AEG (Glühlampenwerk Moabit)

Aus Veikkos-archiv
Wechseln zu: Navigation, Suche
Siegelmarke der AEG

Die 1887 gegründete Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) war eines der bedeutendsten deutschen Elektrounternehmen. Neben Produkten für die Elektrische Energietechnik und den Haushaltsbedarf (sogen. „Weiße Ware" und Geräte zur Elektrogebäudeheizung) baute die AEG Straßenbahnen, Elektro- und Dampflokomotiven sowie im Tochterunternehmen NAG auch Automobile. Vor und während des Ersten Weltkriegs war der AEG-Konzern nach Krupp zweitgrößter Rüstungsproduzent im Deutschen Kaiserreich und baute u.a. Flugzeuge für das Deutsche Heer. In den 1930er Jahren entwickelten AEG-Techniker das „Magnetophon" für die Tonaufzeichnung auf Magnetband.

Das Unternehmen wurde 1996 aufgelöst; die Marke AEG wird jedoch von Lizenznehmern weiter verwendet.

Geschichte

Die Anfänge

Die Gesellschaft verdankt ihre Entstehung Emil Rathenau, der 1883 die Patente an den Erfindungen Thomas Alva Edisons zu Glühlampen für Deutschland erwarb und dazu in Berlin, Schlegelstraße 26 eine kleine Studiengesellschaft gründete. Diese Gesellschaft wurde im selben Jahr zur Deutschen Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität.

Die Edison-Gesellschaft gründete 1884 die Städtischen Elektricitätswerke (A.G.StEW) zu Berlin (ab 1887: Berliner Elektricitäts-Werke). Die technische Ausrüstung lieferte die AEG.

Von 1883 bis 1889 war der Münchener Ingenieur und spätere Gründer des Deutschen Museums Oskar von Miller der Direktor der Edison-Gesellschaft. Emil Rathenau holte 1887 Michail von Dolivo-Dobrowolsky ins Unternehmen, der als Chefingenieur der Drehstromtechnik zur praktischen Anwendung verhalf, indem er den ersten funktionsfähigen Drehstrommotor erfand. 1891 gelang Miller und Dobrovolski anlässlich der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt am Main erstmals die Übertragung von Drehstrom über eine größere Strecke: Der in einem Kraftwerk in Lauffen am Neckar erzeugte Strom wurde über die 175 Kilometer lange Drehstromübertragung Lauffen–Frankfurt transportiert, wo er auf dem Ausstellungsgelände 1000 Glühlampen speiste und einen künstlichen Wasserfall antrieb. Dieser Erfolg war der Beginn der allgemeinen Elektrifizierung mit Wechselstrom im Deutschen Reich und verhalf der AEG zum wirtschaftlichen Erfolg.

Die erste Fabrikationsstätte befand sich ab 1886/1887 in der Schlegelstraße 26/27 in der Nähe des Stettiner Bahnhofs. Dort nahm die Deutsche Edison Gesellschaft von Emil Rathenau die Fabrikation von Glühlampen auf. 1887 erwarb die Gesellschaft in Berlin-Gesundbrunnen das Areal zwischen Ackerstraße, Feldstraße, Hermsdorfer Straße (der heutigen Max-Urich-Straße) und der Hussitenstraße, auf dem sich vorher die Weddingsche Maschinenfabrik von Wilhelm Wedding befand. 1887/1888 führten die Handwerksmeister H. Theleman und H. Büttner, C. Heidecke und der Baumeister A. Soeder sämtliche Erweiterungen aus. Im selben Jahr erfolgte neben einer Umstrukturierung und Erweiterung der Produktionspalette die Namensänderung in Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, abgekürzt AEG. Paul Tropp begann seine Arbeiten für die AEG 1889/1890 bis 1893, und Franz Schwechten entwarf die Fassaden zur Acker- und Hussitenstraße um 1894/95. Der fünfstöckige Backsteinbau umschließt bis heute das Areal. 1894 wurde das Gelände des ehemaligen Berliner Viehmarkts zwischen Hussiten- und Brunnenstraße erworben. Damit war auch ein Gleisanschluss an das Berliner Schienennetz hergestellt, eine Schienenverbindung zwischen dem Apparatewerk und dem Gelände des ehemaligen Viehmarktes existierte jedoch noch nicht. Im Jahre 1895 wurde deshalb als Verbindung zwischen den beiden Grundstücken eine Untergrundbahn in einem eigens dafür angelegten Tunnel von 270 Metern Länge angelegt. Mit seinen beiden überirdisch angelegten Endstationen diente die Bahn nur dem innerbetrieblichen Personen- und Lastverkehr. Realisiert wurde der Tunnelbau von Siemens & Halske (S&H) unter der Leitung von C. Schwebel und Wilhelm Lauter, die ebenfalls den Spreetunnel Stralau, hier dann für den öffentlichen Personenverkehr, planten.

Für den Bereich der drahtlosen Nachrichtenübermittlung (Telegraphie) gründete die AEG zusammen mit Siemens & Halske im Jahre 1903 die gemeinsame Unternehmenstochter Telefunken.

1907 bestellte die AEG den Architekten Peter Behrens zum künstlerischen Berater. Zuständig war er für die Gestaltung sämtlicher Produkte, Grafik, der Werbemittel und der Architektur und gilt somit als der weltweit erste Corporate Designer. Produktgruppen wie die Wand- und Werksuhren oder die Wasserkocher wurden zu Archetypen des modernen Industriedesigns. Seine Entwürfe sind tendenziell reduktiv und stehen im Kontrast zu den zuvor opulent dekorativ gestalteten Dingen. Bei Konsumgütern, etwa bei Leuchten wurden jedoch weiterhin auch historisierende Produkte angeboten, die auf die Zeit vor Behrens' Tätigkeit zurückgehen und bis in die 1930er Jahre in hohen Stückzahlen abgesetzt wurden.

Die Tätigkeit der Gesellschaft erstreckte sich bald auf alle Gebiete der Starkstromtechnik, insbesondere auf die elektrische Beleuchtung, die elektrische Kraftübertragung, elektrische Bahnen, elektrochemische Anlagen, außerdem auf den Bau von Dampfturbinen, Dieselmotoren, Automobilen, Kabeln und Leitungsmaterialien. In den ersten Jahrzehnten besaß die Gesellschaft zahlreiche Fabriken in und um Berlin:

Maschinenfabrik (Dynamomaschinen, Elektromotoren, Transformatoren)

Apparatefabrik (Bogenlampen, Ausschalter, Sicherungen, Widerstände, Regler, Anlasser, Messinstrumente aller Art)

Kabelwerk (Kupfer- und Metallwerk, Gummifabrikation, Mikanitfabrik)

Glühlampenfabriken (Kohlefaden- und Metallfadenglühlampen, Nernst-Lampen), später in Osram eingebracht

Turbinenfabrik Moabit (Dampfturbinen)

Tabellarische Chronik

Gründungsjahre bis 1945

1897: Gründung der Unternehmenstochter KWO Kabelwerk Oberspree mit Erwerb eines großen Baugeländes in der damals selbstständigen Landgemeinde Oberschöneweide. Baubeginn von Produktions- und Hilfsgebäuden nach Plänen des Architekten Peter Behrens

1899: Beginn der Produktion von Nernstlampen

Am 10. Oktober 1899 wird die AEG Gründungsmitglied der Studiengesellschaft für Elektrische Schnellbahnen in Berlin. Ziel des Unternehmens ist es, praktische Erfahrungen mit hohen Geschwindigkeiten bei elektrischer Traktion zu sammeln.

1900: Erfindung des Haartrockners. Die AEG sicherte sich 1909 den Begriff Fön als Bild-/Wortmarke. Heute gilt für AEG-Haartrockner die 1941 eingetragene Wort-/Bildmarke FOEN.

1901 begann die Neue Automobil-Gesellschaft AG (NAG) in der mechanischen Werkstatt des Kabelwerkes Oberspree in Oberschöneweide mit der Herstellung von Motorfahrzeugen.

1903: Die andauernden Patent-Streitigkeiten mit Siemens & Halske wurden durch die Gründung der gemeinsam betriebenen „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H, System Telefunken“ beigelegt.

1904: Fusion von AEG mit der Union-Elektricitäts-Gesellschaft (UEG)

1906: Das von Alfred Messel entworfene „AEG-Haus“ am Friedrich-Karl-Ufer 2/4 (ab 1951: Kapelle-Ufer) in Berlin-Mitte wurde als neue Konzernzentrale bezogen.

1910: Einstieg in den Flugzeugbau mit der Abteilung Flugzeugbau (Hennigsdorf bei Berlin).

Erweiterungsbauten auf dem Gelände in Oberschöneweide, u.a. durch Ernst Ziesel und den Bauingenieur Gerhard Mensch

1915: Emil Rathenau, der AEG-Gründer starb im Alter von 76 Jahren an den Folgen (u.a. Beinamputation) seines Diabetes mellitus am 20. Juni 1915 in Berlin und sein Sohn Walther Rathenau übernimmt das Präsidium der AEG bis zu seiner Ermordung am 24. Juni 1922. Den Vorsitz des Direktoriums ab 1915 und später den Vorstandsvorsitz der Gesellschaft übernahm bis 1928 Felix Deutsch. Ab 1928 bis 1947 führte Hermann Bücher den AEG-Konzern.

1927: Das Berliner Schau- und Verkaufsgebäude in der Luisenstraße 35 wurde am 15. September bei einem Brand zerstört.

1928: Das heutige Kunsthaus Tacheles wurde als neues Schau- und Verkaufsgebäude auf einer Fläche von 10.500 m² umgebaut und fortan als Haus der Technik bezeichnet.

1929/1930 übernahm der US-amerikanische Elektro- und Medienkonzern General Electric 30 Millionen Reichsmark AEG-Stammaktien zum Kurs von 200 Prozent, was einem Anteil von 27,5 Prozent entspricht und entsendete fünf Mitglieder in den AEG Aufsichtsrat.

1935: Vorstellung des weltweit ersten Tonbandgerätes Magnetophon K1 auf der Großen Deutschen Funk-Ausstellung Berlin.

1935 wurden die Borsig Lokomotiv-Werke übernommen, deren Lokomotivbau dann nach Hennigsdorf verlagert wird.

1941: AEG kaufte Siemens & Halske deren Telefunken-Anteile ab und führte das Unternehmen als 100 %ige Tochtergesellschaft weiter. Siemens & Halske bekam die Erlaubnis, bis Kriegsende die Telefunken-Patente weiter zu nutzen.

Nachkriegsjahre

1945: Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Konzernzentrale, das AEG-Haus am Friedrich-Karl-Ufer, fast völlig zerstört und lag zudem im sowjetischen Sektor von Berlin. Das Werk in Hennigsdorf wurde von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) beschlagnahmt und 1948 zum VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hennigsdorf (LEW). Ebenso wurden die Kabel- und Transformatorenwerke Oberspree (KWO und TRO) in Berlin-Oberschöneweide und die Apparatefabrik Treptow zunächst Sowjetische Aktiengesellschaften (SAG) und später auch VEB. Der Wiederaufbau des Konzerns konnte, auch wegen der Mitte 1948 beginnenden Berliner Blockade, nicht von der nun geteilten Stadt aus bewältigt werden. Die Firmenleitung für die nicht enteigneten Unternehmensteile wird daher zunächst nach Hamburg verlegt.

In Berlin-Schmargendorf wurde am Hohenzollerndamm 150-152 in dem ausgedehnten Gebäudekomplex des ehemaligen Wehrkreiskommandos III der Wehrmacht ab 1948/1950 eine Dependance für verschiedene Geschäftsbereiche und ein Vertriebsbüro eingerichtet. Mit dem Verlust der KWO und TRO am größten Standort Oberschöneweide wurde die Kabelherstellung bei der AEG völlig eingestellt und in der Brunnenstraße (Bezirk Berlin-Wedding) der Bau von Leistungstransformatoren neu eingerichtet. Nach Wiederaufnahme der Produktion in West-Berlin, Nürnberg (Hausgeräte), Stuttgart (Elektrowerkzeuge) und Mülheim an der Ruhr (Ausbesserungswerk für Hochspannungs-Transformatoren) entstanden in Westdeutschland neue Werke, unter anderen ab Mai 1946 die Zählerfabrik in Hameln, die später auch Sicherungsautomaten und technische Leuchten produzierte und 1963 rund 2.500 Mitarbeiter beschäftigte. Viele der neuen Fabriken, wie etwa die aus Erfurt verlagerten Olympia Büromaschinenwerke, wurden zunächst in ehemaligen Liegenschaften der Wehrmacht eingerichtet, die sich jedoch für die Fertigung nur bedingt eigneten und der AEG auf Dauer Wettbewerbsnachteile brachten.

1948: Die AEG-Fabrik Kassel (FK) in der Lilienthalstraße 150 wurde in den Hallen des ehemaligen MWK (Motorenbau Werk Kassel) in Betrieb genommen. Als erster Fabrikteil nahm die Hochspannungsschaltgerätefabrik (HSF) die Fertigung auf, später folgten die Kühlgerätefertigung (KSF), Fahrkartendruckerfabrik (FDF), Isolierstofffabrik (IF) sowie das weltweit anerkannte Hochspannungsinstitut (HI). In den frühen 1960er Jahren arbeiteten mehr als 5000 Mitarbeiter in den verschiedenen Bereichen des Werkes Kassel.

1951: Das AEG-Hochhaus am Theodor-Stern-Kai in Frankfurt/Main wurde als neue Unternehmenszentrale bezogen. Das Werk in Oldenburg (Oldb) produzierte Kleinmotoren und Hausgeräte und beschäftigte 1963 rund 2.650 Mitarbeiter. Die Zahl der Beschäftigten im Konzern stieg von 20.900 im September 1948 auf 55.400 Personen im September Jahres 1957. Im selben Jahr überstieg der Umsatz erstmals eine Milliarde DM. Die hohen Investitionen für den Neuaufbau der AEG (von 1948 bis 1956 über 500 Millionen DM) belasteten allerdings die Bilanz erheblich.

1958: Das Unternehmen stellt mit dem „Lavamat" seinen ersten Waschvollautomaten vor. In der Werbung für AEG-Hausgeräte wird erstmals der Slogan AEG – Aus Erfahrung Gut verwendet, woraus der Volksmund alsbald „Alles Ein Gammel – Aber Es Geht“ macht oder: „Auspacken, Einschalten, Garantiefall bzw. Geht nicht“, oder auf Fränkisch: „Allmächd, Edz Gäihds.“

1960 wurde in Berlin das Telefunken-Hochhaus als Firmenzentrale von der AEG-Tochterfirma Telefunken errichtet. Nach der Fusion beider Unternehmen zur AEG-Telefunken AG wurde es von dieser weiter genutzt und schließlich 1975 an den Berliner Senat verkauft.

1962: Der AEG-Konzern umfasste in der Bundesrepublik 127.000 Beschäftigte und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von 3,1 Milliarden DM. In Springe eröffnete die AEG im Februar 1962 eine neue Fabrik zur Herstellung von Regel- und Steuergeräten mit 200 Beschäftigten.

1962: Patenterteilung für das von Walter Bruch bei Telefunken in Hannover entwickelte PAL-Farbfernsehsystem.

1966: In Berlin wurde im Bezirk Wedding die Größtmaschinenhalle auf dem Areal Brunnenstraße fertiggestellt. Sie galt zu dieser Zeit als größte Halle der Branche in Europa (175 m lang, 45 m breit und 26 m hoch) und gestattete mit vier koppelbaren Kranbahnen den Bau von Motoren und Generatoren größter Leistungen und mit Einzelgewichten bis 400 t für den Weltmarkt. Zur Grundsteinlegung war der damalige Justizminister der USA, Robert F. Kennedy, anwesend. Die Halle wurde nach Schließung der Betriebsstätte Brunnenstraße 1986 abgerissen. An der Brunnenstraße wurden von Siemens Nixdorf neue Gebäude errichtet, die heute auch nicht mehr vorhanden sind.

1. Januar 1967: Fusion mit Telefunken als: Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft AEG-Telefunken mit Sitz in Frankfurt am Main.

Untergang

1970: Weltweit stand AEG-Telefunken mit 178.000 Mitarbeitern an zwölfter Stelle in der Weltrangliste der größten Elektrounternehmen. Die Unternehmenskrise zeichnete sich jedoch ab. Das Unternehmen wurde unter anderem belastet durch letztlich erfolglose Projekte, wie den Bau einer automatischen Gepäckförderanlage am Flughafen Frankfurt am Main und den Einstieg in den Bau von Kernkraftwerken. Die von der AEG in den 1960er Jahren entwickelte Baulinie von Siedewasserreaktoren konnte sich am Markt letztlich nicht durchsetzen. Insbesondere das Kernkraftwerk Würgassen, dessen Inbetriebnahme sich wegen einer Reihe von technischen Problemen um Jahre verzögerte, kostete die AEG Hunderte von Millionen Mark. Neben solchen technischen Problemen war eine Hauptursache für den Zusammenbruch ein chaotisches Finanz- und Planungswesen. Planungsunterlagen waren unnötig ausführlich und dadurch unverständlich. In Frankfurt/Main gab es eine aufgeblähte, uneffektive Unternehmenszentrale mit fast 1.000 Mitarbeitern. Gewinne und Verluste verschiedener Geschäftsbereiche wurden durch das Rechnungswesen so zusammengeführt, dass nach Insider-Informationen schließlich kein einziger Bereich tatsächliche Gewinne auswies. Mit derartigen Problemen stand die AEG nicht allein.

1972: Der Konzern schüttete letztmals eine Dividende aus. Die Unterhaltungselektronik wurde unter dem Namen Telefunken Fernseh und Rundfunk GmbH mit Sitz in Hannover ausgegliedert. Die Computertechnik folgte: Das Tätigkeitsgebiet der Großrechner (TR 4, TR 10, TR 440) wurde zunächst in eine Kooperation unter dem Namen Telefunken Computer GmbH mit dem Unternehmen Nixdorf Computer eingebracht und zwei Jahre später an Siemens verkauft (Computer Gesellschaft Konstanz). Das Tätigkeitsgebiet der Prozessrechner (TR 84, TR 86, AEG 60-10, AEG 80-20, AEG 80-60) wurde im Geschäftsbereich Automatisierungstechnik (ab 1980 als ATM Computer GmbH) weitergeführt.

1975: Das ehemalige Telefunken-Hochhaus am Berliner Ernst-Reuter-Platz wurde an den Berliner Senat verkauft. Das Gebäude war bereits früher an die TU Berlin vermietet worden.

1976: Um die paritätische Mitbestimmung der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat zu umgehen, wurden von Walter Cipa (Dipl.-Geologe und von 1976 bis 1980 AEG-Chef) neben den beiden selbstständigen Unternehmen AEG Hausgeräte GmbH und Telefunken Fernseh und Rundfunk GmbH zusätzlich vier sogenannte „Betriebsführungsgesellschaften“ als Aktiengesellschaften gegründet, die zu 100 Prozent Unternehmenstöchter der Konzernmutter sind (die Zahlen in Klammern beziehen sich auf den Anteil am Konzernumsatz im Jahre 1980): AEG-Telefunken Anlagentechnik AG (37 %), AEG-Telefunken Serienprodukte AG (16 %), AEG-Telefunken Kommunikationstechnik AG (6 %), Olympia Werke AG (Unternehmensbereich Bürotechnik, 7 %), AEG-Hausgeräte GmbH (22 %), Telefunken Fernseh und Rundfunk GmbH (12 %)

1979 wurde das Unternehmen aus EG-rechtlichen Gründen in AEG-Telefunken Aktiengesellschaft umfirmiert bei gleichzeitigem Fortfall der noch aus dem Jahr 1887 stammenden Zusatzbezeichnung Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft

1980: Heinz Dürr wurde zum 1. Februar Vorstandsvorsitzender (bis 1990)

1982: Am 9. August muss die Konzernleitung beim Amtsgericht Frankfurt/Main Vergleich anmelden. Ein Sanierungskonzept, das Bundesbürgschaften von 600 Mio. DM und neue Bankkredite von 275 Mio. DM vorsah, scheiterte zunächst an der Uneinigkeit der Banken, dann gewährte ein Bankenkonsortium dem AEG-Konzern bis Juni 1983 ein Verwalterdarlehen von 1,1 Mrd. DM. Davon waren 700 Mio. DM sofort verfügbar und 400 Mio. DM nach Zusage einer Bürgschaft durch den Bund. Vergleichsverwalter war der Rechtsanwalt Wilhelm Schaaf. Infolge des Vergleichsverfahrens der AEG (August 1982 bis Oktober 1984) wurden weitere wesentliche Kernbereiche abgegeben. Hiervon war nicht nur die AEG-Telefunken AG, sondern auch die Tochtergesellschaften Küppersbusch AG in Gelsenkirchen, die Hermann Zanker Maschinenfabrik GmbH & Co. KG in Tübingen und die Carl Neff GmbH in Bretten betroffen. Die Alno-Möbelwerke GmbH & Co. KG in Pfullendorf wurde wieder von den bisherigen Minderheitsgesellschaftern der Familie Nothdurft übernommen und aus dem Konzern ausgegliedert. Auch Zulieferer der AEG mussten Konkurs anmelden, u.a. die Becher & Co. Möbelfabriken KG in Bühlertann. Mitauslöser dafür waren unangemessene Unternehmensaufkäufe und mangelnde Kontinuität der Unternehmenspolitik. Eine Auswirkung des Vergleichs war unter anderem der Verkauf des Areals der traditionellen Maschinenfabrik Brunnenstraße im damaligen Berliner Bezirk Wedding. Damit wurden die Groß- und Kleinmaschinenfabrik zugunsten der Lloyd Dynamowerke in Bremen (Mittelmaschinen), der AEG-Fabrik Essen (Großmaschinen) und des Unternehmens Bauknecht (Kleinmaschinen) aufgegeben. Für die ebenfalls auf diesem Areal befindlichen Stromrichterfabrik und Bahnfabrik wurden neue Fabriken in Berlin-Marienfelde bzw. Berlin-Spandau erbaut. Das Großrechenzentrum und das Institut für Automation wurden an anderen Standorten untergebracht.

1983/1984: Die Sparte Unterhaltungselektronik (Telefunken Fernseh und Rundfunk GmbH) wird an den französischen Staatskonzern Thomson-Brandt verkauft, der in der Folge die Produktion mit SABA und Nordmende zusammenlegte.

1985: Übernahme durch die Daimler-Benz AG. Der Name lautete wieder AEG Aktiengesellschaft, Logo siehe oben. Damit sollte die Vision des Daimler-Benz Vorstandes Edzard Reuter (ab 1987 Daimler-Vorstandsvorsitzender), der aus beiden Unternehmen einen „Integrierten Technologiekonzern“ schaffen wollte, besser dargestellt werden.

1988: Anlässlich der Feier zum 60-jährigen Bestehen des AEG-Forschungsinstituts stiftete die AEG den Carl-Ramsauer-Preis.

1990 kooperierte der Bahnbereich als AEG Westinghouse Transport-Systeme GmbH (Sitz Berlin) kurzzeitig mit der Westinghouse Transportation Systems Inc. in Pittsburgh, USA.

1992: Fusion des Bahnbereiches mit dem Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hennigsdorf, woraus die „AEG Schienenfahrzeuge GmbH“ entstand.

1992: Die schwedische Atlas Copco-Gruppe erwirbt die AEG Elektrowerkzeuge GmbH.

1994: Verkauf der Abteilung für Automatisierungstechnik (Modicon) an Schneider Electric und der AEG Hausgeräte AG an Electrolux.

1995: Die AEG Schienenfahrzeuge GmbH ging nach der Verlagerung der Spandauer Betriebsstätte nach Hennigsdorf in die ABB Daimler-Benz Transportation (Adtranz) und mit dieser am 1. Mai 2001 in die Bombardier Transportation über, blieb aber noch unter HRB 2889 beim Registergericht Potsdam mit Sitz in Hennigsdorf eingetragen (Stand Aug. 2008).

1996: Verkauf von neun mittelständisch strukturierten Gesellschaften an die Elexis Elektroholding GmbH (1998 umfirmiert in elexis AG), Übernahme der AEG Anlagen- und Automatisierungstechnik durch Cegelec und Übernahme der AEG Energietechnik (AEG T&D) durch GEC-Alsthom. Auf Beschluss der Hauptversammlung der Daimler-Benz AG unter dem Vorsitz von Jürgen Schrempp erfolgte die Fusion des verlustbehafteten Konzerns mit der Daimler-Benz AG. Neu gegründete Unternehmen bzw. bereits bestehende (z. B. DASA) sollten diverse Geschäftsfelder des ehemaligen AEG-Konzerns fortführen. Am 20. September 1996 wurde nach fast 110 Jahren Unternehmensgeschichte die Firma AEG im Handelsregister gestrichen.


Nachleben der Marke und der Unternehmensteile

1997: Das umfangreiche Unternehmensarchiv wurde an das Deutsche Technikmuseum Berlin übergeben.

1999: Das AEG-Hochhaus, die ehemalige Konzernzentrale am Theodor-Stern-Kai in Frankfurt am Main, wurde abgerissen und mit dem „Allianz-Kai” ein neues Büro- und Dienstleistungszentrum errichtet.

2000: Die 1981 gegründete AEG Softwaretechnik, ab 1996 Teil der repas AEG-Unternehmensgruppe und seit 1998 unter dem Namen repas AEG Software GmbH geführt, wird 2000 von der PSI AG übernommen und firmiert als PSI Transportation GmbH, seit 2007 als PSI Transcom GmbH. Der Namensteil AEG verschwand. Die PSI AG wurde 1969 von AEG-Mitarbeitern ausgegründet.

ITM Technology AG übernahm die Rechte am Markennamen AEG für Telekommunikation und Car Hifi. 2009 fielen jedoch für die ITM Technology AG im Rahmen eines Insolvenzverfahrens Lizenzen von AEG und Hagenuk weg.

2002: Schließung des AEG-Hausgeräte-Werkes in Kassel-Bettenhausen, Verlagerung der Produktion von Kühl- und Gefriergeräte nach Italien und Ungarn. Die Stiebel-Eltron-Gruppe kaufte die Electrolux Haustechnik GmbH (EHT) mit der AEG Haustechnik.

2004: Die EHG Elektroholding GmbH, Tochtergesellschaft der DaimlerChrysler AG, verkaufte für etliche Produktgruppen die globalen AEG-Markenrechte an die schwedische Electrolux AG. Die Clatronic-Tochter ETV Elektrotechnische Vertriebsgesellschaft mbH übernahm die Rechte am Markennamen AEG für Unterhaltungselektronik und Health Care. Übernahme der Elektromaschinen-Marke AEG von Atlas Copco durch Techtronic Industries, die seitdem unter dem Namen A&M Elektrowerkzeuge firmiert.

2005: Bekanntgabe der Schließung des Nürnberger AEG-Werkes und Verlagerung der Produktion nach Polen und Italien. Somit werden zukünftig alle AEG-Haushaltsgeräte, bis auf die im AEG-Werk Rothenburg ob der Tauber produzierten Backöfen, Herde und Kochmulden, außerhalb Deutschlands (in erster Linie in Polen, Ungarn und Italien) produziert. Die Schließung führte zu einem sechswöchigen Streik der Belegschaft und einem Boykottaufruf der Gewerkschaft (Konsumentenboykott).

2007: Die letzte AEG-Waschmaschine lief am 9. März im Electrolux-Werk Nürnberg vom Band; am 16. März wurde das Werk geschlossen.

2008: Electrolux reaktiviert den unternehmerischen Mantel im August 2008, sodass der Name AEG als neuer Bestandteil des Konzerns auftritt.

2009 erwarb die Special Purpose Acquisition Company (SPAC) Germany1 Acquisition Limited die Mehrheit an dem Hersteller von Stromversorgungsgeräten AEG Power Solutions von dem Finanzinvestor Ripplewood. AEG Power Solutions mit Sitz in den Niederlanden ist hervorgegangen aus der Saft Power Systems (ehemals eine Tochter von Alcatel), die 1998 die AEG SVS Power Supply Systems GmbH erwarb; seit 2008 firmiert die Gruppe unter dem Namen AEG Power Solutions, soll aber bis Sommer 2010 in 3W Power Holdings umbenannt werden.

2012 vergab Electrolux eine Markenlizenz für LED-Leuchtmittel an Elec Tech International aus Hong Kong.

Katalog der Reklamemarken und Siegelmarken

Katalog der Reklamemarken und Siegelmarken der AEG.


Adresse: Sickingenstr. 70/71 (Berlin-Moabit)


Text: Wikipedia

Liste der Autoren

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen von Wikipedia beschrieben.