Sternwoll-Spinnerei Hamburg-Bahrenfeld

Aus veikkos-archiv
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Reklamemarke der Norddeutschen Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei

Der Ursprung des Bahrenfelder Werkes „Sternwoll – Spinnerei“ geht auf das Jahr 1651 zurück. 1898 wurde der Standort in Hamburg-Bahrenfeld in Betrieb genommen. 1906 übernahm die Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei bei Bremen das Hamburger Unternehmen und der Nordwolle-Konzern entstand. 1931 ging der Konzern in Konkurs. Im Rahmen der Konkursabwicklung wurden das Bahrenfelder Werk und die Leipziger Werke von Tittel & Krüger aus dem Konzern 1932 ausgegliedert und in einer Aktiengesellschaft zusammengefasst. Der Sitz des neuen Unternehmens war auf dem Papier Bremen, da hier der Konkursverwalter seinen Standort hatte. Faktisch faktisch war die Leitung in Leipzig, 1937 auch formal. Tittel & Krüger war ein 1866 in Leipzig gegründetes Wollgarnunternehmen. Unter den Marken Schwan, Stern und Taube erreichten die Erzeugnisse auf Basis von Zephir-, Kaschmir- und Mohairwolle einen weltweiten Ruf.

1939 erklärte die faschistische Regierung die Sternwoll-Spinnerei zum Wehrmachtsbetrieb. Das Unternehmen produzierte von nun an für die Rüstungsindustrie und setzte während des Krieges Arbeiter aus den von Deutschland besetzten Gebieten zur Zwangsarbeit ein.

Nach Recherchen von Dr. Frederike Littmann im Staatsarchiv Hamburg konnte nachgewiesen werden, dass es im September 1944 in der Wollgarnfabrik Tittel & Krüger und Steinwollspinnerei AG ein Firmenlager mit eigener Küche, 16 Essensteilnehmer (italienische Militärinternierte) gab. Die Firma Tittel & Krüger selbst gab 128 weibliche und 96 männliche Personen für das Lager an.

1963 Umfirmierung in Schwanenwolle Tittel & Krüger AG. 1964 Übernahme durch die britische Gesellschaft J & P Coats, Paton & Baldwins Ltd, Glasgow. Anschließend wurde die Gesellschaft liquidiert. 1969 Einstellung der Börsennotiz in Berlin und Hamburg.

Seit 1985 ist die Griegstraße 75 Unternehmensitz der Hamburger Morgenpost.

In Delmenhorst bei Bremen und in Leipzig sind aus den ehemaligen Wolle-Unternehmen Industriemuseen geworden. Mit über 100.000 Quadratmetern Geschossfläche ist der ehemalige Standort in Leipzig heute Deutschlands größtes Industriedenkmal und Europas größter Gebäudekomplex der Gründerzeit. Die Größe des gesamten Areals beläuft sich auf 50.000 Quadratmeter. In Delmenhorst sind die erhaltenen Bauten auf dem Werksgelände eines der großen Industriedenkmale Europas und ein bedeutendes Zeugnis historistischer Fabrikarchitektur. Auf dem Gelände der stillgelegten Fabrik entstand ein Stadtteil mit moderner Wohnbebauung in Verbindung mit den unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden. In Hamburg gehörte das Gelände bis vor kurzem dem Oetker-Konzern, jetzt ist der Eigentümer Nils Hollmann mit seiner hpv Hamburg.


Quelle