Ziesar
Ziesar ist eine Stadt im brandenburgischen Landkreis Potsdam-Mittelmark und Sitz des Amtes Ziesar. Ihr Wahrzeichen ist die Burg Ziesar.
Reklamemarke und Siegelmarken
Geschichte
Der Name der Stadt leitet sich aus dem Polabischen ab. Za jezero bedeutet „hinter dem See“. Damit ist eine Fläche südlich der Burg gemeint, in der zu einer früheren Zeit ein rund 2 km langer und rund 1,5 km breiter See lag, der von Quellen südlich der Stadt gespeist wurde. Durch Trockenlegungen wurde der See entwässert und ab 1880 als Mähwiese und Viehweide genutzt.[4] Jezer taucht in mehreren Ortsnamen der Umgebung auf, wie beispielsweise bei Ferchesar und Hohenferchesar.
10. bis 13. Jahrhundert
Die Geschichte des Ortes ist eng mit Brandenburg an der Havel, dem Bistum und dem Hochstift Brandenburg, dem Reichsfürstentum des Bischofs von Brandenburg verbunden. Ziesar wurde erstmals im Jahr 948 als Ezeri urkundlich erwähnt, auch Secezere. Es handelt sich dabei um eine von Otto I. erstellte Urkunde, in der der Ort dem Hochstift Brandenburg übertragen wurde. Ziesar lag bis 1571 im Hochstift Brandenburg und war darüber de jure nicht Teil der Mark Brandenburg.[5] Ziesar lag an der alten Heerstraße Brandenburg–Magdeburg.
Bereits ab dem Jahr 1226 sind Brüder des 1210 gegründeten Franziskanerordens in Ziesar nachgewiesen. Der Fürstbischof Gernand von Brandenburg unterstützte die Ansiedlung. Der Ziesarer Pfarrer Helias (magister Helyas, plebanus de Secezere, gestorben 1237), seinem Titel „Magister“ nach ein gelehrter Priester,[6] stiftete das Kloster Ziesar, das aber bald nach Brandenburg an der Havel verlegt wurde, weil es in Ziesar kriegerische Unruhen gegeben hatte.[7] Der erste Besuch eines Bischofs von Brandenburg ist 1214 belegt, er ließ dort im Folgejahr eine Fürstenversammlung stattfinden.
Ziesar gewann an Bedeutung, nachdem der brandenburgische Bischof Ludwig von Neindorf die Burg Ziesar zu seiner festen Residenz ausbauen ließ. Der im 13. Jahrhundert entstandenen Heilig-Kreuz-Pfarrkirche gliederte er ein Kloster der Zisterzienserinnen an.[8] Von 1327 bis etwa 1560 war Ziesar Sitz der Bischöfe von Brandenburg und Residenzstadt. Das Stadtrecht wurde vermutlich 1373 erteilt. Um 1400 wurde die Stadt befestigt, es entstanden Wälle, Gräben und vier Stadttore.
14. bis 19. Jahrhundert
1555 bauten die Stadtväter ein Gemeindehospital. Zwei Zerstörungen erlitt der Ort im Dreißigjährigen Krieg. Nach der Reformation war die Burg Ziesar von 1570 bis 1820 der Sitz eines kurfürstlichen Amtes. Durch den innerpreußischen Gebietstausch mit Luckenwalde gehörte die Stadt seit 1773 zum Herzogtum Magdeburg und lag im damaligen Ziesarschen Kreis. Im Jahr 1624 wurden bei Ziesar Tonvorkommen entdeckt. Dieser Rohstoff bot die Grundlage zur Entwicklung einer Tonwarenindustrie, die bis ins 20. Jahrhundert hinein zu den wichtigen Erwerbszweigen der Stadt gehörte. Einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung brachte der Anschluss an die Poststrecke von Berlin über Brandenburg und Ziesar nach Kleve. 1673 brannte das Rathaus der Stadt ab. In den Jahren 1860 bis 1872 restaurierten Baumeister die Heilig-Kreuz-Kirche. Die Stadt profitierte vom Anschluss an die Chausseen, der in den Jahren 1860 bis 1873 vorgenommen wurde. 1896/1897 errichteten die Stadtväter den Westbahnhof und nahmen eine Kleinbahn in Betrieb.
20. bis 21. Jahrhundert
Im Jahr 1900 eröffnete ein Armenhaus am Petritor. Sechs Jahre später erhielt Ziesar den Anschluss an das elektrische Stromnetz; ebenso eröffnete eine Schule. Von 1911 bis 1916 wurde die Kleinbahn so umgebaut, dass sie einen Anschluss an die Normalspurbahnen erhielt. 1913 eröffnete das Amtsgericht; 1916 der Hauptbahnhof. Im Jahr 1936 erhielt Ziesar einen Anschluss an die neu eröffnete Autobahn von Hannover nach Berlin. 1945 eroberte die Rote Armee die Stadt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in der Burg Flüchtlinge untergebracht.[9]
Im Jahr 1993 wurde in Ziesar ein Münzschatz aus der Regierungszeit Friedrichs des Großen geborgen. Im gleichen Jahr wurde auch wieder ein Amt Ziesar errichtet, dessen Verwaltung auf dem Burggelände ansässig ist. Die Orte Bücknitz, Glienecke und Köpernitz wurden am 1. März 2002 eingemeindet.[10]
Text: Wikipedia
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