlich genutzt.

1950 wurde die seit 1901 kreisfreie Stadt Zeitz in den Kreis Zeitz eingegliedert, der ab 1952 dem neu entstandenen Bezirk Halle angehörte. Ab Mitte der 1950er Jahre entstanden in der Stadt zahlreiche Neubaugebiete, wie der Stadtteil Völkerfreundschaft. Im Jahr 1965 begann die Erschließung des Wohnbaugebietes Zeitz-Ost, der erste Stadtteil mit Fernheizung aus einem zentralen Heizwerk.

Parallel zu der verordneten Baupolitik der Staatsführung der DDR verfiel die Zeitzer Altstadt zunehmend in einem nicht mehr denkmalpflegerisch zu vertretenden Maß. Ein Prozess, der seit den frühen 1970er Jahren bis 1990 seinen Höhepunkt mit Flächenabbrüchen erreichte. Mittelalterlich geprägte Straßen wie der Brühl, die Rothe- und Scharrenstraße, das „Wochenbett“ zwischen Brühl und Steinstraße, die Domherrenstraße und die Besenstraße wurden fast vollständig ihrer historischen Bausubstanz beraubt. Sie sind heute nur noch als Fragment erhalten und stellen einen massiven städtebaulichen Missstand dar.

Am 18. August 1976 verbrannte sich der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz aus Protest gegen das politische System der DDR und die Politik der evangelischen Kirche in der DDR zur Staatsführung öffentlich vor der Michaeliskirche. Sein Freitod führte zu einem Umdenken der Kirchenführung, in einem Hirtenbrief wurden danach neue kritische Standpunkte der evangelischen Kirche gegenüber der DDR-Staatsführung in allen Gemeinden verlesen. Zum Gedenken an Oskar Brüsewitz steht vor der Michaeliskirche seit 1990 eine Gedenksäule.

Bis 1989/90 bildete die Stadt einen industriellen Mittelpunkt.

Zeitz seit 1990

Die Deindustrialisierung nach der Wiedervereinigung überstanden von den hier genannten Unternehmen lediglich die Zeitzer Zuckerfabrik, die von Südzucker übernommen wurde, sowie die Zeitzer Schokoladenmanufaktur Zetti (übernommen von Goldeck GmbH Leipzig) und die ZEMAG GmbH, die noch bis März 2004 produzierte. Nach jahrelangem Leerstand der Hallen übernahm die Zeitzer Guss GmbH, ein Tochterunternehmen von Silbitz Guss GmbH, die Betriebsstätte. Durch diesen Strukturwandel kam es ab 1990 zu einem Abbau von Arbeitsplätzen. Die Stadt verlor mehr als ein Drittel ihrer Einwohner.


Text: Wikipedia

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